Screenshot aus einem Kampagnen Video der Al Qassam Brigaden. Foto MEMRI JTTM
Screenshot aus einem Kampagnen Video der Al Qassam Brigaden. Foto MEMRI JTTM
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Bitcoin hat vielleicht seinen Glanz für viele Spekulanten verloren, die den rasant ansteigenden Preisen hinterherjagen bevor die Blase platzt, aber einige Terroristen wollen die Kryptowährung trotzdem.

 

von Yaya J. Fanusie

Anfang letzter Woche veröffentlichte die Terrororganisation Hamas ein Video, in dem die Unterstützer aufgefordert wurden, der Gruppe Geld in Form von Bitcoins zu schicken. Der Militärflügel der Hamas startete bereits im Januar seine Bitcoin-Kampagne, sammelte aber nur ein paar tausend Dollar. Unbeeindruckt davon, verstärkt die Gruppe das Bitcoin Crowdfunding und wird immer anspruchsvoller im Umgang mit der Technologie.

Das schnittige Hamas-Video ist in arabischer Sprache mit englischen Untertiteln und empfiehlt Möglichkeiten zum Erwerb und Versand von Bitcoins, wobei die Wahrscheinlichkeit entdeckt zu werden gering sein soll. Hamas hatte den Spendern zuvor gesagt, dass sie alle Gelder an eine bestimmte Bitcoin-Adresse schicken sollen, die Website der Gruppe generiert jetzt aber individuelle Adressen für jeden Besucher. Diese Methode wird es den Behörden erschweren Spenden zu identifizieren und zu verfolgen und zeigt, dass die Hamas bei der Betriebssicherheit von Kryptowährungen offenbar vorsichtiger geworden ist. Die Gruppierung scheint in nur wenigen Monaten die Lern-Stufen der Kryptotechnik weit nach oben gestiegen zu sein. Hamas ist nicht die erste Terrororganisation, die über Bitcoin Gelder sammelt. Verschiedene dschihadistische Gruppen haben in den letzten Jahren mit Kryptowährungskampagnen experimentiert, aber die Hamas hat offenbar von ihnen gelernt und bringt den Unterstützern bei wie man Bitcoin sicherer nutzen kann.

Im vergangenen Jahr hat das U.S. Treasury Department zum ersten Mal Kryptowährungs-Wallet-Adressen auf die Sanktionsliste gesetzt. Dies war ein wegweisender Schritt um illegalen Akteuren zu zeigen, dass die Finanzbehörden auch im Bereich der digitalen Währung gegen sie vorgehen werden. Die Hamas-Aktivitäten veranschaulichen jedoch, wie einfach es für terroristische Gruppen ist, sich mit Hilfe von leicht verfügbaren Softwaretools an solche Bemühungen anzupassen. Kryptowährungsadressen sind nicht vergleichbar mit Bankkonten, bei denen eine regulierte Institution sie überprüft, bevor man Ihnen Zugang zur Bank gewährt. Im Krypto-Raum kann man in vielerlei Hinsicht seine eigene Bank sein. Niemand kann Sie davon abhalten, eine Bitcoin-Adresse zu erwerben.

Trotz Hamas‘ einmaligem Vorteil durch die Verwendung von individuelle generierten Adressen, können die USA die Gruppe immer noch unter Druck setzen – oder zumindest ihre potenziellen Bitcoin-Spender. Die Hamas kann problemlos Adressen ausgeben, aber die Finanzierung ist für die Geber riskant. In dem neuen Video empfiehlt die Hamas beispielsweise Spendern, eine von mehreren bekannten Websites zum Kauf von Bitcoins zu besuchen, darunter einige US-amerikanische und europäische Websites. Dies würde jedoch zu einer belastenden Papierspur führen, da die Benutzer sich ausweisen müssen, um Konten bei diesen Websites zu eröffnen. Dies wird als Blockchain-Analyse bezeichnet, benannt nach dem Online-Ledger das Kryptowährungstransaktionen in einer Kette von Blöcken erfasst.

Adressen identifizieren

Websites mit Kryptowährungsaustausch sollten sich des Risikos bewusst sein, dass Kunden an illegalen Finanzierungskampagnen teilnehmen. Auch wenn die unterschiedlichen Hamas-Adressen derzeit vielleicht nicht auf einer Sanktionsliste stehen, ist die Finanzierung der Hamas in irgendeiner Weise immer noch illegal. Um sich aus dem Fadenkreuz der US-amerikanischen Strafverfolgungsbehörden herauszuhalten, müssen Krypto-Börsen die Aktivitäten ihrer Kunden überprüfen, um Verbindungen zu bekannten Hamas Bitcoin-Adressen zu identifizieren. Es liegt im Eigeninteresse des Handels, Terroristen fernzuhalten, so dass sie sich auf die Ausweitung ihrer legitimen Geschäftsaktivitäten konzentrieren können.

Finanzregulierungsbehörden auf der ganzen Welt versuchen, die illegale Finanzierung auf den Kryptowährungsmärkten einzudämmen. Dschihadistische Gruppen haben bisher zwar nicht viel Geld gesammelt, aber die Hamas-Kampagne zeigt, dass Kryptowährungen unabhängig vom Preis von Bitcoin ein neuer und leicht zugänglicher Weg sind, ihr Finanzierungsportfolio zu diversifizieren. Es ist unwahrscheinlich, dass die Terrorismusfinanzierung durch Kryptowährungen bald verschwinden wird.

Yaya J. Fanusie, ein ehemaliger CIA-Analytiker, ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Foundation for Defense of Democracies, einem überparteilichen Think Tank für Sicherheit in Washington DC. Auf Englisch erschienen bei Foundation for Defense of Democracies.

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