Symbolbild. EAPPI Freiwillige demonstrieren in Jerusalem. Foto TPS
Symbolbild. EAPPI Freiwillige demonstrieren in Jerusalem. Foto TPS
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Laut einem neuen Bericht des Forschungsinstituts NGO Monitor bildet der Ökumenische Rat der Kirchen (ÖRK) Freiwillige aus um den Boykott Israels zu fördern und antisemitische Rhetorik zu betreiben. Verwendet würden dazu Mittel mehrerer westlicher Regierungen und der EU sowie der Vereinten Nationen.

 

Das Hauptprojekt des ÖRK (auch Weltkirchenrat), das sogenannte „Ökumenische Begleitprogramm in Palästina und Israel“ (EAPPI), hat in den letzten 15 Jahren 1.800 „ökumenische Begleiter“ aus der ganzen Welt als Beobachter in das Westjordanland und nach Jerusalem entsandt.

Am Programm nehmen etwa 25-30 Teilnehmer teil, die als „Ökumenische Begleitpersonen“ rund drei Monate lang vor Ort tätig sind, mit dem erklärten Ziel, „verwundbaren Gemeinden eine schützende Präsenz zu bieten und Menschenrechtsverletzungen zu beobachten und zu melden“. Während dieser Zeit arbeiten sie hauptsächlich mit politischen antiisraelischen Randorganisationen wie B’Tselem und Breaking the Silence zusammenarbeiten.

Bereits 2016 erklärte Amit Barak, vom Christian Empowerment Council in Israel: „…diese Leute täuschen die Christen vor Ort, sie fotografieren und filmen Militärstützpunkte und sie verbreiten eine einseitige und verleumderische Propaganda gegen Israel, während sie gleichzeitig behaupten, unparteiische humanitäre Freiwillige zu sein – in Wirklichkeit ist das, was sie tun, nicht einmal legal“.

EAPPI missbraucht gemäss dem Bericht von NGO Monitor Touristenvisas für die Einreise nach Israel, wo die Gruppe keinen Rechtsstatus hat. Die EAPPI-Aktivisten werden in Jerusalem von einer ÖRK-Mitgliedsorganisation, dem Jerusalem Interchurch Center (JIC) betreut. Der Leiter des JIC, Yusuf Daher, ist einer der Autoren des Kairos Palestine Dokumentes, das den Terror legitimiert, antijüdische Theologie umfasst und die jüdische Geschichte ablehnt. Im Jahr 2010 sprach Yusuf Daher an einer Konferenz in Stockholm, wo er sagte: „Wir unterstützen BDS, wir glauben an das Resultat, das BDS schaffen kann, und tatsächlich sagen wir…., dass ein vollständiges System von Sanktionen gegen Israel schon vor langer Zeit hätte eingeführt werden sollen…. hier rufen wir unsere Brüder und Schwestern zum Boykott auf. Zuerst persönlich und individuell, und dann die Kirchen und die Kirchen dazu ihre Regierungen zu überzeugen….“

Obwohl EAPPI sich selbst als Menschenrechtsprogramm vermarktet, liegt der Schwerpunkt auf der politischen Interessenvertretung. Wie die NGO Monitor Untersuchungen zeigen, sind viele Aktivisten nach ihrer Rückkehr in ihre Heimatländer an anti-israelischer Dämonisierung beteiligt, einschliesslich der Teilnahme an BDS-Boykott-Kampagnen und Vergleichen von Israel mit der Apartheid in Südafrika und Nazi-Deutschland. Die EAPPI-Rhetorik stützt sich bisweilen auf die theologische Opposition gegen die Existenz Israels und geht in offenen Antisemitismus über.

Antisemitismus und Israel-Boykott

Die ÖRK-Führung und die Freiwilligen des EAPPI haben in ihren Veranstaltungen wiederholt israelische Aktionen mit denen Nazi-Deutschlands verglichen. Zum Beispiel sagte ÖRK-Generalsekretär Dr. Olav Fyske Tveit: „Ich hörte von der Besetzung meines Landes während der fünf Jahre des Zweiten Weltkriegs als Geschichte meiner Eltern. Jetzt sehe und höre ich die Geschichten von 50 Jahren Besatzung.“

Ein Blogeintrag vom Juni 2017 von EAPPI Schweiz beinhaltet ein Interview mit Manal Tamimi, die jüdische Israelis als „Vampire“ bezeichnet und sich sich eine dritte Intifada wünscht. Die UNO hat Tamimi aus einem Bericht entfernt, in dem sie als „Menschenrechtsverteidigerin“ aufgeführt wurde, nachdem NGO Monitor eine Beschwerde eingereicht hatte, in der sie ihre antisemitischen und gewalttätigen Tweets dokumentierte.

EAPPI-Aktivisten im Gespräch mit einem UNICEF-Beamten. Foto Screenshot Youtube.

In einem Vortrag von Pfarrerin Joan Fisher, einer Aktivistin von EAPPI, zitiert sie einen palästinensischen Geistlichen mit den Worten: „Wir haben Verständnis für das Leid unserer jüdischen Brüder und Schwestern im Holocaust, aber man geht nicht mit einer Ungerechtigkeit um, indem man eine weitere Ungerechtigkeit schafft.“

Die IHRA-Arbeitsdefinition der Antisemitismusforschung besagt, dass „Vergleiche der gegenwärtigen israelischen Politik mit der der Nazis“ ein Beispiel für Antisemitismus sind.

Die Nationalkoordinatorin des EAPPI in Südafrika, Dudu Mahlangu-Masango, unterzeichnete 2012 ein Schreiben an den damaligen Präsidenten Jacob Zuma, in dem sie „unsere Regierung und die Zivilgesellschaft aufruft, einen breit angelegten Boykott, eine Divestion und Sanktionen gegen Israel zu veranlassen“. Sie wiederholte diese Forderung in einem Fernsehinterview 2018 und forderte „totale Sanktionen“ gegen Israel.

300’000 Franken aus der Schweiz

Im Jahr 2017 stellte der ÖRK 1,3 Millionen Dollar für EAPPI bereit. Davon wurden 803.000 Dollar für ökumenische Begleitpersonen aus Österreich, Australien, Deutschland, der Schweiz, Dänemark, dem Vereinigten Königreich, Irland, Norwegen, Schweden, Finnland und den USA und in Partnerschaft mit UN-Einrichtungen ausgegeben.

EAPPI Freiwillige beobachten israelische Soldaten. Foto EAPPI UK & Ireland Blogs / WordPress.com

Laut der Studie von NGO Monitor werden die meisten Mittel für EAPPI von lokalen kirchlichen NGOs an den ÖRK vergeben. So spendete zum Beispiel das Schweizer „Hilfswerk der Evangelischen Kirchen der Schweiz“ (HEKS) 2018 300’000 Franken an EAPPI. Rund 24% der Mittel von HEKS stammten aus staatlichen Quellen in der Schweiz, so ein Bericht aus dem Jahr 2015.

Der NGO Monitor Bericht ist die erste umfassende Studie über die Organisationsstruktur, die Finanzierung und die Ziele von EAPPI. Die erwähnten Beispiele stellen laut NGO Monitor nur einen Bruchteil der Aktivitäten dar, an denen die EAPPI-Teilnehmer in Israel sowie international teilnehmen.

NGO-Monitor schreibt, man habe bei der Erstellung dieses Berichts mit ÖRK-Vertretern korrespondiert, um Antworten auf Fragen zu erhalten, die während des Rechercheprozesses entstanden sind. Die Fragen seien aus der Diskrepanz zwischen den erklärten Zielen und den Aktivitäten, sowie aus mangelnder Transparenz bei der Finanzierung entstanden. Die Antworten des ÖRK seien aber bei der Klärung dieser Fragen weitgehend nutzlos gewesen.

Der Gründer und Präsident von NGO Monitor, Professor Gerald Steinberg, erklärte: „Wir teilen unsere Recherchen mit der Öffentlichkeit und Entscheidungsträgern im Rahmen einer fundierten Diskussion über die Ziele und Mittel von EAPPI. Die Studie unterstreicht die radikale Agenda von EAPPI, die nicht die Menschenrechte fördert oder verteidigt, sondern eine Plattform für Konflikte und Antisemitismus bereitstellt. Wir haben zahlreiche Nachfragen von christlichen und jüdischen Gruppen erhalten, die auf eine zentrale Rolle von EAPPI-Vertretern bei der Leitung von BDS- und anderen Delegitimierungskampagnen hinweisen“.

Die gesamte Studie kann hier abgerufen werden: EAPPI Report_ Final English

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