Foto Manfred Werner - Tsui, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8557152
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Bei der Wahl seiner Bündnisgenossen war der Schweizer Kapitalismusgegner Jean Ziegler noch nie wählerisch. So hat er – offenbar ahnungslos – auch eine deutsche Politsekte unterstützt, die bis heute Stalin und Mao Zedong verehrt.
von Lucien Scherrer, Neue Zürcher Zeitung

Kim Il Sung, Muammar Ghadhafi, Fidel Castro, Robert Mugabe: Die Liste der Diktatoren, die Jean Ziegler in seiner schillernden Karriere als Autor, Kapitalismusgegner und SP-Politiker allzu eifrig verklärt hat, ist lang – und sie wird immer länger. So steht der 84-Jährige derzeit ebenso stur wie standesgemäss zu den linkspopulistischen, venezolanischen Despoten Hugo Chávez und Nicolás Maduro, die ihr Land innerhalb von wenigen Jahren heruntergewirtschaftet und die Demokratie faktisch abgeschafft haben.

Ziegler, im persönlichen Umgang ein äusserst sympathischer Mensch, hat für seine ideologischen Verirrungen zeitlebens viel Kritik einstecken müssen. Beirren lassen hat er sich jedoch nie – ein Überzeugungstäter, der sich gerne darauf beruft, nichts gewusst zu haben (so im Fall Kim Il Sungs), gar nicht so dick befreundet gewesen zu sein (so im Fall Ghadhafi) beziehungsweise bis heute recht zu haben (so im Fall Castros). Und überhaupt: Wer für eine gerechte Welt kämpft, darf bei der Beurteilung seiner Bündnisgenossen nicht allzu streng sein.

Massenmord? Alles Schauermärchen!

Welche Probleme diese Haltung mit sich bringt, zeigt sich nicht nur im fernen Venezuela, sondern auch in Deutschland. Von der Öffentlichkeit bis anhin kaum bemerkt, scheint es Ziegler dort eine Politsekte namens Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands (kurz MLPD) angetan zu haben. So lässt der Erfolgsautor nicht nur eines seiner Bücher im MLPD-Verlag «Neuer Weg» herausgeben. Er hat die «Internationalistische Liste / MLPD» 2017 auch offiziell unterstützt, samt Testimonial als Uno-Menschenrechtsrat.

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1 KOMMENTAR

  1. Jemand, wie Jean Ziegler, der sein ganzes Leben lang Massenmörder verteidigt und deren Taten kleingeredet hat, besitzt keinen Bonus mehr, auf den verwiesen werden kann. Er ist ungefähr so glaubwürdig wie ein KZ-Wächter, der von allem „nichts gewusst“ hat. Und ja, auch so einer kann „sympathisch“ sein – solange man nicht weiß, wen man vor sich hat.

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