Foto CC0 Creative Commons

Israelisches Tomatensaatgut wird allseits geschätzt – die Tomaten schmecken besser, halten länger, sind widerstandsfähiger und weitaus nährstoffhaltiger.

 

von Abigail Klein Leichman

Ursprünglich kommt die Tomate nicht aus Israel; doch unsere Agrarzauberer haben aus der wilden Beerenfrucht eine schmackhafte, lang haltende, nährstoffreiche und krankheitsresistente kommerzielle Kulturpflanze gemacht, die als frischer Bestandteil und Quelle gesunder Extrakte überall beliebt ist.

„Was Tomaten betrifft, ist Israel ein Kraftwerk in Sachen Zucht- und Erkenntnisentwicklung“, sagt der bekannte Wissenschaftler Ilan Levin, Leiter des Pflanzenkunde-Instituts der in Bet-Dagan. „Das Interesse multinationaler Unternehmen an unserer Arbeit macht uns, denke ich, zu einem der führenden Wissensquellen über Tomaten.“

Im Jahr 2013 produzierte Israel nach Angaben der jüngsten verfügbaren Datenerhebung 421’000 Tonnen Tomaten. Noch bedeutender als die Früchte selbst ist indes das israelische Tomatensaatgut – das überall in der Welt für seine mühevoll gezüchteten Eigenschaften geschätzt wird.

„Wir entwickeln auf der Basis unserer Erkenntnisse vor Ort Samen, deren Unze mehr wert ist als die gleiche Menge Gold“, sagt Tomatenexperte Prof. Haim D. Rabinowitch vom Institut für Pflanzenkunde und Landwirtschaftsgenetik an der Hebrew University Jerusalem. „Ein Samenkorn stellt Wissen dar. Alles, was ich weiss, ist in seiner DNA eingeschrieben.“

Zum Abschluss des US-amerikanischen Tomatenmonats (Oktober) veröffentlichte ISRAEL21c sechs faszinierende Tatsachen über israelische Tomatenneuerungen in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

  1. Die Wahrheit über Kirschtomaten

Gibt es irgendeinen Wahrheitskern in dem Klischee, Israel habe die Kirschtomate erfunden?

Wir fragten einen der sogenannten „Väter“ der Kirschtomate: den bereits zitierten Prof. Rabinowitch von der Hebrew University.

In den 1970er- und 1980er-Jahren setzten Rabinowitch und sein Kollege, der inzwischen verstorbene Prof. Nachum Kedar, mit den ersten Tomaten mit einer verlängerten Lagerbeständigkeit eine weltweite Revolution in Gang. Anschliessend nutzten sie ihr genetisches Know-how, um das wundervolle Aroma und den Geschmack der Tomaten (zurückzugewinnen – die in früheren Zuchtprogrammen zugunsten erhöhter Krankheitsresistenz und verbesserter Erbeigenschaften verlorengegangen waren.

Der inzwischen verstorbene Prof. Nachum Kedar (im Bild) und Prof. Haim D. Rabinowitch von der Hebräischen Universität legten die Grundlagen für den modernen Tomatenanbau in Israel. Foto Nati Shohat/FLASH90

Und dann nahmen sie sich die münzgrosse Kirschtomate vor – ursprünglich ein südamerikanisches Unkraut; sie wurde bis dahin vor allem in europäischen und amerikanischen Hinterhöfen angebaut.

„Kirschtomaten waren geschmacklos und kaum haltbar, sodass sie sich nicht zur Handelsware eignete – bis Nachum Kedar und ich eine geschmacklich verbesserte und haltbarere Sorte züchteten“, sagt Rabonowitch.

Mit diesem Durchbruch wurden zum ersten Mal in der Geschichte Kirschtomaten im Westen massenmarkttauglich. Weil das Pflücken einzelner Kirschtomaten arbeitsintensiv, zeitraubend und teuer ist, züchteten die israelischen Wissenschaftler auch solche, die in Trauben wachsen.

  1. Das wunderbare Lycopin

Neben Vitaminen und Mineralien enthalten Tomaten Lycopin: der carotinoide Pflanzennährstoff, der ihnen die rote Farbe verleiht.

Lycopin ist ein kraftvolles Antioxidant und daher gut für das Herz, den Blutdruck, die Prostata sowie für Haut und Knochen. Am besten nimmt der menschliche Körper das Lycopin in Verbindung mit Öligem (wie Olivenöl oder Käse) auf.

Die multinationale Firma Lycored wurde 1995 in Beersheva gegründet; sie produziert Lycopin-haltiges Öl aus dem Extrakt vor Ort angebauter Tomaten.

Heute verkauft das Unternehmen als Nahrungsergänzungsmittel sowie für bestimmte Gesundheitsprobleme natürliche Farbstoffe und Extrakte aus israelischen Tomaten (oder kalifornischen aus israelischem Saatgut) – bis nach Nordamerika, Europa und Asien.

Tomatenernte auf den Feldern von Lycored. Foto zVg

Laut Lycored-CEO Rony Patishi-Chillim, arbeitet die Firma zusammen mit Wissenschaftlern der Hebräischen Universität an der Entwicklung einer Sorte gentechnisch unveränderter Tomaten mit höherem Lycopingehalt – und zwar auf der Basis von Genen, die am Volcai Center entdeckt wurden.

Gegenwärtig fördert Lycored Forschungsarbeiten an der Ben-Gurion-Universität (Negev) zu den Vorzügen von Tomaten generell sowie in Kombination z. B. mit Rosmarin und Ölivenöl. Neueste Forschungen legen nahe, dass sich gesundheitsfördernde Effekte nicht allein durch Lycopin, sondern aus dem Zusammenspiel verschiedener Elemente der Tomate ergeben. „Wir konzentrieren uns jetzt auf Carotinoide allgemein“, sagt Patishi-Chillim, „von denen Lycopin nur eines ist.“

Lycored experimentiert daher z. B. mit Sorten wie den goldenen Tomaten; sie enthalten Pflanzennährstoffe, die die Haut vor UV-Strahlen schützen. „Wir können sie mit typischen Tomaten kombinieren oder auch unabhängig verwenden“, sagt sie.

  1. Verwöhne dein Gesicht mit Tomaten

Ein weiteres multinationales Unternehmen in Israel, das die Tomatenwissenschaft zu nutzen weiss, ist Frutarom Industries.

Der Duft- und Aromariese brachte vor Kurzem PhytoflORAL auf den Markt: einen Inhaltsstoff aus reinem Tomatenpulver, der – als Kapsel, Kautablette, Getränk und vorgemixter Trinkbeutel zu sich genommen – Hautgesundheit und -farbe verbessert.

Das patentierte Kosmetikprodukt setzt sich aus urheberrechtlich geschützten, gentechnisch nicht veränderten und an farblosem carotinoidem Phytoen und Phytofluen reichen Tomaten zusammen und wurde Israeli Biotechnology Research entwickelt – einer Firma, die im vergangenen Februar von Frutarom übernommenen wurde.

Klinische Daten zeigen, dass aufgenommene Carotinoide sich in der Haut sammeln und dort einen Schutz vor Sonnenstrahlen und oxidativen Schädigungen bilden; zudem ebnet es den Teint, verhindert die Entwicklung von Altersflecken und reduziert Entzündungen und DNA-Schäden.

  1. Den Code eines Tomatenvirus knacken

In den vergangenen drei Jahrzehnten seines fast hundertjährigen Bestehens hat sich das Volcani Center auf Vor-Züchtungsforschung spezialisiert und damit internationale Anerkennung erlangt.

„Wir suchen nach positiven Eigenschaften wie z. B. Krankheitsresistenz, und nutzen die Genomik und Bioinformatik, um effiziente Wege zur Einführung solcher Eigenschaften in Elitesorten zu entwickeln“, sagt Ilan Levin. „Anschliessend geben wir die Informationen an Saatgutfirmen weiter, die sie zur Produktion krankheitsresistenter Elitetomaten nutzen.“

Internationale Saatgutfirmen – von denen einige Forschungs- und Entwicklungszentren in Israel unterhalten – nutzen israelische Entdeckungen, um den Geschmack, das Nährstoffprofil und die Krankheitsresistenz ihrer Tomaten zu verbessern. So konnten Volcani-Forscher Tomatengene bestimmen, die mehr Fruktose als Glucose enthalten. Und Levin erklärt: „Fruktose schmeckt doppelt so süss wie Glucose.“

Er und sein Volcani-Forschungskollege Moshe Lapidot rufen in der Branche Begeisterung für ihre Forschung über TBRFV-resistente Sorten hervor; dabei handelt es sich um einen Pflanztomatenvirus, der sich weltweit rasant verbreitet. Zwar greift TBRFV die Gesundheit des Menschen nicht an, führt jedoch zu einem Ertragsverlust von 50 %; ausserdem werden die infizierten Tomaten braun, runzelig und unansehnlich.

Die beiden Wissenschaftler haben eine neue Widerstandsquelle entdeckt und sind ausserdem dabei, das Gen zu bestimmen, das die TBRFV-Resistenz kontrolliert, sagt Levin.

  1. Schädlinge ohne Chemikalien von Tomaten fernhalten

Agrarexperten suchen permanent nach Wegen, um Insekten und Krankheitserreger von Nutzpflanzen fernzuhalten und gleichzeitig den Einsatz chemischer Sprays zu reduzieren.

Eine Strategie besteht darin, Sorten zu züchten, die bestimmten Krankheiten gegenüber resistent sind.

„Wir binden in alle derzeitigen Tomaten 8–10 verschiedene Gene mit ein, die zusammen einen eingebauten Resistenzmechanismus bilden – sodass Krankheitserreger nicht mit Chemikalien bekämpft werden müssen. Doch noch immer gibt es mehr Schädlinge als Resistenzen“, sagt Rabinowitch von der Hebrew University.

Andere israelische Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen auf Tomatenpflanzen nutzen dichte Netze, klebrige gelbe und blaue Platten (die Farben ziehen Insekten an) sowie ein spezielles blaues Licht gegen eine besondere Mehltau-Art.

„Wir kennen jede Menge Tricks“, sagt Rabinowitch. „Manche Insekten, Bakterien und Pilze überleben jedoch jede chemische Keule und Viren lassen sich durch Pestizide nicht bekämpfen. Deshalb reichern wir die Tomatensorten mit vielen Resistenzgenen an.“

  1. Tomaten das Überleben im Klimawandel sichern

Tomatenforscher wie Ilan Levin und Haim Rabinowitch sind angesichts der drohenden Auswirkungen des Klimawandels überaus besorgt.

„Wenn du eine reife, grüne Tomate pflückst und sie bei Zimmertemperatur auf die Fensterbank legst, wird sie von allein rot. Legst du sie aber bei über 30°Celsius in einen Inkubator, wird sie niemals rot werden – denn diese Temperatur liegt über dem Maximum für den biosynthetischen Prozess des Lycopins [das rote Pigment der Tomate]“, sagt Rabinowitch.

Wenn die Temperatur der Umgebung also über 29°C beträgt, wird eine Tomatenblüte sich weder voll entwickeln noch Früchte ansetzen. Und selbst ein nur leichter Temperaturanstieg beschleunigt bereits den Lebenszyklus von Insekten immens.

Deshalb entwickeln israelische Wissenschaftler Tomatensaatgut, das extreme Hitze und andere durch den Klimawandel verursachte Bedingungen aushält – etwa einen erhöhten Kohlendioxidgehalt in der Luft und auch einen erhöhten Salzgehalt im Wasser.

Da Schädlinge konstant mutieren und immer neue Schadstoffe auftauchen, wird die israelischen Tomatenforscher ihre Arbeit wohl noch viele Jahre lang beschäftigen.

Auf Englisch zuerst erschienen bei israel21c.org. Übersetzung Audiatur-Online.

Diesen Beitrag teilen
  • 57
  •  
  •  
  • 1
  •  
  •  
  •  
  •  
  • 3
  •  
  •