Symbolbild. Foto Screenshot Youtube
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Wie ein offenbar von der Tunesischen Kommission für Finanzanalyse (CTAF) herausgegebener Bericht enthüllt, wird gegen einen prominenten Führer der Organisation Islamic Relief ermittelt. Islamic Relief ist ein weltweit agierendes karitatives Netzwerk, das in Grossbritannien gegründet wurde und von den Vereinigten Arabischen Emiraten als Terrororganisation eingestuft wird. Hinter den Ermittlungen steht der Verdacht, dass Gelder, die der britische Zweig der Organisation – Islamic Relief Worldwide – an den tunesischen Zweig überwiesen hat, zur Finanzierung von Dschihadisten in der tunesisch-libyschen Grenzregion verwendet worden sind.

 

von Sam Westrop and Martha Lee

Laut dem Bericht haben die Ermittlungen der CTAF – die Institution, die mit dem Kampf gegen Geldwäsche und Terrorfinanzierung betraut ist – ergeben, dass auf dem Konto des tunesischen Chefs von Islamic Relief insgesamt 2,5 Millionen Dollar von Islamic Relief Worldwide eingegangen sind, dazu eine Zahlung der New Yorker Finanzfirma INTL FCStone.

Von diesen Geldern wurden dem Bericht zufolge über 50.000 Dollar in der Nähe der libyschen Grenze – einer Hochburg von Dschihadisten – ausgegeben: für das Mieten und Kaufen von Autos, Hotels, Benzin und Mobiltelefonen. Das CTAF ist Berichten zufolge zu dem Schluss gekommen, dass diese Ausgaben eine „logistische Unterstützung“ für Dschihadisten darstellen, die sich auf die Einreise nach Libyen vorbereiten.

Die CTAF soll auch die Bankkonten des früheren Direktors des tunesischen Zweigs von Islamic Relief, Abdelmonem Daymi, seiner Frau Hager Abdelouahed und seines Bruders Mounir Daymi überprüft haben. Ermittler fanden demnach heraus, dass auf einem Konto, welches Abdelmonem Daymi und seiner Frau gemeinsam gehört, wiederholt grosse Zahlungen von insgesamt 150.000 Dollar eingingen, die aus unterschiedlichen Währungsgebieten stammten: aus Grossbritannien, den USA und Katar.

Daymi ist ein langjähriger Angestellter von Islamic Relief. Im Lauf seiner Karriere bekleidete er einflussreiche Positionen bei Islamic Relief Worldwide (dem britischen Zweig der Organisation), Islamic Relief Canada und Islamic Relief Tunisia. Heute leitet Dayimi die Operationen von Islamic Relief im Libanon. Obwohl Daymi Islamic Relief Tunesia 2015 verlassen hat, sollen die Ermittler der CTAF zu dem Schluss gekommen sein, dass er die Kontrolle über die Bankkonten von Islamic Relief Tunisia zurückerlangt hat.

Daymi ist zudem der Gründer und ehemalige Direktor von Tunisia Charity, die als verlängerter Arm von Qatar Charity dient, einer Organisation, die vom katarischen Regime finanziert und kontrolliert wird. Laut tunesischen Presseberichten ist Tunisia Charity eine von drei Organisationen in Tunesien, denen das katarische Regime 7,5 Millionen Dollar gezahlt hat. 2017 bezichtigten tunesische Abgeordnete Tunisia Charity, den Terrorismus zu finanzieren, und forderten eine Untersuchung.

Während Daymi 2014 als Direktor der Tunisia Charity zurückgetreten ist, blieb seine Frau, Hager Abdelouahed, weiterhin Angestellte der von Katar kontrollierten Wohltätigkeitsorganisation. Der Bruder von Abdelmonem, Mounir Daymi, ist ein Direktor von Al-Jazeera, dem riesigen, von Katar kontrollierten, international tätigen Mediennetzwerk. Abdelmonem Daymis anderer Bruder, Imed Daymi, ist einer der prominentesten Politiker Tunesiens. In jüngster Zeit gehörte er einer Koalitionsregierung mit der islamistischen Ennahda-Partei an – sie ist ein Zweig der Muslimbruderschaft. Obwohl er eine eigenständige Partei anführt (“Kongress für die Republik”), wird Daymi in arabischen Medien als ein “Verbündeter von Ennahda” bezeichnet. 2013 reiste er zusammen mit Rachid Ghannouchi, einem Mitgründer von Ennahda und einem der weltweit führenden islamistischen Theoretiker, nach Katar, um dort den Emir zu treffen.

Die Vorwürfe gegen Islamic Relief und die Daymi-Familie haben in den tunesischen Medien für grosses Aufsehen gesorgt; Imed Daymi und andere islamistische Politiker weisen die Anschuldigungen als “Verschwörungstheorien” zurück. Die CTAF hat unterdessen bestritten, irgendwelche Informationen über die Ermittlungen an die Öffentlichkeit gegeben zu haben; gleichzeitig hat sie sich aber demonstrativ geweigert, zu verneinen, dass der Bericht existiert und lediglich geäussert, dass sie die Ergebnisse ihrer Ermittlungen „ausschliesslich der Staatsanwaltschaft“ vorlegen werde.

Islamic Relief hat im Lauf der letzten zehn Jahre mehr als 80 Millionen Dollar von westlichen Steuerzahlern erhalten. Doch immer mehr Regierungen und Finanzbehörden beschuldigen das Netzwerk der Verstrickung in islamistischen Extremismus und Terroraktivitäten. 2014 stuften die Vereinigten Arabischen Emirate Islamic Relief als Terrororganisation ein; 2016 schloss der Bankenriese HSBC das Konto von Islamic Relief; die Schweizer Grossbank UBS hatte den gleichen Schritt schon vier Jahre zuvor unternommen; die Regierungen Deutschlands und Schwedens bezeichnen Islamic Relief als Vertreter der Muslimbruderschaft. 2017 untersagte die Regierung von Bangladesch Islamic Relief Hilfen für die Rohingya-Flüchtlinge, weil sie Berichten zufolge fürchtete, dass die Organisation diese radikalisieren könnte.

2018 veröffentlichte das Middle East Forum einen ausführlichen Bericht, der neue Beweise über die Verbindungen von Islamic Relief zu karitativen Organisationen der palästinensischen Terrororganisation Hamas vorbrachte und enthüllte, dass der amerikanische Arm von Islamic Relief von den Geheimdiensten untersucht wird. US-Kongressabgeordnete haben dies mittlerweile zum Gegenstand eines Untersuchungsausschusse gemacht.

In Ägypten, wo derzeit führende Figuren des abgesetzten Mursi-Regimes erneut vor Gericht stehen, ist die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass sich das kurzlebige Regime der Muslimbruderschaft auf Islamic Relief gestützt habe, um islamistische Gruppen in Ägypten und ausländische Terrororganisationen zu unterstützen. Dabei habe es Gelder der internationalen Zweige von Islamic Relief und auch solche der Qatar Charity benutzt. Einer derer, die sich zusammen mit Mursi vor Gericht verantworten müssen, ist ein ehemaliger hochrangiger Berater Mursis, El-Haddad – einer der Gründer von Islamic Relief.

Nun, da die Ermittler in Tunesien den Aktivitäten dieser mit der Muslimbruderschaft verbundenen und von Katar unterstützten Wohltätigkeitsorganisation in Nordafrika auf die Schliche gekommen sind, werden wohl auch die Funktionäre von Islamic Relief in London und Washington kritische Fragen vonseiten westlicher Regierungen, Strafverfolgungsbehörden und Steuerzahler zu beantworten haben.

Sam Westrop ist Direktor von Islamist Watch, einem Projekt des Middle East Forum. Martha Lee ist Autorin von Islamist Watch. Auf Englisch zuerst erschienen bei Rabwah Times. Übersetzung Audiatur-Online

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