Palästinenser in Gaza bereiten Explosivstoffe vor, für neue Ausschreitungen am Freitag an der Grenze zu Israel. Foto Abed Rahim Khatib/Flash90
Palästinenser in Gaza bereiten Explosivstoffe vor, für neue Ausschreitungen am Freitag an der Grenze zu Israel. Foto Abed Rahim Khatib/Flash90

Während im Gazastreifen gegen die Terrorherrschaft der Hamas demonstriert wird, verbreitet der deutsch-französische Fernsehsender ARTE Propaganda, die die Hamas entlastet und Israel dämonisiert.

 

März 2019: Im Gazastreifen demonstrieren Tausende gegen die Terrorherrschaft der Hamas. Unter dem Motto „Wir wollen leben“ protestieren sie gegen die Unterdrückung durch die radikalen Islamisten und die schlechten Lebensbedingungen, für die sie die Hamas und deren Günstlingswirtschaft verantwortlich machen. „Über tausend Palästinenser wurden lokalen Beobachter-Organisationen zufolge von der Terroristenmiliz festgenommen, die mit Waffengewalt auf die Unruhen reagierte und Demonstranten krankenhausreif prügeln liess. Darunter auch Journalisten, Oppositionspolitiker und Mitarbeiter von Nichtregierungsorganisationen“, schreibt Filipp Piatov in der Bild-Zeitung – und ist damit einer von ganz wenigen Journalisten im deutschsprachigen Raum, die sich mit dem Thema befassen.

„Obwohl es unzählige Zeugenberichte und Aufnahmen gibt, die das brutale Vorgehen der Hamas gegen ihre eigene Bevölkerung belegen, können die Palästinenser diesmal nicht auf die Unterstützung der internationalen Weltgemeinschaft hoffen. Der Grund dafür ist simpel: Sie demonstrieren nicht gegen Israel“, so Piatov weiter.

Wie recht er damit hat, demonstrierte der deutsch-französische Sender ARTE ungefähr zur selben Zeit, am 21. März, auf seiner Facebookseite ARTE Info. Der verantwortliche Redakteur hatte sich wohl gedacht, es käme gut, mal wieder mit dem Finger auf Israel zu zeigen. Er liess einen düsteren und mit dramatischer Musik unterlegten Zeichentrick-Trailer anfertigen, in dem in kurzen Texteinblendungen die Not der Kinder Gazas thematisiert wird. Die Hamas kommt nicht vor.

ARTE Info ist eine Facebookseite, die von einer halben Million Menschen verfolgt wird. Die lasen dort am 21. März folgenden Hinweis auf die vor drei Jahren produzierte und vor zwei Monaten ausgestrahlte Reportage „Gaza-Sterne gegen Krieg“ (in der es um den NASA-Mitarbeiter und Astrophysiker Suleiman Baraka geht, der einen längeren Auslandsurlaub in den Vereinigten Staaten beendet und in den Gazastreifen zurückgekehrt ist, um an der dortigen Universität zu lehren und gleichzeitig auch Kindern die Astronomie nahezubringen):

„Das grösste Gefängnis der Welt – auf einer Fläche von 10 mal 40 Kilometern leben die Palästinenser zusammengepfercht in Gaza-Stadt und Gaza-Streifen. Die Grenzen nach Israel und Ägypten sind seit Jahren abgeriegelt.“

Welche Information über die Reportage wird hier geliefert? Richtig: keine. Zumindest keine über den Inhalt, wohl aber darüber, worum es ARTE bei allem, was irgendwie mit Israel zu tun hat (bzw. zwanghaft mit Israel in Verbindung gebracht werden kann), geht: um die Dämonisierung des jüdischen Staates. Die Formulierung „grösstes Gefängnis der Welt“ ist eines der Lieblingsschlagwörter von radikalen Linken oder radikalen Rechten, die gegen Israel wettern. Sie vergessen dabei nicht nur zu erwähnen, wer der Gefängniswärter ist; der Satz steckt auch voller Widersprüche, die nur dem nicht auffallen, dem es allein um Propaganda geht: Lautet die Klage, dass Gaza so gross ist, wie die Rede vom „grössten Gefängnis der Welt“ suggeriert? Oder dass es so klein ist, worauf der Begriff „zusammengepfercht“ deutet? Hier kann sich jemand nicht entscheiden. Nordkorea ist ein wesentlich grösseres Gefängnis, und in Paris mit seiner Einwohnerdichte von 20.000 Einwohnern pro Quadratkilometer sind die Einwohner wesentlich enger „zusammengepfercht“, wenn man dieses Wort hier am Platz findet. Gaza hat bloss 5.000 Einwohner pro Quadratkilometer. ARTE hat hier einfach in die Propagandakiste gegriffen – und versucht, durch den Begriff „zusammengepfercht“ die Verschleppung der Juden in die Todeslager assoziativ ins Spiel zu bringen: Die Holocaustopfer, die in Viehwaggons nach Auschwitz gebracht wurden, waren wirklich „zusammengepfercht“. Im Hinblick auf den Gazastreifen ist das Wort völlig unangebracht. 

Screenshot ARTE Info / Facebook

„So schön war es einmal in Gaza“

Der Zeichentrickfilm, der für die Reportage wirbt, schlägt in die gleiche Kerbe. Er beginnt so: 

„Ein Ort, wie im Traum: Meer, Land, Sonnenschein und 5000 Jahre Geschichte. So schön war es einmal in Gaza.“

Wann genau war es in Gaza „so schön“? Unter den Römern? Während der Zeit des Osmanischen Reiches? Während der israelischen Besatzung zwischen 1967 und 2005? Letzteres könnte stimmen, ist aber sicherlich nicht gemeint. Oder vielleicht während der ägyptischen Besatzung zwischen 1948 und 1967? Schwerlich. James Baster, ein Wirtschaftsberater der Vereinten Nationen, schrieb 1955:

„Für alle praktischen Zwecke wäre es wahr zu sagen, dass 300.000 von Armut geplagte Menschen seit sechs Jahren physisch eingesperrt sind in einem Gebiet von der Grösse eines grossen Stadtparks.“

Obwohl nämlich Ägypten den Gazastreifen 1948 besetzt hatte, liess es keinen freien Personenverkehr zwischen dem Streifen und dem ägyptischen Kernland zu. Erst die israelische Besatzung ab 1967 brachte der Bevölkerung Freiheit, einen rapiden wirtschaftlichen Aufschwung und den Aufbau von sozialer Infrastruktur. Aber noch einmal: diese Ära ist bestimmt nicht gemeint – nicht bei ARTE! Es geht weiter.

„Heute ist Gaza ein überfülltes Gefängnis für 2 Millionen Palästinenser. Im Hintergrund: ein Kriegsschiff. Israel soll verantwortlich sein. 80 Prozent überleben nur dank humanitärer Hilfe. 60 Prozent der jungen Leute sind arbeitslos.“

Könnte die schlechte Wirtschaftslage etwas damit zu tun haben, dass Bomben-, Raketen- und Terrortunnelbau die einzigen Wirtschaftszweige sind, die der regierenden Hamas wichtig sind? Dass sie auch den 1994 für Warenexporte aus dem Gazastreifen eröffneten Grenzübergang Karni nur dazu nutzte, um Terroranschläge in Israel zu verüben, weswegen Israel gezwungen war, ihn wieder zu schliessen? Fragen über Fragen, die nach Antworten schreien. Stattdessen haben wir ARTE. Weiter heisst es in dem Zeichentrickfilm:

„Die Kinder sind traumatisiert vom Krieg.“

Auch hier wieder kein Hinweis auf die Hamas. ARTE redet davon, dass Kinder im Gazastreifen vom Krieg traumatisiert seien, ohne jemals von den Kindersoldaten der Hamas zu sprechen – weder in diesem Beitrag noch überhaupt in der Geschichte des Senders. Ein Tabuthema, warum wohl? Dann kommt ein Satz, der in keinem Lehrbuch über Propaganda als Beispiel fehlen sollte:

„Sie haben fast vergessen, dass am Himmel über Gaza nicht nur Bomber fliegen.“

Es ist ein Satz, der den Zuschauer rühren soll, aber nicht zum Guten, sondern um Hass zu erzeugen. Israels Streitkräfte hätten die Kinder Gazas zum Feind, wird hier suggeriert. Eine Anknüpfung an mittelalterliche Ritualmordlegenden, die den Juden unterstellten, Kinder zu ermorden.

An Gazas Himmel gibt es keine „Bomber“

Die Aussage, über Gazas Himmel würden ständig „Bomber fliegen“, ist auch sachlich völlig falsch; hier wird absichtlich mit falschen Bildern gelogen. Zum einen fliegen die Kampfflugzeuge, die die israelische Armee gegen Raketenabschussbasen und Infrastruktur der Hamas und des Islamischen Dschihad einsetzt, in der Regel in so grosser Höhe, dass sie vom menschlichen Auge gar nicht gesehen werden können. Zum anderen ist der Gazastreifen ja nur „10 mal 40 Kilometer“ gross – eine Tatsache, an die sich ARTE Info an anderer Stelle so gut erinnert. Selbst wenn ein Kampfjet so flöge, dass er die gesamten 40 Kilometer überfliegt, hätte er bei einer Geschwindigkeit von 2.400 km/h den Streifen in einer Minute überflogen und befände sich dann in ägyptischem Luftraum. Kurz: An Gazas Himmel gibt es gar keine „Bomber“. Ist das wichtig? Und ob: Das Bild von den „Bombern“ am Himmel erzeugt die Vorstellung von fliegenden Festungen wie im Zweiten Weltkrieg, die in gemächlichem Tempo über den Gazastreifen fliegen und überall wahllos Bomben fallen lassen. Die israelischen Angriffe auf die Terrorzentralen der Hamas aber sind keine Flächenbombardements, sondern punktgenau und meist sogar ohne Todesopfer, wenn die Hamas nicht gerade absichtlich Menschen in die Feuerzone gebracht hat, um Opfer zu erzeugen und zu vermarkten. Der Satz „Sie haben fast vergessen, dass am Himmel über Gaza nicht nur Bomber fliegen“ ist nichts anderes als übelste Propaganda. Warum sagt ARTE nicht: „Sie haben fast vergessen, dass am Himmel über Gaza nicht nur vom Iran gelieferte Raketen fliegen, die immer wieder auf Israel abgeschossen werden“? Oder bringt einen Bericht über die israelischen Zivilisten, die das Ziel dieser Raketen sind?

ARTE geht es nicht um palästinensische Kinder, sondern allein darum, Propaganda gegen Israel zu machen. Wäre es anders, würde ja auch das Leid thematisiert, welches das Leben unter einem Terrorregime mit sich bringt. Stattdessen behauptet ARTE in der Reportage sogar dreist, Israel hätte eine „Blockade“ über den Gazastreifen verhängt, „nachdem dort 2007 die Hamas an die Macht gewählt“ worden sei. Gewählt! So heisst für ARTE der Putsch, in dessen Zuge Fatahmitglieder von Häuserdächern geworfen oder ihnen die Beine abgeschossen wurden. Wie wäre es, wenn ARTE darüber berichtet, dass diese Unglücklichen in israelischen Krankenhäusern Prothesen bekamen und wieder Laufen lernten. ARTE präsentiert hier eine brutale Terrororganisation als eine Art demokratische Partei – während Israel sich, würde man ARTE Glauben schenken, einfach nicht mit einem Wahlergebnis abfinden konnte, also kein guter Demokrat ist. In Wahrheit war die „Blockade“ nichts anderes als eine Reaktion auf den eskalierenden Raketenbeschuss – der zu diesem Zeitpunkt schon sechs Jahre andauerte – und allein dazu bestimmt, den Waffennachschub einzudämmen.

„Melde Dich, wenn die Israelis zurückschlagen“

Immer wieder schürt ARTE mit seiner Demagogie gegen Israel den Hass. Selbst der Zentralrat der Juden in Deutschland, der sich üblicherweise nicht zu Fernsehprogrammen äussert, sah sich in der Vergangenheit genötigt, ARTE zur Mässigung aufzufordern. Damals ging es um einen Film, der sich ebenfalls durch seine Mischung aus gefühligem Kitsch, das Weglassen relevanter Zusammenhänge und antiisraelischer Demagogie auszeichnete. In dem offenen Brief des Zentralrats hiess es:

„Schliesslich präsentiert die Dokumentation einen Palästinenser, der Gaza in Richtung Istanbul verlassen möchte, da es in Gaza Parks und Tanzmöglichkeiten ebenso wenig gäbe wie Strom [12:15]. Er fügt hinzu: „Das ist die Belagerung, die schnürt uns die Luft ab“ [12:25]. Für fehlende Tanzmöglichkeiten in Gaza eine “Belagerung” verantwortlich zu machen, entbehrt nicht nur jeder Logik, sondern verschweigt, dass die radikal-islamische Hamas die Kulturpolitik in Gaza verwaltet. […] Mit grosser Bestürzung müssen wir daher konstatieren, dass die Dokumentation „Gaza: Ist das ein Leben?“ eklatante journalistische Mängel aufweist und letztlich ein stark verzerrtes und Israel dämonisierendes Bild verbreitet. Sie vermittelt insgesamt den Eindruck, Israel sei alleinig an der wirtschaftlichen, politischen und gesellschaftlichen Situation in Gaza Schuld.“

Dass diese Passagen so gut auf den vorliegenden Fall passen, zeigt, dass ARTE seither nichts dazugelernt hat. Wie kommt man darauf, einen Beitrag über Kinder, die sich mit Astronomie beschäftigen, für politische Propaganda zu nutzen und dann noch für eine, die nichts anderes im Sinn hat, als Hass zu schüren?

Dieser Hass ist bei ARTE besonders offensichtlich, geht aber weit darüber hinaus und betrifft den gesamten staatlichen („öffentlich-rechtlichen“) Rundfunk in Deutschland. Peter Finkelgrün, ein ehemaliger Redakteur und Auslandskorrespondent der Deutschen Welle, schrieb darüber 2017 in einem offenen Brief an Tom Buhrow, den Intendanten des WDR. Darin erzählte Finkelgrün unter anderem, wie er 1974 mit seiner Frau zu einem Besuch nach Israel fuhr und dort das Ma’alot-Massaker in einer Schule im Norden Israels erlebte – und wie die Deutsche Welle darauf reagierte:

„Alle 21 Schüler kamen ums Leben. Es war noch nicht die Zeit der modernen technologischen Medien, und ich war mit einigen Schwierigkeiten in der Lage, bei meiner Redaktion im Funkhaus anzurufen und zu fragen, ob ich einen telephonischen Bericht durchgeben sollte. Der diensttuende Redakteur erwiderte: „Nein. Aber melde Dich, wenn die Israelis zurückschlagen.“

Heute, so Finkelgrün, könne er dem hinzufügen, dass er in den Jahrzehnten danach „Antisemitismus in den Kölner Rundfunkanstalten immer wieder erlebt“ habe.

„Sei es ein Abteilungsleiter der DW, der es für nötig befunden hatte, Interviewpartner von mir telefonisch mit den Worten ‚Achtung, Vorsicht, Jude’ zu warnen. Sei es ein leitender Redakteur beim Kirchenfunk des damaligen DLF [Deutschlandfunk], der seine antisemitischen Vorbehalte nicht unterdrücken konnte. Seien es Redakteure des WDR, die die damalige Abteilungsleiterin des Frauenfunks, die mich öfters in Israel besuchte, auf den Fluren am Wallrafplatz mit Aussagen wie: ‚Du fährst immer noch in dieses zionistische Gebilde?’ abkanzelten.“

Was ARTE sich nun neuerlich geleistet hat, hat viele empört. Hunderte von Lesern der Facebookseite äusserten sich in der Kommentarspalte. Einige Beispiele:

– „Dieser Trailer ist eine Frechheit und nur dazu da, um eine einseitige Berichterstattung über Israel abzuliefern. Ich frage mich schon seit Jahren, warum das eigentlich so ist: Kein Wort in den öffentlich-rechtlichen Sendern darüber, dass Israel ständig von der Hamas angegriffen wird, kein Wort, dass in Gaza Kinder als menschliche Schutzschilde dienen und ebenfalls kein Wort über die Brandanschläge während der Trockenheit auf die israelische Ernte im letzten Jahr.“

– „Arte macht mal wieder Sendungen für ihre antisemitische Zielgruppe. Der Sender kann nichts anderes.“

– „Die Bevölkerungsdichte pro Quadratkilometer in Gaza ist minimal höher als die in München. Sind die Menschen in München also auch ‚zusammengepfercht’?“

ARTE bemerkte die Wut der Leser und Zuschauer; statt sich aber zu entschuldigen, gab Philippe Brachet, der Redaktionsleiter von Arte Reportage, folgende Erklärung ab, mit der sich die Verantwortlichen gleichzeitig selbst auf die Schulter klopften und den kritischen Zuschauern vorwarfen, nicht gut genug informiert zu sein:

Wir danken Ihnen für Ihre Anmerkungen. Ich möchte Ihnen versichern, dass wir bei ARTE in völliger Unabhängigkeit über das aktuelle Geschehen in der Welt berichten und dass wir uns politisch von keiner Seite vereinnahmen lassen. Die Zahlen in diesem grafisch aufbereiteten Bericht spiegeln die aktuell sehr schwierige Lage für die Menschen in Gaza wider. Wir laden Sie ein, sich die zu diesem Bericht zugehörige Reportage anzusehen, auf die auch der Tweet hinweist. Es ist eine Reportage voller Hoffnung, die beim französischen Reportage Festival FIGRA ausgezeichnet wurde.“

Das provozierte weitere Empörung, sarkastische Bemerkungen und die Aufforderung eines Zuschauers: „Sie sollten sich schämen.“

„Fakten spielen eine untergeordnete Rolle“

Audiatur-Online sprach über den Fall mit dem Filmemacher Joachim Schroeder. 2017 hatte ARTE in einem Skandal, der in Deutschland über Monate für Diskussionen sorgte, einen von Schroeder und Sophie Hafner produzierten Dokumentarfilm über Antisemitismus entgegen seiner ursprünglichen Zusage unter fadenscheinigen Vorwänden abgelehnt. Für die Dreharbeiten waren Schroeder und Hafner auch in den Gazastreifen gereist und hatten dort Interviews mit UNRWA-Funktionären und Einheimischen geführt. Anders als sicherlich die allermeisten ARTE-Mitarbeiter kennt Schroeder den Gazastreifen also aus eigener Anschauung. Schon die bei ARTE immer wieder anzutreffende Darstellung des Küstenstreifens als einem der schrecklichsten Orte des Planeten findet er – trotz der unzweifelhaft schwierigen Lage der meisten seiner Bewohner – völlig unangemessen:

„Was etwa die Säuglingssterblichkeit betrifft, steht Afghanistan mit über 108 toten Babys pro 1000 Geburten an erster Stelle, Gaza an Stelle 96 mit 16 Totgeburten, dazwischen liegen Länder wie Südafrika, Guatemala, die Dominikanische Republik, Ägypten, Brasilien, und ja: vor Gaza kommt sogar noch die Türkei.“

Die durchschnittliche Lebenserwartung in Gaza betrage mehr als 74 Jahre und entspreche damit der von EU-Mitglied Bulgarien, so Schroeder. Seine Eindrücke vom gesellschaftlichen Leben im Gazastreifen schildert er so:

„Unterhalb der Hamas-Nomenklatura und den internationalen Funktionären herrscht dort eine Zwei-Klassen Gesellschaft: Es gibt reguläre Einwohner und die seit Jahrzehnten auf beengtem Raum lebenden sogenannten ‚palästinensischen Flüchtlinge’, die sich Generation um Generation vermehren und ihren Flüchtlingsstatus dabei vererben.“

Diese Gruppe diene seit Jahrzehnten als „Faustpfand für grosszügig sprudelnde westliche Finanzhelfen wie auch für antizionistische Fantasien und Pogrome“. Der antijüdische Terror werde von europäischen Journalisten wieder und wieder als „Freiheitskampf“ umgedeutet:

„Fakten spielen in westeuropäischen Medien, speziell öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten, seit Jahrzehnten augenscheinlich eine untergeordnete Rolle. Denn die Mehrheit der Gaza-Bewohner sind Opfer ihrer eigenen Terrordiktatur Hamas – und nicht Opfer der Israelis. Aber aufgrund der jahrzehntelangen Desinformation wurde Gaza im kollektiven Bewusstsein zum Synonym für die Opfer der Zionisten oder auch des ‚Mördervolks der Juden’, wie der Stümer es 1934 formulierte. Und die Kinder Gazas werden heute als Opfer der ‚mordlustigen Juden’ instrumentalisiert, so wie einst die Kinder von Christen und ‚Ariern’ als Opfer von jüdischen Ritualmorden.“

Eine „2000-jährige Hasskultur“ so Schroeder, verschwinde nicht, sondern passe sich immer wieder dem Zeitgeist an. Was seine eigene Erfahrung mit ARTE betrifft, kann Schroeder eine verstörende Anekdote erzählen:

„Nach der durch die Bild-Zeitung erzwungenen Ausstrahlung unseres Dokumentarfilms sagte ARTE-Programmchef Alain Le Diberder zu französischen Produzenten, die zuständige WDR/Arte Redakteurin Sabine Rollberg sei in eine ‚zionistische Falle’ getappt.“

Das erklärt, warum ARTE selbst aus einer Reportage über einen Astronomen und den „Sternenhimmel“ noch ein antiisraelisches Rührstück macht.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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