Strand bei Netanya. Foto Kambani Ramano on Unsplash.
Strand bei Netanya. Foto Kambani Ramano on Unsplash.

Im Jahr 2018 besuchten 4,1 Millionen Touristen aus der ganzen Welt Israel. Besonders beeindruckend ist diese Zahl angesichts der sicherheitsrelevanten Ereignisse in diesem Zeitraum, der umfangreichen Berichterstattung über solche Ereignisse durch die ausländische Presse und die sozialen Medien, sowie der BDS-Kampagne.

 

von Shmuel Even und Sason Hadad

Während der globale Tourismus zwischen 2007 und 2018 um 60 Prozent zunahm, stieg der Tourismus in Israel im gleichen Zeitraum um 100 Prozent. Diese Zahl spiegelt das starke internationale Ansehen Israels wider und zeigt, dass die Touristen die israelische Sicherheitslage vorerst immer noch als solide einschätzen. Das Ausmass des Tourismus nach Israel ist eine Leistung, die aufgrund ihrer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung gefördert werden sollte.

Der Tourismus nimmt seit Jahren weltweit zu und gehört zu den wichtigsten Wirtschaftsfaktoren vieler Länder. Der Tourismus zu einer beliebigen Destination wird im Allgemeinen durch das Ziel des Besuchs bestimmt und durch die Möglichkeiten, die die Länder den Touristen in Bezug auf Preis, Infrastruktur, einladende Atmosphäre, Attraktionen und persönliche Sicherheit bieten. Der Tourismus ist einer der Parameter für die Beurteilung der Aussenbeziehungen eines Landes und ein Indikator dafür, inwieweit es zu einer Normalisierung mit anderen Ländern gekommen ist. Der Tourismus stellt auch eine nationale Sicherheitsherausforderung dar, da sowohl der Schutz der Touristen als auch die Verhinderung des Eindringens feindlicher Akteure in den Touristenstrom erforderlich sind.

Vorfälle im Zusammenhang mit der Sicherheit können erhebliche Auswirkungen auf den Tourismus haben. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 auf die Vereinigten Staaten zum Beispiel haben den Tourismus weltweit getroffen. Einige terroristische Gruppen – zum Beispiel in Ägypten – zielen auf Touristen ab, um die Wirtschaft und das Regime zu schwächen.

Tourismus nach Israel vor 2017

Im Jahr 2000 besuchten 2,67 Millionen Touristen Israel (ohne Tagesbesucher), verglichen mit 1,1 Millionen im Jahr 1990. Die Zunahme des Tourismus in den 90er Jahren ist sowohl auf das Osloer Abkommen mit den Palästinensern als auch auf den Friedensvertrag mit Jordanien zurückzuführen.

Die zweite Intifada, die im September 2000 ausbrach, kehrte diesen Trend um. Die Zahl der Touristen die nach Israel kamen, sank auf 1,12 Millionen im Jahr 2001 und 862.000 im Jahr 2002 (ein Rückgang von 68 Prozent gegenüber 2000). Die Erholung von diesem Tiefpunkt begann 2005 mit 1,78 Millionen Touristen. Während der Zweite Libanonkrieg (Juli-August 2006) zu einem Rückgang der Touristenzahlen führte, kamen in diesem Jahr insgesamt 1,74 Millionen Touristen nach Israel. Im Jahr 2007 stieg die Zahl der Touristen auf 2,06 Millionen und im Jahr 2008 auf 2,57 Millionen. Die Operation Cast Lead (Dezember 2008-Januar 2009) war vermutlich eine der Ursachen für den Rückgang auf 2,32 Millionen Touristen im Jahr 2009. Im Jahr 2013 erreichte die Zahl der ankommenden Touristen 2,96 Millionen. In den Jahren 2014 und 2015 sank die Zahl der Touristen wegen der Operation Protective Edge auf 2,93 Millionen.

Tourismus nach Israel 2017-2018

Im Jahr 2017 stieg die Zahl der Touristen auf 3,61 Millionen, verglichen mit 2,9 Millionen im Jahr 2016. Eine Umfrage des Central Bureau of Statistics (CBS) unter ankommenden Touristen in jenem Jahr ergab, dass dies die Hauptgründe für ihre Reise nach Israel waren: Sightseeing und Freizeit (42 Prozent); Besuch von Verwandten und Freunden (25 Prozent); religiöse Wallfahrt (19 Prozent); Wirtschaft (9 Prozent); und andere (5 Prozent). Laut der Umfrage waren 22 Prozent der Touristen Juden, 68 Prozent Christen und der Rest Muslime, Anhänger anderer Religionen oder solche die keiner Religion angehören. 76 Prozent der Touristen aus Frankreich, 40 Prozent der Touristen aus den USA und 36 Prozent der Touristen aus Grossbritannien waren Juden.

Israels Tourismus erreichte 2018 ein Rekordhoch. Nach Angaben der CBS kamen 4,1 Millionen Touristen nach Israel, was einem 100-prozentigen Anstieg im Zeitraum 2007 bis 2018 entspricht. Der Anstieg des Tourismus erfolgte trotz der zeitweiligen Stärkung des Schekel gegenüber dem Dollar im Jahr 2018 und der relativ hohen Hoteltarife. CBS-Daten zeigten auch, dass die Zahl der Touristen im Jahr 2018 bis im Mai um 22 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2017 gestiegen ist, während der Anstieg für die Monate Juni bis Dezember nur 8 Prozent betrug (im Vergleich zu den gleichen Monaten 2017). Es ist möglich, dass Sicherheitskonflikte (die Konfrontationen an der Grenze zum Gazastreifen und die Terroranschläge im Westjordanland und in Jerusalem) das Wachstumstempo dämpften.

Die meisten Besucher kamen 2018 aus den Vereinigten Staaten – 898.000 (15 Prozent mehr als 2017) – und aus Frankreich mit 346.000 (plus 12 Prozent). Der Rekordanstieg im Tourismus entfiel auf Polen – 152.000 (56 Prozent mehr als 2017) und auf Italien mit 151.000 (plus 40 Prozent). Dagegen kamen 316.000 Touristen aus Russland (5 Prozent weniger als 2017), 137.000 Touristen aus der Ukraine (minus 6 Prozent) und 105.000 Touristen aus China (minus 15 Prozent).

Der Tourismus nach Jerusalem wuchs 2018 um 37,5 Prozent und war damit in diesem Jahr das am stärksten wachsenden Reiseziel.

Auch die Tourismuseinnahmen sind gestiegen. Nach den verfügbaren Teildaten zu urteilen, überstiegen die Einnahmen Israels aus dem Tourismus im Jahr 2018 die 6 Milliarden Dollar Grenze. Nach den Erkenntnissen von CBS betrugen die Umsätze 2017: 5,68 Milliarden US-Dollar, 2016: 4,82 Milliarden US-Dollar und 2010: 3,76 Milliarden US-Dollar.

Tourismus und Sicherheit

Obwohl die Schwankungen im Tourismus durch eine Reihe von verschiedenen Faktoren hervorgerufen werden (teilweise saisonal), kann die Zahl der ankommenden Touristen als Indikator für das Sicherheitsgefühl der Touristen in Israel angesehen werden. Das Ausmass des Tourismus ist auch ein Indikator für die Attraktivität Israels und die Normalisierung der Beziehungen Israels zu verschiedenen Ländern.

Ein Gesamtüberblick über den Tourismus in Israel zeigt, dass begrenzte Sicherheitszwischenfälle wie der Zweite Libanonkrieg, die Operation Cast Lead und die Operation Protective Edge, zwar einen Einfluss auf den Tourismus hatten, dieser aber in Bezug auf Dauer und Schaden begrenzt war. So glaubten die meisten Touristen anscheinend, dass Israel nicht in erheblicher Gefahr sei, unter anderem weil der Schwerpunkt der Aktivitäten im Norden oder Süden des Landes lag, während die wichtigsten Tourismuszentren – Jerusalem, Tel Aviv, das Tote Meer und Eilat – nicht offensichtlich bedroht waren. Die Erholung nach solchen Ereignissen ist nicht automatisch, da Touristen dazu neigen, sicherheitsrelevante Vorfälle nicht gründlich zu untersuchen und vermutlich zu einem grossen Teil von den Medien beeinflusst werden.

Der Anstieg der Zahl der Touristen aus den Vereinigten Staaten und Frankreich spiegelt die guten Beziehungen zwischen Israel und diesen Ländern und die Bedeutung der Beziehungen zwischen den jüdischen Gemeinschaften dieser Länder und Israel wider. Man kann davon ausgehen, dass die Zunahme des Tourismus aus Frankreich nach Israel auch eine Folge der Zunahme des Antisemitismus dort und in Europa insgesamt ist. Mit anderen Worten, einige der Touristen sind französische Juden, die sich in Israel viel sicherer fühlen und vielleicht sogar an eine mögliche Einwanderung nach Israel denken.

Das Ausmass des Tourismus nach Israel ist eine Leistung, die es angesichts ihrer politischen, sozialen und wirtschaftlichen Bedeutung verdient untersucht zu werden. Auch in Bezug auf Sicherheitsfragen. Laufende Investitionen in die Sicherheit für Sonderveranstaltungen (z.B. die Eurovision 2019 in Tel Aviv im Mai) spielen eine Rolle. Ebenso dürfen Im Falles eines Krieges oder einer Grossoperation, die zu erwartenden Schäden für den Tourismus in Israel nicht ignoriert werden.

Shmuel Even ist Ökonom und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institute for National Security Studies (INSS). Brigadier General (Res.) Dr. Sasson Hadad ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am INSS und leitet das Programm für Wirtschaft und Sicherheit. Auf Englisch zuerst erschienen bei The Institute for National Security Studies. Übersetzung Audiatur-Online.

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