Foto Takver - originally posted to Flickr as Melbourne Gaza protest: Zionist Criminals, End the Palestine Holocaust, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5797044
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Der Staat Israel wurde im Jahr 1948 gegründet und ist und bleibt die nationale Heimstätte der Juden. Seine geographische Lage im Nahen Osten wurde schon in der Bibel beschrieben. Dieser Ort wurde von den Vereinten Nationen akzeptiert, die am 29. November 1947 für die Gründung des Staates stimmten. Diejenigen, die sich weigern, den Staat Israel offiziell anzuerkennen, zum Beispiel durch diplomatische Beziehungen, und jene, die aktiv gewaltsam dagegen vorgehen, verstecken ihre Beweggründe nicht. Israel ist ein jüdischer Staat. Wer gegen Israel oder gegen die Zionisten ist (die Ideologie und Philosophie hinter der Auffassung, dass Israel eine Heimstätte der Juden ist), ist somit antisemitisch. Dies ist moderner Antisemitismus. Er wird in den Vereinten Nationen praktiziert und vermittelt.

 

von Dr. Glen Segell

Die Anzeichen antiisraelischer oder antizionistischer Tendenzen sind in gut organisierten Bewegungen zu finden. An vorderster Front stehen Terrororganisationen, die aktiv an Gewalttaten gegen jüdische Ziele auf der ganzen Welt und in Israel beteiligt sind. Andere Länder, wie etwa die Republik Irland, verabschieden Gesetze gegen Israel. Doch die Mehrheit sind private Organisationen auf der ganzen Welt, die deutsche Nazi-Uniformen aus dem Weltkrieg tragen und radikale Parolen rufen, um zu provozieren und aufzuwiegeln. Sie gehen zu ihren Treffen, als ob es sich dabei um religiöse Zusammenkünfte handeln würde. Von den Mitgliedern all dieser Organisationen wird verlangt, bedingungslosen Gehorsam gegenüber einer dogmatischen Lehre, die Nichtgläubige als moralisch minderwertig ablehnt, zu leisten. Dies erinnert an die Arier-Lehre der Nazis.

In der modernen Welt gibt es keine rationelle Grundlage, warum Juden und im weiteren Sinne der Staat Israel als Zielscheibe ausgewählt wurden oder warum die Existenz der Juden so verhasst ist. In der modernen Welt sollten die Juden weniger verhasst sein, da viele Menschen auf der ganzen Welt persönliche Interaktionen im gesellschaftlichen/rechtlichen Rahmen befürworten. In den Trends der Globalisierung zeigen sich verstärkt Akte der Gerechtigkeit. Menschliche Interaktionen basieren vermeintlich auf der Förderung von zwischenmenschlichen Kontakten und menschlicher Wärme. Tatsächlich geschieht das Gegenteil. Der Antisemitismus ist auf dem Vormarsch.

Die Juden haben stets versucht, Konfrontationen zu vermeiden. Missionarische Aktivitäten sind verboten. Die Juden sind angewiesen, Religion und Staat zu trennen. Juden auf der ganzen Welt praktizieren ihren Glauben und leben ihr Leben gemäss den Gesetzen der Bibel und gemäss den Gesetzen des Staates, in dem sie leben. Die jüdischen Gebete umfassen sogar eines für das Staatsoberhaupt des Landes, in dem sie wohnen. Die Juden versuchen zu zeigen, wie normal sie sind, um antisemitischen Stereotypen entgegenzuwirken.

Dennoch nimmt der Antisemitismus seit der Gründung des Staates Israel im Jahr 1948 stetig zu. Trends zeigen, dass die Juden, solange sie noch staatenlos waren und verfolgt wurden, in ihren jeweiligen Ländern akzeptiert wurden, auch wenn man sie oft als fremdartig ansah und sie Ziel bizarrster Anschuldigungen und Stereotypen waren. Seit den Bemühungen der Juden um nationale Selbstbestimmung und noch wesentlich mehr seit der Gründung des Staates Israel wurden die Juden auch Opfer von Antisemitismus in Form von Antizionismus. Dies entspricht der Ablehnung der kollektiven nationalen Identität der Juden und folglich der staatlichen Legitimität.

Zwischen 1948 und 1967 richteten sich die Angriffe gegen die Existenz Israels. Seit 1967 richten sich die Angriffe ebenfalls auch gegen die spezielle Politik der israelischen Regierung. Der Gedanke und die Praxis des Zionismus wird in den Fokus gerückt und erhält unablässige Aufmerksamkeit, beispielsweise in den Vereinten Nationen. Juden litten schon immer darunter, dass ihnen die Schuld für politische Veränderungen sowohl auf linker als auch rechter Seite gegeben wurde, insbesondere in Europa. Seit 1967 wurde ihnen zudem die Schuld dafür gegeben, dass es Ägypten und Jordanien nicht gelang, im Jahr 1948 einen palästinensischen Staat zu schaffen. Ihnen wurde auch die Schuld dafür gegeben, dass die palästinensische Führung sich weigerte, die Souveränität anzuerkennen, zum Beispiel in den Verhandlungen mit Präsident Clinton im Jahr 2000, als Ehud Barak, der israelische Premierminister, Jassir Arafat sowohl Ost-Jerusalem als auch 97 % des Westjordanlands anbot.

„Juden sind Schuld an allen Probleme der Gesellschaft“

Antisemitismus rund um die Welt basiert in erster Linie darauf, dass den Juden die Schuld für alle Probleme der Gesellschaft gegeben wird. Weniger als 14,5 Millionen Juden auf der ganzen Welt werden dafür verantwortlich gemacht und angegriffen, dass 7,7 Milliarden Nicht-Juden es nicht schaffen, ihre Probleme zu lösen – stattdessen haben sie die Juden zum Sündenbock auserkoren. Moderner Antisemitismus basiert in erster Linie auf den Problemen des Nahen Ostens. Die Juden sind das Ziel anti-israelischer und anti-zionistischer Anfeindungen, weil sie eine nationale Heimstätte haben, einen Staat, der innerhalb der in der Bibel beschriebenen Grenzen geschaffen und durch eine Abstimmung der Vereinten Nationen im Jahr 1947 gegründet wurde.

Eben diese Vereinten Nationen als Organisation und viele der Mitgliedsstaaten geben der jüdischen Bevölkerung überproportional die Schuld für die Probleme im Nahen Osten und sogar auf der ganzen Welt. Es leben rund 6,6 Millionen Juden in Israel – im gesamten Nahen Osten leben 371 Millionen Menschen. Die Juden machen nur 74,3 % der Bevölkerung Israels aus; etwa 1,9 Millionen Israelis sind Araber (20,9 %) und Personen, die unter die Rubrik „sonstige“ fallen (nicht-arabische Christen, Baha‘i usw.), machen 4,8 % der Bevölkerung aus (426.000 Menschen). Nicht nur Terroranschläge, Gewalttaten und Schändungen von religiösen Stätten auf der ganzen Welt, sondern auch die Debatten und Abstimmungen der Vereinten Nationen zeigen, dass moderner Antisemitismus die Form von Israelfeindschaft und Antizionismus hat.

Dr. Glen Segell ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Ezri Center for Iran & Persian Gulf Studies an der Universität von Haifa. Übersetzung Audiatur-Online.

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