Ein syrisches Flugabwehr- Fahrzeug das durch die Zielkamera einer ankommenden israelischen Rakete am 21. Januar 2019 anvisiert wird. Foto IDF
Ein syrisches Flugabwehr- Fahrzeug das durch die Zielkamera einer ankommenden israelischen Rakete am 21. Januar 2019 anvisiert wird. Foto IDF

Die letzten 24 Stunden haben gezeigt, dass Israel und der Iran kurz vor einer direkten militärischen Konfrontation stehen könnten. Zuerst kam der israelische Schlag in Damaskus, der am Sonntagnachmittag einen Raketenstart in Richtung Israel auslöste. Sonntagabend und am frühen Montag revanchierte sich Israel, indem es iranische Ziele in Syrien angriff.

 

von Yoav Limor

Der israelische Gegenschlag, mit dem das jüngste Aufflammen des Konflikts begann und der auf iranische Anlagen in Syrien abzielte, war höchst ungewöhnlich weil er während des Tages durchgeführt wurde. Dies deutet darauf hin, dass die Ziele einen hohen Stellenwert hatten. Andernfalls hätte Israel es vorgezogen, nachts anzugreifen, wenn das Risiko von Kollateralschäden und Verlusten viel geringer ist.

Die Tatsache, dass Premierminister Benjamin Netanyahu zum Zeitpunkt des Angriffs im Tschad war, unterstreicht die Bedeutung dieser Ziele und die Dringlichkeit. Nur wenige Minuten nach dem Angriff fing Israels Iron Dome System eine Mittelstreckenrakete ab, die in Richtung Golanhöhen abgefeuert wurde. Der kurze Zeitraum zwischen dem Angriff und der Vergeltung deutet darauf hin, dass jemand nur auf eine Gelegenheit gewartet hatte.

Da syrische Streitkräfte nur Boden-Luft-Raketen gegen das israelische Flugzeug abfeuerten, kann man davon ausgehen, dass eine andere Entität die Rakete in Richtung Israel abfeuerte.

Im Februar letzten Jahres schickte der Iran ein unbemanntes Fluggerät in Richtung Israel das nur wenige Minuten nach dem Eindringen in den israelischen Luftraum abgefangen wurde. Israel revanchierte sich, indem es mehrere iranische Anlagen ins Visier nahm, wobei es der syrischen Luftverteidigung gelang eine israelische F-16 zu zerstören.

Nach dem Aufflammen des Konflikts, hat Israel seine Angriffe auf iranische Ziele in Syrien deutlich verstärkt, in dem Bewusstsein, dass der Iran nach Rache trachtete, was bald geschah. Der Iran feuerte 30 Raketen ab, von denen vier das israelische Territorium erreichten ohne Verluste oder Schäden zu verursachen. Israel startete dann einen massiven Schlag gegen Dutzende von iranischen Anlagen in Syrien sowie gegen syrische Luftverteidigungskräfte. Seit dieser Eskalation hat sich der Iran entschieden, Israel nicht direkt anzugreifen.

Im September schoss die syrische Luftverteidigung ein russisches Militärflugzeug Ilyushin 20 vor der syrischen Küste ab, das sie mit einem israelischen Jet verwechselt hatten. Unmittelbar nach diesem Vorfall nahm die israelische Intervention in Syrien deutlich ab. Aber in den letzten Wochen hat sich die israelische Militäraktion gegen iranische Ziele intensiviert. Netanyahu übernahm sogar die Verantwortung für diese Aktionen.

Das jüngste «wie du mir so ich dir» deutet darauf hin, dass der Iran gegenüber israelischen Massnahmen nicht mehr passiv bleiben wird. Es ist davon auszugehen, dass die aktuelle Eskalation noch nicht abgeschlossen ist.

Dies ist das erste Mal, dass der neue IDF-Stabschef Lt. Gen. Aviv Kochavi mit einer solchen Eskalation zu kämpfen hat. In diesem Kampf mit dem Quds Force Kommandanten Maj. Gen. Qassem Soleimani muss Kochavi besonders vorsichtig sein, um nicht den Russen „auf die Zehen zu treten“.

Es dauerte Monate bis sich Moskau nach dem Vorfall im September letzten Jahres beruhigt hatte. Jetzt haben Israel und Russland einen verständlicheren Prozess zur Deeskalation. Israel muss sicherstellen, dass diese Vereinbarung mit Russland solide bleibt, da sie von grösster Bedeutung ist.

Obwohl es unwahrscheinlich ist, dass die jüngste Eskalation ausser Kontrolle geraten wird, geht die IDF kein Risiko ein und wird höchstwahrscheinlich in naher Zukunft in höchster Alarmbereitschaft bleiben, um sich auf eine iranische Antwort vorzubereiten, die auch von verschiedenen iranischen Proxies, einschliesslich der Hisbollah, kommen könnte.

Die Spannungen im Norden werden also auf absehbare Zeit ein ständiges Thema bleiben und könnten durchaus eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielen.

Yoav Limor ist ein langjähriger israelischer Journalist und Kolumnist für Israel Hayom. Auf Englisch zuerst erschienen bei Jewish News Syndicate (JNS). Übersetzung Audiatur-Online.

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