Antisemitische Graffitis die auf ein Gebäude in Oklahoma gesprüht wurden, 3. April 2019. Foto Facebook
Antisemitische Graffitis die auf ein Gebäude in Oklahoma gesprüht wurden, 3. April 2019. Foto Facebook
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In einem neuen Bericht warnt Dr. Moshe Kantor, Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses (EJC), vor dem Anstieg der weltweiten gewalttätigen antisemitischen Angriffe um 13% im Jahr 2018 und dem zunehmenden Gefühl der Unsicherheit unter den jüdischen Gemeinden weltweit.

 

„Wenn ich die Situation des Antisemitismus im Jahr 2018 und Anfang 2019 in einem Satz zusammenfassen muss, würde ich sagen, dass es das wachsende Gefühl der Not unter Juden in vielen Ländern der Welt ist“, sagte Dr. Kantor anlässlich der Vorstellung des Berichtes im Kantor Center der Tel Aviv University.

„Der Antisemitismus ist in der letzten Zeit so weit fortgeschritten, dass er die Fortsetzung des jüdischen Lebens in vielen Teilen der Welt in Frage stellt. Wie wir bei der zweiten Schiesserei in einer Synagoge in den USA gesehen haben, sind viele Teile der Welt die bisher als sicher galten, nicht mehr sicher.“ erläuterte Kantor.

„Darüber hinaus ist der Antisemitismus, wie wir kürzlich mit der skandalösen Karikatur in der New York Times gesehen haben, allmählich in den öffentlichen Diskurs eingetreten. Drohungen, Belästigungen und Beleidigungen sind gewalttätiger geworden und haben zu noch mehr körperlicher Gewalt gegen Juden geführt. Es fühlt sich an, als wäre fast jedes Tabu in Bezug auf Juden, Judentum und jüdisches Leben gebrochen worden.“

Im Jahr 2018 gab es laut dem neuen Bericht im Vergleich zu den Vorjahren die meisten ermordeten Juden (13). Die Zahl der vom Team des Kantor Zentrums überwachten grösseren Gewaltfälle ist um 13% von 342 auf 387 gestiegen.

In den westeuropäischen Ländern ist die Situation am schlimmsten – insbesondere in Deutschland, wo der gewalttätige Antisemitismus um 70 Prozent zugenommen hat. Die Länder mit der höchsten Zahl schwerer Gewalttaten sind die USA mit über 100 Fällen, das Vereinigte Königreich mit 68 Fällen, Frankreich und Deutschland mit jeweils 35 Fällen und Kanada mit 20 gemeldeten Fällen von Gewalt gegen Juden.

Gefahr nicht nur für die Juden

„Es ist nun klar, dass sich der Antisemitismus nicht mehr auf das Dreieck von Linksradikalen, Rechtsradikalen und radikalen Islamisten beschränkt – er hat sich durchgesetzt und wird von der Zivilgesellschaft oft akzeptiert“, so Kantor weiter. „Es stellt eine eindeutige Gefahr nicht nur für die Juden, sondern für die Gesellschaft als Ganzes dar. Antisemitismus ist der gemeinsame Nenner, der Extremisten auf dem politischen Spektrum vereint, als Teil ihrer Politik der Intoleranz, die uns alle in Gefahr bringt.“

„Da das politische Zentrum immer anfälliger wird, versuchen diese extremistischen Bewegungen und Gruppen, politische Macht zu erlangen, indem sie die Grundlagen demokratischer Gesellschaften angreifen“, schloss Dr. Kantor.

Klicken Sie hier, um den Jahresbericht 2018 über Antisemitismus weltweit zu lesen.

 

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