Kassen in einem Rami Levy Supermarkt. Foto יעקב, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18593675
Kassen in einem Rami Levy Supermarkt. Foto יעקב, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=18593675

Die regierende Fatah-Partei des Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas, ist wütend. Ein jüdischer, israelischer Geschäftsmann hat vor kurzem ein Einkaufszentrum in Ost-Jerusalem gebaut und die Mehrzahl seiner Angestellten und Kunden sind Araber. Die Führer der Fatah haben zum Boykott des Einkaufszentrums aufgerufen.

 

von Bassam Tawil

Die Fatah, die in den westlichen Medien oft als gemässigte Partei beschrieben wird, hat auf die Eröffnung des Einkaufszentrums in einer Weise reagiert, die zeigt, wie die palästinensischen Führer weiterhin den Wohlstand für ihr Volk torpedieren.

Wo auf der Welt würde irgendein Politiker ein Projekt verurteilen, das Hunderten von Menschen Arbeitsplätze bietet? Wo auf der Welt würde ein Politiker sein Volk auffordern, ein Einkaufszentrum oder einen Supermarkt zu boykottieren, der wettbewerbsfähige Preise für Kleidung und Lebensmittel bietet? Wo auf der Welt würde ein Politiker die Eröffnung eines Geschäftsprojektes, das seinem Volk zugutekommt, als Katastrophe („nakba„) bezeichnen?

Rami Levy, ein Unternehmer und Inhaber der drittgrössten israelischen Supermarktkette, investierte mehr als 50 Millionen Dollar in den Bau eines Einkaufszentrums im Atarot Industrial Park nordöstlich von Jerusalem. Trotz der Boykottaufrufe haben einige Palästinenser Läden im Einkaufszentrum gemietet, das als Vorzeige-Modell für das Zusammenleben von Arabern und Juden beschrieben wird. Das neue Einkaufszentrum verfügt auch über einen grossen Lebensmittelmarkt, der zur Supermarktkette Levy’s gehört.

Levy’s Supermärkte in Jerusalem und im Westjordanland sind bei den palästinensischen Kunden beliebt. Sie sagen, dass die Preise dort niedriger sind als in arabischen Geschäften. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum Hunderte von Palästinensern in dem neu eröffneten Supermarkt im Einkaufszentrum zusammenkamen, als er am 8. Januar offiziell eröffnet wurde. Israelische Supermärkte beschäftigen Hunderte von Palästinensern aus dem Westjordanland sowie arabische Einwohner Jerusalems, die mit jüdischen Kollegen zusammenarbeiten.

Laut Levy sind die Hälfte seiner 4.000 Mitarbeiter Palästinenser und israelische Araber. „Ich begann, palästinensische und israelisch-arabische Arbeiter am ersten Standort von Rami Levy zu beschäftigen, einem Verkaufsstand auf dem 1976 eröffneten Jerusalemer Markt Mahane Yehuda. Araber gehörten zu meinen ersten Mitarbeitern“, sagte er.

„Diese Mitarbeiter arbeiten weiterhin für Rami Levy Hashikma – unsere Supermarktketten – und viele haben miterlebt, wie ihre Karriere mit dem Unternehmen erfolgreich verlief. Der erste Mitarbeiter, den ich vor 35 Jahren eingestellt habe, war ein Mann namens Ibrahim, ein Araber aus Ost-Jerusalem, der bei Rami Levy geblieben ist und derzeit als unser Logistikdirektor arbeitet. Andere arabisch-israelische und palästinensische Mitarbeiter, die inzwischen dem Rami Levy-Team beigetreten sind, wurden ebenfalls in die oberen Führungspositionen befördert. Rami Levy unterscheidet nicht nach ethnischer Zugehörigkeit, Geschlecht oder Religion bei der Einstellung und Beförderung von Mitarbeitern. Alle Mitarbeiter, Palästinenser und Israelis, werden gleichbehandelt und erhalten gleiche Vergütungen. Die Gehälter richten sich ausschliesslich nach der Position und Leistung des Mitarbeiters. Mein Ziel für alle Rami Levy-Mitarbeiter ist die gleiche Chance auf Erfolg. Ein Ziel, welches nur erreicht werden kann, wenn der Gleichheitsgrundsatz in allen Bereichen des Unternehmens umgesetzt wird.“

Für Abbas‘ Fatah-Funktionäre ist das Bild von Palästinensern und Juden, die in Harmonie arbeiten, jedoch abscheulich. Sie mögen die Vorstellung nicht, dass den palästinensischen Arbeitnehmern gute Gehälter gezahlt und sie von ihrem Arbeitgeber mit Respekt behandelt werden. Sie mögen es auch nicht, wenn palästinensische Käufer Schlange stehen, um Lebensmittel und Waren zu kaufen, die ihnen in besserer Qualität und zu niedrigeren Preisen angeboten werden. Die Fatah-Beamten würden es vorziehen, ihre Bevölkerung arbeitslos zu sehen oder höhere Preise auf dem palästinensischen Markt zu zahlen, als ihr Geschäft an ein jüdisches Einkaufszentrum abzugeben.

Konzept des neuen Rami Levy Einkaufszentrums im Jerusalemer Stadtteil Atarot. Foto Margolin Bros. Engineering & Consulting

Anstatt die Eröffnung des Einkaufszentrums zu begrüssen, in dem Dutzende von Palästinensern Arbeitsmöglichkeiten und niedrigere Preise geboten werden, sprechen die Fatah-Beamten von einem israelischen Plan, die palästinensische Wirtschaft zu „untergraben“. „Das war ein trauriger Tag für Jerusalem“, sagte der Fatah-Veteran Hatem Abdel Qader Eid in Bezug auf die Eröffnung des neuen Einkaufszentrums. „Dieses Projekt zielt darauf ab, den arabischen Handel in Jerusalem zu untergraben und ihn der israelischen Wirtschaft unterzuordnen.“

Die Hunderte von Palästinensern, die das neue Einkaufszentrum am ersten Tag überflutet haben, scheinen jedoch nicht mit dem düsteren Bild von Abdel Qader Eid einverstanden zu sein. Die grosse Beteiligung ist natürlich eine gute Nachricht: Sie zeigt, dass Palästinenser wie alle Kunden auf der ganzen Welt, bessere Produkte zu niedrigeren Kosten bevorzugen. Für sie war dies kein „trauriger Tag“, wie der Fatah-Funktionär sagte, sondern ein aufregender Tag. Schliesslich ist ein Einkaufszentrum in die Nähe ihres Hauses gekommen und bietet ihnen eine breite Palette von Produkten zu günstigen Preisen.

Dennoch hat Abdel Qader Eid eines richtig gesehen: sein Bedauern über die Abwesenheit von palästinensischen Investoren und Kapital. „Palästinensische Kapitalisten sind Feiglinge“, sagte er. Palästinensische Investoren, fügte Eid hinzu, hätten Rami Levy am Bau seines neuen Einkaufszentrums hindern können, wenn sie in den Bau eines palästinensischen Einkaufszentrums investiert hätten. „Es ist wahr, dass es reiche palästinensische Geschäftsleute gibt. Aber obwohl sie reich an Geld sind, sind sie arm in ihrem Willen und ihrer Bildung.“

Leider, so der Fatah-Beamte, haben palästinensische Geschäftsleute kein Vertrauen in ihr Volk und investieren ihr Geld lieber woanders.

Ein anderer hochrangiger Fatah-Funktionär, Osama Qawassmeh, ging mit der Hetze noch einen Schritt weiter. Er warnte davor, dass jeder Palästinenser, der im neuen Einkaufszentrum einkauft oder dort einen Raum mietet, angeklagt wird, „das Vaterland zu verraten“. Er fuhr fort, die alte palästinensische Lüge zu verbreiten, dass der Kauf israelischer Produkte ein Akt der „Unterstützung von Siedlungen und der israelischen Armee“ sei.

Die Hetze der Fatah gegen das neue Einkaufszentrum stiess nicht auf taube Ohren. An dem Tag, an dem das Einkaufszentrum eingeweiht wurde, warfen Palästinenser eine Reihe von Brandbomben auf das Gelände und zwangen die (palästinensischen) Käufer, zu fliehen um ihr Leben zu retten. Glücklicherweise wurde niemand verletzt und es gab keine Schäden an den Geschäften oder Fahrzeugen auf dem Parkplatz.

Die Hetzkampagne gegen Levy’s Einkaufszentrum hat schon vor einigen Monaten begonnen, als es gebaut wurde und sie hat sich bis heute fortgesetzt. Jetzt, wo die Kampagne die Eröffnung des Einkaufszentrums nicht verhindert hat, sind die Fatah und ihre Anhänger zu absoluten Drohungen und Gewalt übergegangen. Die Drohungen richten sich gegen palästinensische Käufer und palästinensische Kaufleute, die im neuen Einkaufszentrum Flächen gemietet haben. Die Schurken, die das Einkaufszentrum mit Brandbomben angegriffen haben, hätten damit Palästinenser verletzen oder gar töten können. Die Verbrecher, von denen angenommen wird, dass sie mit der Fatah verbunden sind, würden lieber ihr Volk tot sehen als Freude daran haben, preisgünstige Produkte in einem israelischen Einkaufszentrum kaufen zu können.

Indem sie diese Kampagne der Hetze und Einschüchterung anführt, zeigt die Fatah von Abbas erneut ihr wahres Gesicht. Wie soll man sich vorstellen, dass Abbas oder ein Vertreter der Fatah jemals Frieden mit Israel schliessen würde, wenn sie nicht einmal die Idee tolerieren können, dass Palästinenser und Juden gemeinsam für ein einfaches Anliegen arbeiten?

Wenn ein Palästinenser, der israelische Milch kauft, in den Augen der Fatah ein Verräter ist, ist es nicht schwer, sich das Schicksal eines Palästinensers vorzustellen, der es wagen würde, über einen Kompromiss mit Israel zu diskutieren. Wenn er Glück hat, wird er eine Begegnung mit einer Brandbombe haben. Wenn er kein Glück hat, wird er auf einem öffentlichen Platz gehängt. Was bedeutet das für die palästinensische Bereitschaft, einen Friedensprozess mit Israel einzuleiten?

Bassam Tawil ist Muslim und lebt als Wissenschaftler und Journalist im Nahen Osten. Auf Englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Übersetzung Audiatur-Online.

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