Ein alter jüdischer Friedhof in der Stadt Burshtyn in der Westukraine. Foto Roman Zacharij, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6303702
Ein alter jüdischer Friedhof in der Stadt Burshtyn in der Westukraine. Foto Roman Zacharij, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6303702

Die Europäische Union hat der European Jewish Cemeteries Initiative (ESJF) einen Förderbeitrag von 800.000 Euro gewährt, um mindestens 1.500 jüdische Friedhöfe in fünf ost- und südosteuropäischen Ländern zu kartografieren und zu vermessen.

 

Das Projekt, bei dem jüdische Friedhöfe in Griechenland, Moldawien, der Slowakei, Litauen und der Ukraine kartografiert und vermessen werden, soll noch in diesem Monat beginnen.

Der Kartografieprozess, der mit Hilfe modernster, speziell für das Projekt entwickelter Technologien durchgeführt werden soll, beinhaltet die Vermessung und Fotografie der Stätten aus der Luft durch Drohnen.

Die Massnahmen sind besonders wichtig, da im Laufe des letzten Jahrhunderts durch die vorsätzliche Zerstörung durch die Nationalsozialisten und die Sowjets, sowie durch einen allgemeinen Mangel an Sorgfalt und Aufsicht durch die lokalen Behörden, tausende von Friedhöfen verloren gingen.

„Jüdische Gemeinschaften haben einen grundlegenden Beitrag zur europäischen Kultur geleistet; aber die faktische Vernichtung der jüdischen Bevölkerung in vielen Ländern hat dazu geführt, dass verlassene und vernachlässigte Friedhöfe oft das einzige Zeugnis einer jüdischen Präsenz sind“, so Michel Magnier, Leiter der Generaldirektion Bildung und Kultur der Europäischen Kommission in The Jewish Press. „Die Erhaltung – und wo immer möglich die Wiederherstellung und Instandhaltung – der geistigen Identität und Bedeutung dieser Grabstätten ist Teil unserer gemeinsamen Verantwortung für die Geschichte und das kulturelle Erbe Europas.“

„Das Ziel unserer einzigartigen Aufgabe ist es, jüdische Friedhöfe, die Ruhestätte unserer Vorfahren, zu retten und zu erhalten“, sagte Rabbi Isaac Schapira, Gründer und Vorsitzender des ESJF-Boards. „Heute gibt es viele verschiedene Bedrohungen für diese Friedhöfe durch Zerstörung, Vandalismus und Antisemitismus, aber auch dort, wo sie aus finanziellen Gründen bedroht sind und wo die örtlichen Städtebauverordnungen erweitert werden.“

„Wir haben bereits Dutzende von Friedhöfen in ganz Europa gerettet und bewahrt, die verloren gegangen wären, wenn wir nicht gehandelt hätten. Dies ist vielleicht die letzte Chance, Gräber unserer jüdischen Vorfahren und des jüdischen Erbes in Teilen Europas zu finden und zu schützen, in denen es keine jüdische Präsenz mehr gibt.“ fügte Rabbi Schapira hinzu.

Ziel des ESJF-Projekts ist es, alle diese Standorte vollständig zu erfassen, ihnen materiellen Schutz zu bieten und ihren Zustand regelmässig zu überwachen, schreibt Hana Levi Julian in The Jewish Press. Darüber hinaus soll das Projekt fertige und vollständig kalkulierte Konstruktionsmodelle liefern, die in den kommenden Jahren zu Objektschutzmassnahmen führen werden.

Die European Jewish Cemeteries Initiative ist sich jedoch bewusst, dass der materielle Schutz in Form von Mauern und Zäunen nicht ausreicht, wenn keine örtlichen jüdischen Gemeinschaften mehr vorhanden sind. Ein Grundprinzip des ESJF ist daher, dass „Mauern keine Friedhöfe schützen, sondern Menschen“.

Dieses Prinzip erfordert, dass die lokale Bevölkerung die Standorte „in Besitz nimmt“, sie geistig und materiell als integralen Bestandteil ihres eigenen lokalen Erbes aufnimmt und zu ihrem langfristigen Schutz beiträgt. Eine enge Zusammenarbeit mit den lokalen und regionalen Regierungen sowie der lokalen Bevölkerung durch Sensibilisierungskampagnen und Bildungsprogramme ist daher zwingend erforderlich, um die Schändung der heiligen Grabstätten zu verhindern.

Seit seiner Gründung im Jahr 2015 hat die European Jewish Cemeteries Initiative über 120 jüdische Friedhöfe in sieben mittel- und osteuropäischen Ländern gerettet und bewahrt, vor allem in den Städten und Dörfern, in denen jüdische Gemeinden in der Schoa ausgelöscht wurden.

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