Hamas Sommercamps 2017. Foto Facebook / Hamas
Hamas Sommercamps 2017. Foto Facebook / Hamas

Anlässlich des internationalen „Red Hand Day“ berichtete das ZDF über den weltweiten Missbrauch von Kindern als Soldaten. In einer mittlerweile entfernten Grafik tauchte Israel gemeinsam mit „Palästina“ als Problemland auf.

 

von Martin Schlorke

Am 12. Februar hat die Staatengemeinschaft den Internationalen Tag gegen den Einsatz von Kindersoldaten begangen. Das ZDF verfasste einen eigenen Beitrag zum Thema. Dazu verwendete die Redaktion unter anderem eine Grafik des Kinderhilfswerks „Terre des Hommes“. Diese zeigt Länder in denen Kindersoldaten eingesetzt werden. Neben Afghanistan oder Sudan findet sich darin „Israel/Palästina“ als betroffenes Land wieder.

Via Kurznachrichtendienst Twitter kritisierte die israelische Botschaft in Deutschland umgehend das ZDF. „Die Erwähnung Israels ist absurd und irreführend. In Israel gehen Menschen zur Armee, wenn sie erwachsen sind“. Weiterhin forderte die israelische Vertretung in Berlin das ZDF auf, das Augenmerk deutlicher auf die Hamas zu richten, die Kinder als „Schutzschild missbraucht und in Ferienlager indoktriniert“. Daraufhin entfernte das ZDF die entsprechende Grafik.

Auf Nachfrage erklärt „Terre des Hommes“, dass man sich auf den aktuellen Bericht des UN-Generalsekretärs stütze. Darin wird Israel aufgefordert, die Rekrutierung von Kindern aus dem  Gazastreifen als Informanten und Spione zu stoppen. Gemäss den Parisern Prinzipien gelte solches Anwerben  als Einsatz von Kindersoldaten. Von der UN Bezeichnung „Israel/Palästina“ distanziert sich mittlerweile auch „Terre des Hommes und empfiehlt eine getrennte Schreibweise. So könne man den Trugschluss verhindern, Israel setze bewaffnete Kinder im Krieg ein.

Der Fall zeigt auf erschreckende Weise die Unkenntnis der europäischen Medien bezüglich des Gazastreifens und der Hamas. Presse und Staatengemeinschaft schwiegen bereits viele Jahre zu den von europäischen Staaten mitfinanzierten antiisraelischen und antijüdischen Schulbüchern der Palästinenser, beziehungsweise nahmen diese nicht war. Erst im August des vergangenen Jahres wurde eine Untersuchung von Seiten der Europäischen Kommission angeordnet. Die abschliessenden Ergebnisse werden im September erwartet.

Der „Red Hand Day“, beziehungsweise der Fehler des ZDF macht nun erneut deutlich, dass folgenschwere Missstände in Gaza nicht als solche beachtet und angegangen werden. Laut einem Bericht des „Jerusalem Institute of Justice“ werden im Gazastreifen 230.000 Kinder systematisch indoktriniert. Oftmals geschehe dies durch Androhung von Gewalt. Weiterhin nehmen laut der Menschenrechtsorganisation 17.000 Kinder aus dem Gazastreifen an Feindseligkeiten gegen Israel teil. Schätzungen des Instituts gehen davon aus, dass allein beim Bau der Hamas Terror-Tunnel über 160 Minderjährigen starben.

Vollständige Untersuchungen gegen die Hamas gefordert

Aufgrund dieser Zahlen klagt das „Jerusalem Institut of Justice“ Ismail Haniyeh, Chef des Hamas-Politbüros, beim Internationalen Strafgerichtshof an. Im Bericht heisst es, er trage die Hauptschuld für die „Kriegsverbrechen gegen palästinensische Kinder im Gazastreifen vom 13. Juni 2014 bis August 2018“. Haniyeh habe nicht nur von der Praxis der Rekrutierung gewusst, sondern diese aktiv durch Gesetzesänderungen unterstützt und vorangetrieben. Die Hamas nutze Kinder als Kämpfer und menschliche Schutzschilde, um „den Konflikt mit Israel voranzutreiben“.

Foto Screenshot Twitter

Kinder im Gazastreifen werden auf verschiedene Weise indoktriniert. Neben der Beeinflussung in Kindergärten, Schulbüchern, Trainingscamps und durch Drohungen sei vor allem das Fernsehen ein wichtiges Medium für die Hamas. In TV-Shows sei oft zu sehen, dass Kinder verschiedene Gewaltszenarien, wie Entführungen israelischer Soldaten oder Attentate, nachspielen. Es gehe dabei nicht um „kulturelle Anlässe“ oder „historische Nachstellungen, sondern einzig um die Beeinflussung und Rekrutierung von Kindern. Dies geschehe ungestraft, obwohl laut internationalem Recht die Einberufung und Nutzung von Kindern für militärische Zwecke strengstens verboten ist.

Das „Jerusalem Institut of Justice“ fordert deswegen neben einem Verfahren gegen Haniyeh auch eine „vollständige Untersuchung der Verbrechen in Palästina“.

Der 71-seitige Bericht  befasst sich weiterhin mit den Langzeitfolgen für die Kinder und das Zusammenleben von Israelis und Palästinensern. Die Verbrechen an der palästinensischen Jugend würden zu „einer Radikalisierung jeder neuen Generation“ führen. Dies mache ein friedliches Zusammenleben mit den israelischen Nachbarn in Zukunft immer schwieriger. Mit einer Verurteilung der Täter könne der Internationale Strafgerichtshof nicht nur das Leben unzähliger Kinder retten, sondern auch einen wichtigen Beitrag bei der Förderung des Friedens leisten, so das abschliessende Urteil des Berichts.

Keine westlichen Reaktionen

Es gibt neben diesem Bericht unzählige Bilder und Videos, die Kinder in militärischen Trainingscamps oder beim Steine werfen auf israelische Soldaten zeigen. Warum diese in westlichen Medien, Hilfsorganisationen oder in der Politik keine Resonanz finden, bleibt schleierhaft. Weder bei UNICEF oder Amnesty International taucht der Gazastreifen in Berichten zu Kindersoldaten auf. „Terres des Hommes“, beziehungsweise die Vereinten Nationen werfen Israel gar mit dem Gazastreifen in einen Topf und diskreditieren so den jüdischen Staat. Ebenfalls gibt es keine gesonderte UN-Resolution bezüglich der palästinensischen Kindersoldaten.

Dabei hat die Europäische Union in wahrscheinlich keinem anderem internationalen Konflikt die Möglichkeit mit Sanktionen so grosse Veränderungen zu bewirken. Schliesslich sind die Europäer laut Zahlen der OECD (Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit Abstand der grösste Geldgeber für die palästinensischen Autonomiegebiete. Auch in der deutschen Politik scheint es kein Interesse zu geben, sich ernsthaft mit der Problematik auseinandersetzen zu wollen. In einer anlässlich des „Red Hand Day“ erschienenen Pressemitteilung der Bundestagsfraktion von CDU/CSU wird  gefordert, dieses „schwerwiegende Verbrechen“ gegen Kinder zu bekämpfen. Wie und wo konkret das aussehen soll, findet sich allerdings nirgends.

Die Gründe warum Hilfsorganisationen, Politik und Medien die Situation der Kindersoldaten im Gazastreifen nicht thematisieren, bleiben unklar. Ob Unwissenheit oder um die Palästinenser nicht zu kritisieren sei dahingestellt. Klar sollte allerdings jedem sein, dass man durch bewusstes Schweigen an dem Leid der Kinder mit schuldig wird.

Der 12. Februar erinnert jedes Jahr an das Inkrafttreten des Zusatzprotokolls zur Kinderrechtskonvention aus dem Jahr 2000. Die rote Hand des „Red Hand Day“ steht dabei für eine klares Nein zum Missbrauch von Kindern für Rekrutierung  und Einsatz von Kindersoldaten. Nach Angaben des „Deutschen Bündnisses Kindersoldaten“ werden weltweit 250.000 Kinder für militärische Zwecke missbraucht.

Martin Schlorke arbeitet nach seinem Studium der Judaistik und Geschichte als freier Journalist. Er schreibt unter anderem für den Chrislichen Medienverbund KEP e.V.
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