Am 15. April jährte sich zum 18. Mal der Abschuss der ersten Hamas-Rakete auf Israel. Abgebildet: Bewaffnete Hamas-Milizen auf einer Parade mit einem fahrzeuggebundenen Raketenwerfer in Gaza. Foto Abed Rahim Khatib/Flash90
Am 15. April jährte sich zum 18. Mal der Abschuss der ersten Hamas-Rakete auf Israel. Abgebildet: Bewaffnete Hamas-Milizen auf einer Parade mit einem fahrzeuggebundenen Raketenwerfer in Gaza. Foto Abed Rahim Khatib/Flash90
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Am 15. April war der 18. Jahrestag der ersten von der Hamas auf Israel abgefeuerten Rakete. An diesem Tag vor 18 Jahren starteten die Kassam-Brigaden – der militärische Flügel der Hamas – ihren ersten Raketenangriff auf israelische Ballungszentren an der Grenze zum Gazastreifen.

 

von Khaled Abu Toameh

Am Vorabend dieses Jahrestages drohte Yahya Sinwar, der Hamas-Führer im Gazastreifen, seine Bewegung werde auch weiterhin Raketen auf Israel abfeuern. Die Raketen, so erklärte er, würden nicht nur auf israelische „Siedlungen“ im Grenzgebiet zum Gazastreifen abgefeuert, sondern auch auf angebliche „Siedlungen“ in den israelischen Städten Aschkelon, Aschdod und Tel Aviv.

Weiterhin verkündete Sinwar, dass das vor Kurzem durch Ägypten vermittelte Waffenstillstandsabkommen zwischen der Hamas und Israel keine Friedensvereinbarung sei. Das Abkommen, so erklärte er, erfordere von der Hamas weder die Entwaffnung noch die Aufgabe ihrer wöchentlichen Demonstrationen an der Grenze zu Israel, die auch als „Grosser Marsch der Rückkehr“ bekannt sind.

„Das Abkommen hat keinerlei politische Dimension“ liess der Hamas-Führer verlauten. „Ich verspreche: Wenn uns ein Krieg aufgezwungen wird, wird die Besatzungsmacht ihre Siedlungen evakuieren müssen; nicht nur die in der Nähe zum Gazastreifen, sondern auch die in Aschdod, Aschkelon, der Negev und selbst in Tel Aviv. Denkt an dieses Versprechen.“

Sinwars Drohungen erinnern uns daran, dass die Hamas, ebenso wie andere palästinensische Terrororganisationen, Israel für eine einzige grosse Siedlung hält, die vernichtet werden muss. Für die Hamas und die anderen terroristischen Gruppierungen gibt es keinen Unterschied zwischen einem Juden, der im Westjordanland lebt und einem Juden, der in Tel Aviv oder Aschkelon lebt. Für die Terrororganisationen sind all diese Juden, gleichgültig, ob sie im Westjordanland oder in Israel leben, „Siedler“ und „Kolonisten“.

In ihren Augen sind Tel Aviv, Aschkelon, Aschdod und alle anderen israelischen Städte nichts anderes als jüdische Gemeinden und Stadtviertel in Ost-Jerusalem und dem Westjordanland. Dies ist der Grund, warum die Hamas und andere Terrororganisationen alle „Siedlungen“ – innerhalb Israels und des Westjordanlands – als legitime Ziele für ihre Raketen betrachten.

Im Gegensatz zu den Behauptungen mancher Politikwissenschaftler und Medienkanäle im Westen hat die Hamas niemals die Existenzberechtigung Israels anerkannt. Unnötig zu erwähnen, dass die Hamas auch den „bewaffneten Kampf“ gegen Israel nie aufgegeben hat.

Vor allen Dingen hat die Hamas zu keiner Zeit die „Zweistaatenlösung“ anerkannt oder ihre Charta geändert, in der es explizit heisst:

„Wenn unsere Feinde islamisches Land an sich reissen, wird der Dschihad [Heilige Krieg] zu einer für alle Muslime bindenden Verpflichtung. Wenn wir der widerrechtlichen Aneignung Palästinas durch die Juden entgegentreten wollen, dann gibt es keinen anderen Ausweg für uns, als das Banner des Dschihad zu hissen. Dazu ist es erforderlich, auf allen lokalen, arabischen und islamischen Ebenen ein islamisches Bewusstsein unter den Massen zu schaffen. WIR müssen den Geist des Dschihad unter der [islamischen] Umma (Gemeinschaft) verbreiten, mit den Feinden kämpfen und den Reihen der Dschihad-Kämpfer beitreten.“

Sinwar gebührt Anerkennung für seine Ehrlichkeit, was die wahren Ziele seiner Bewegung angeht. Weitere Anerkennung gebührt ihm dafür, dass er sich strikt an jedes Wort aus der Hamas-Charta hält, die vor über 30 Jahren veröffentlicht wurde und die bis zum heutigen Tag nichts von ihrer Aktualität verloren hat.

Der Dschihad sollte nach Ansicht des Hamas-Führers nicht nur gegen die Juden, die in den Siedlungen im Westjordanland leben, geführt werden, sondern auch gegen jene, die in „Siedlungen“ im übrigen Israel, einschliesslich Tel Aviv, leben. Er sagt, er wolle, dass alle Juden aus ihren Häusern evakuiert werden. Er sagt, er hoffe, dass die Hamas-Raketen eines Tages Israel dazu zwingen werden, alle Juden aus ihren Häusern zu „evakuieren“.

In den vergangenen 18 Jahren haben die Hamas, der Islamische Dschihad und andere terroristischen Gruppierungen im Gazastreifen Tausende Raketen und Flugkörper auf Israel abgefeuert.

Ein Bericht der Israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) über das Raketenarsenal der Hamas stellt fest, dass die Terrororganisation rund 6.000 Raketen besitzt. Dazu zählen über 1.000 Stück Kurzstreckenraketen (15 km Reichweite) aus eigener Produktion, mehr als 2.500 Stück geschmuggelte Kurzstreckenraketen (15 km Reichweite), rund 200 Stück selbst produzierte Grad-Raketen (20 km Reichweite), ungefähr 200 Stück geschmuggelte Grad-Raketen (20 km Reichweite), ca. 200 Stück selbst hergestellte verbesserte Grad-Raketen (45 km Reichweite), rund 1.000 Stück geschmuggelte verbesserte Grad-Raketen (45 km Reichweite), über 400 Stück selbst produzierte Mittelstreckenraketen (bis zu 80 km Reichweite) sowie Dutzende Langstreckenraketen (100–200 km Reichweite).

Die anderen Terrorgruppen im Gazastreifen verfügen laut dem Bericht über rund 5.500 weitere Kurz-, Mittel- und Langstreckenraketen.

Daher sollten Sinwars Drohungen, weitere Raketen auf Israel abzuschiessen, äusserst ernst genommen werden. Ebenso hat er recht, wenn er sagt, dass das Waffenstillstandsabkommen mit Israel keine politische Übereinkunft mit dem „zionistischen Gebilde“ sei. Die Hamas kann keine politischen Geschäfte mit Israel machen, weil sie Israels Existenzberechtigung nicht anerkennt. Das ist die Botschaft, die Sinwar und die Führer aller palästinensischen Terrororganisationen der Welt vermitteln wollen. Für die Anführer der Terroristen ist der einzige Frieden, den sie akzeptieren werden, ein solcher, der die Vernichtung Israels und die Vertreibung aller Juden aus ihren Häusern zur Folge hat.

Die Hamas lehnt natürlich den bevorstehenden, auch als „Jahrhundertdeal“ bekannten, Nahost-Friedensplan von US-Präsident Donald Trump strikt ab. Wie kann die Hamas einen Friedensplan akzeptieren, der Israels Existenzberechtigung anerkennt? Die Hamas ist gegen den Jahrhundertdeal – nicht etwa, weil der Plan den Palästinensern nicht genug Land anbietet. Nein, sie ist gegen den Plan, weil er den Palästinensern nicht das gesamte Land, vom Mittelmeer bis zum Fluss Jordan anbietet.

Betrachten wir einen weiteren Satz aus der Hamas- Charta, einen, der erklärt, warum sie Israels Existenzberechtigung nicht anerkennen kann:

„Die Islamische Widerstandsbewegung [Hamas] ist der Ansicht, dass das Land Palästina seit Generationen und bis zum Tag der Auferstehung eine islamische Waqf (fromme Stiftung) ist; niemand kann auf sie oder Teile von ihr verzichten oder sie oder Teile von ihr aufgeben.“

Die vor über drei Jahrzehnten formulierte Botschaft der Hamas-Charta an die USA, die arabische Welt, die Palästinenser und den Rest der internationalen Gemeinschaft hört sich an, als sei sie erst gestern ausgegeben worden. Es ist eine eindeutige, unmissverständliche Botschaft, die aussagt:

„[Friedens-] Initiativen, die sogenannten friedvollen Lösungen und die internationalen Konferenzen zur Lösung des Palästinaproblems laufen den Überzeugungen der Islamischen Widerstandsbewegung [Hamas] zuwider. Denn der Verzicht auf einen Teil Palästinas ist gleichbedeutend mit dem Verzicht auf einen Teil der Religion. Es gibt keine andere Lösung für das palästinensische Problem als den Dschihad.“

Die Hamas ist keine kleine Gruppierung, deren Drohungen man als „unbedeutend“ beiseiteschieben könnte. Sie ist eine Terrororganisation, in deren Besitz sich Tausende Raketen befinden und die den gesamten Gazastreifen, in dem beinahe zwei Millionen Palästinenser leben, kontrolliert. Sie ist eine Terrororganisation, die 2006 die palästinensischen Parlamentswahlen gewonnen hat. Sie ist eine Terrororganisation, deren Unterstützer eine Reihe von Studentenratswahlen gewonnen haben – nicht nur im Gazastreifen, sondern auch in den von der palästinensischen Autonomiebehörde kontrollierten Bereichen im Westjordanland.

Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, hat zweifelsohne die Hamas-Charta gelesen. Er weiss, wenn er als Moslem einen Friedensplan akzeptiert, der nicht auch die Vertreibung aller Juden aus ihren Häusern beinhaltet, wird er von seinen Rivalen in der Hamas als Verräter verurteilt werden. Abbas ist sich ausserdem der Hamas-Drohungen bewusst, Israel mit einem Raketenteppich überziehen zu wollen. Er weiss, dass die Hamas nicht nur Israel angreifen, sondern auch versuchen wird, ihn dafür niederzumachen, dass er die Araber und Muslime „betrügt“, indem er den Juden „gestattet“ weiterhin in „ihrem“ Staat zu leben. Dies ist die palästinensische Realität, der sich der Jahrhundertdeal bald wird stellen müssen.

Khaled Abu Toameh ist ein preisgekrönter arabisch-israelischer Journalist und TV-Produzent. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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