Eine Gruppe arabischer und islamischer Aktivisten, die sich in der libanesischen Hauptstadt Beirut traf und erklärte, dass
Eine Gruppe arabischer und islamischer Aktivisten, die sich in der libanesischen Hauptstadt Beirut traf und erklärte, dass "alle Formen der Normalisierung mit dem zionistischen Wesen ein Akt des Verrats sind". Foto Al-Resalah / Facebook
Lesezeit: 6 Minuten

Frieden mit Israel ist angeblich eine Form der Kapitulation und Unterwerfung, die auf irgendeine Weise die Würde der Araber und Muslime verletzt. Dies ist das Thema einer massiven Kampagne, geführt von Palästinensern und anderen Arabern zur Vorbereitung auf die Ankündigung der US-Regierung eines Friedensplans für den Nahen Osten, auch bekannt als der „Deal des Jahrhunderts“. Nach Angaben von US-Funktionären wird erwartet, dass der Plan irgendwann nach den Parlamentswahlen vom 9. April in Israel veröffentlicht wird.

 

von Bassam Tawil

Die jüngste Kampagne soll den „Deal des Jahrhunderts“ vereiteln und Araber und Muslime terrorisieren, die den Friedensplan der US-Regierung akzeptieren wollen.

Um auf die Gefahren des „Deals des Jahrhunderts“ aufmerksam zu machen, versuchen zunehmend mehr Palästinenser und Araber, ihrem Volk zu erklären, warum Frieden und Normalisierung der Beziehungen zu Israel völlig unannehmbar sind.

Der neueste Versuch ist eine Online-Kampagne mit dem Titel „Die internationale Anti-Normalisierungskampagne“. Die Organisatoren der Kampagne sagen, dass sie besorgt sind, weil einige arabische Staaten und Führer beim „Deal des Jahrhunderts“ mitarbeiten könnten. Sie sind beunruhigt, weil sie sehen wie einige arabische Staaten und Führer bereits an verschiedenen Formen der Normalisierung mit Israel arbeiten.

Die Kampagne zielt eindeutig darauf ab, nicht nur die einfachen Araber und Muslime, sondern auch ihre Anführer vor den „gefährlichen Folgen“ des Friedens mit Israel zu warnen.

Laut den Organisatoren der Anti-Friedenskampagne ist „Normalisierung (mit Israel) das erbärmliche Ergebnis einer Kultur der Kapitulation und Unterwerfung“ und Zugeständnisse und Frieden seien nur beschämend und erniedrigend.

Für sie scheinen die Worte Frieden und Kompromiss (mit Israel) mit extrem negativen Assoziationen wie Rückzug, Niederlage und Kapitulation verbunden zu sein.

Das Existenzrecht Israels anzuerkennen wird von vielen Arabern und Muslimen auch als Demütigung für ihre Werte, ihre Kultur, ihre politische Macht und ihre wirtschaftlichen Traditionen angesehen. Sie wurden erzogen, Israel als einen fremden Körper und ein „koloniales Projekt“ zu sehen das von den Westmächten im Nahen Osten gegründet wurde. Sie können daher die Anwesenheit von Juden – in dem, was sie als ihren eigenen souveränen Staat betrachten – überhaupt in Ländern, von denen sie glauben, dass sie ausschliesslich Muslimen gehören, nicht akzeptieren.

Selbst der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, der von westlichen Medien und Politikern oft als „gemässigter“ und „pragmatischer“ arabischer Führer bezeichnet wird, teilt die Ansicht, dass Israel nichts anderes als ein „Kolonialprojekt“ ist. In einer Rede vor PLO-Delegierten in Ramallah im vergangenen Jahr zitierte Abbas den ägyptischen Intellektuellen Abdel-Wahab El-Messiri und sagte:

„Der funktionale Charakter Israels bedeutet, dass es durch den Kolonialismus hervorgerufen wurde, um eine bestimmte Aufgabe zu erfüllen und somit stellt es ein kolonialistisches Unternehmen dar, welches nichts mit dem Judentum zu tun hat.“

Abbas fügte weiter hinzu:

„[Oliver Cromwell] hatte die Idee, die Juden von Europa in den Mittleren Osten zu transferieren…. weil sie wollten, dass diese Region zu einem fortschrittlichen Ort wird, um die Interessen und die Konvois von Europa in den Osten zu schützen…. Er bat die Niederlande, die die grösste Flotte der Welt besassen, die Juden zu übersiedeln, aber das Projekt war erfolglos. Das war 1653.“

Abbas hat im vergangenen Jahr auch immer wieder seine Ablehnung des noch unbekannten „Deals des Jahrhunderts“ angekündigt. Er hat den Plan als „Verschwörung“ und „Ohrfeige des Jahrhunderts“ bezeichnet. Wie soll er sich denn jetzt plötzlich an sein Volk wenden und den Deal auf einmal akzeptieren – oder irgendeinen Deal, der das Existenzrecht Israels anerkennen könnte?

„Normalisierung (mit Israel) ist gleichbedeutend mit Niederlage“, erklärte Mohammed al-Adloni, Generalsekretär der antiisraelischen Gruppe, „The International Coalition for Supporting Jerusalem and Palestine“.

Weiter warnte er davor, dass Frieden oder die Normalisierung der Beziehungen zu Israel eine Bedrohung für das „Bewusstsein“ der Araber und Muslime darstellen würde. Frieden mit Israel zu schliessen, so al-Adloni, wäre wie „eine vollständige Inbesitznahme des Bewusstseins (der Araber und Muslime)“.

Al-Adloni und andere anti-israelische Aktivisten in den arabischen und islamischen Ländern scheinen besorgt zu sein, dass ihr Volk, wenn es mit der „zionistischen Einheit“ Frieden schliesst, demokratischen Werten und Meinungsfreiheit ausgesetzt sein könnte. Sie scheinen besorgt zu sein, dass Araber und Muslime eines Morgens aufwachen und freie und demokratische Wahlen fordern, wie sie alle paar Jahre in Israel stattfinden.

Das Anti-Friedenslager in der arabischen und islamischen Welt scheint nicht zu wollen, dass seine Bevölkerung den fortschrittlichen israelischen Technologien, einschliesslich der medizinischen Versorgung, ausgesetzt ist. Dieses Lager scheint zu wollen, dass sein Volk weiterhin in Elend und Diktatur lebt, damit es einfacher ist, Menschen für den Dschihad gegen Israel und den Westen zu rekrutieren. Wenn die Menschen aus Armut und Elend herausgeholt und ihre Lebensbedingungen verbessert werden, damit sie die Früchte der modernen Zivilisation geniessen können, besteht die auch Chance, dass sie sich vom Islam entfernen und sogar beginnen die Werte des Westens zu unterstützen.

Diesem Lager von Extremisten scheint es egal zu sein, wenn es darum geht die hohe Arbeitslosigkeit unter Arabern und Muslimen zu senken, die Lebensbedingungen seiner Bevölkerung zu verbessern oder jungen Arabern und Muslimen eine bessere Zukunft zu bieten. Sie scheinen stattdessen zu wollen, dass ihr Volk weiterhin im Elend lebt, so dass ihr Zorn leichter auf Israel und den Westen gerichtet werden kann.

Die anti-israelische Kampagne in der arabischen und islamischen Welt sieht den Frieden mit Israel – und nicht gescheiterte Führung, schlechte Wirtschaftspolitik und Korruption – als die grösste Bedrohung für Araber und Muslime. Die Botschaft, welche die Anti-Friedensaktivisten an ihr Volk senden, lautet: „Der Frieden mit Israel ist das Schlimmste, was uns Arabern und Muslimen passieren kann, weil diese Juden unseren Verstand und unsere Kultur erobern werden“.

Yasser Qadoura, der eine im Libanon ansässige Gruppe namens „Das Volkskomitee für Palästinenser in der Diaspora“ vertritt, sagt, dass seine Organisation derzeit grosse Anstrengungen unternimmt, um Araber und Muslime über die „Gefahren“ des Friedens und der Normalisierung mit Israel aufzuklären. Weiter sagte er, seine Anhänger und er planen eine „Liste der Schande“ zu veröffentlichen, welche die Namen von Arabern und Muslimen enthält, die dabei erwischt werden Frieden und Normalisierung zu propagieren oder versuchen Frieden mit Israel zu schliessen.

Wer auf der Liste steht, wird von Arabern und Muslimen sofort als „Verräter“ denunziert. Verrat ist in vielen arabischen und islamischen Ländern ein mit dem Tode strafbares Vergehen. Die „Liste der Schande“ könnte daher von Arabern und Muslimen als eine Lizenz angesehen werden jeden zu töten, der es wagte auch nur über den Frieden mit Israel zu sprechen.

Letzten Monat entschied eine grosse Gruppe arabischer und islamischer Aktivisten, die sich in der libanesischen Hauptstadt Beirut traf, dass „alle Formen der Normalisierung mit dem zionistischen Wesen ein Akt des Verrats sind“. Laut der Gruppe würde ein Araber oder Muslim, der auch nur sportliche, kulturelle und künstlerische Aktivitäten mit der „zionistischen Einheit“ unternimmt, als „Verräter“ betrachtet werden. In den Augen dieser Aktivisten, einschliesslich islamischer Religionsführer, würde jeder der Fussball spielt oder an einer kulturellen Veranstaltung mit einem Juden teilnimmt, als „Verräter“ verurteilt werden.

Wenn die US-Administration von Präsident Donald J. Trump endlich ihren Plan veröffentlicht, wird sie feststellen, dass viele Araber und Muslime schon eine Einschüchterungskampagne gestartet haben, um ihre Anführer daran zu hindern, Frieden mit Israel zu schliessen. Wenn einem arabischen oder muslimischen Kind verboten ist mit einem Juden Fussball zu spielen, wie kann dann die Trump-Regierung erwarten, dass Araber und Muslime das Existenzrecht Israels anerkennen?

Die Trump-Administration wird schon bald entdecken, was jedes Kind in der arabischen und islamischen Welt weiss: dass es im israelisch-arabischen Konflikt nicht um eine Siedlung, einen Kontrollpunkt oder einen Sicherheitszaun geht, sondern um das Existenzrecht Israels im Nahen Osten. Die Trump-Administration wird auch erfahren, dass der Frieden mit Israel von vielen Arabern und Muslimen als nichts anderes als eine inakzeptable Bedrohung angesehen wird, die um jeden Preis gestoppt werden muss.

Bassam Tawil ist Muslim und lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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1 KOMMENTAR

  1. Die Ablehnung eines Friedens mit Israel beruht ganz einfach auf der islamischen Lehre, gemaess der (einst) islamisch regiertes Territorium (in diesem Fall das Osmanische Reich) niemals von Nicht-Muslimen regiert werden darf und um jeden Preis wieder unter die Scharia zu stellen ist. Das waere das Ende Israels, was den unzaehligen „Chamberlains“ in der Welt leider entgangen ist.

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