Khashayar
Khashayar "Shay" Khatiri sagt, dass er aufgrund seiner Erfahrungen mit jüdischen Freunden und Mentoren ermutigt wurde, Geld für die Pittsburgh's Tree of Life Synagoge zu sammeln. Foto Khatiri/JTA

Nicht-Jude Khashayar Khatiri sagt, kurz nachdem er in der Wohnung einer jüdischen Freundin von dem Attentat erfahren hatte, habe er den Wunsch verspürt, zu handeln.

 

Von Josefin Dolsten

Khashayar „Shay“ Khatiri beansprucht ungern die ganze Ehre für das von ihm gesammelte Geld für die Synagoge in Pittsburgh, in der letzten Monat eine Schiesserei stattfand, für sich.

„Es ist nicht meine Spendenaktion“, sagte der 29-jährige Khatiri am Donnerstag in einem Telefoninterview mit der Jewish Telegraphic Agency (JTA). „Ich habe zwar die Spendenaktion gestartet, aber sie gehört jedem, der gespendet hat.“

Der in Washington D.C. lebende gebürtige Iraner machte landesweit Schlagzeilen, weil er nach dem Attentat, bei dem ein bewaffneter Schütze elf Menschen in der Tree-of-Life-Gemeinde tötete, mehr als eine Million USD Spenden sammelte.

Khatiri, der kein Jude ist, sagt, er habe kurz nachdem er von dem Attentat erfahren hatte, den Wunsch zu Handeln verspürt. Der Hochschulabsolvent hielt sich am Morgen des tödlichen Attentats in der Wohnung einer jüdischen Freundin auf.

„Als ich aufwachte, erzählte sie mir von dem Anschlag, der mich zutiefst erschütterte“, erinnerte sich Khatiri, der aufgrund seiner politischen Aktivitäten gegen die iranische Regierung Asyl in den Vereinigten Staaten beantragt hat.

Der an der Johns Hopkins School of Advanced International Studies studierende Khatiri sagte seiner Freundin gleich, er wolle direkt an die Synagoge spenden.

„Ich sagte ihr, dass ich etwas Geld, einen kleinen Betrag, an die Gemeinde spenden wollte. Aber dann überlegte ich, dass es vielleicht viral gehen und wirklich etwas Grosses bewirken könnte“, berichtete er.

Also erstellte er über die GoFundMe-Website eine Website und sehr schnell strömten die Spenden nur so herein. Khatiri hatte die Seite zuvor zweimal benutzt, um kleinere Geldbeträge zur Deckung seiner Lebenshaltungskosten während einer Praktikumsphase zu sammeln, aber mit dem Spendensammeln im grossen Stil hatte er kaum Erfahrung.

„Ich hätte nie gedacht, dass eine Million Dollar dabei zusammenkäme“, erzählte er. „Das war definitiv eine grosse Überraschung und es ist grossartig, dass die Leute noch immer weiter spenden“.

Am letzten Freitagnachmittag belief sich der insgesamt zusammengekommene Betrag auf über 1,1 Millionen US-Dollar

Khatiri ist jedoch nicht der Einzige, der nach der Schiesserei in der Synagoge Geld sammelt. Bei einer Sammelaktion muslimischer Organisationen kamen über 200.000 USD zusammen und auch die Jewish Federation of Greater Pittsburgh rief einen Fonds für die Opfer ins Leben.

Das von Khatiri aufgebrachte Geld wird über GoFundMe direkt an die Tree-of-Life-Synagoge geleitet. Er sagt, er habe keinen weiteren Kontakt zu der Synagoge gehabt als ein kurzes Telefongespräch mit dem Vorsteher.

Auf die Frage, was ihn zu der Sammelaktion für die Synagoge veranlasst habe, antwortet Khatiri, das seien seine Erfahrungen mit jüdischen Freunden und Mentoren gewesen, die ihm über finanzielle Schwierigkeiten hinweggeholfen hatten.

Er erklärte: „Ich war immer auf der Empfängerseite jüdischer Freundlichkeit und Grosszügigkeit und ich fühle mich den Juden gegenüber verpflichtet“.

Die Tatsache, dass der Schütze gezielt eine Synagoge ins Visier genommen hatte, erschütterte ihn zutiefst.

„Es war nicht einfach irgendein verrückter Typ, der zufällig in eine Menschenmenge schiesst“, stellte Khatiri fest. „Es ging gezielt gegen die Juden, die in der Geschichte das am meisten verfolgte Volk der Welt sind, und das machte das Ganze noch grausamer.“

Der in der nordiranischen Stadt Gorgan aufgewachsene Khatiri wurde von seiner Familie atheistisch erzogen, bezeichnet sich jedoch heute selbst als Deisten und hatte früher kaum Kontakt zu Juden.

Dies änderte sich jedoch, als er sein Heimatland verliess. 2011 zog Khatiri nach Ungarn, wo er enge Kontakte zu dort lebenden Israelis knüpfte. Drei Jahre später zog er in die Vereinigten Staaten, um dort an der Arizona State University ein Bachelorstudium zu absolvieren. Sowohl in seiner Studienzeit als auch später in der Graduiertenschule waren viele seiner Freunde und Mentoren Juden, berichtet er.

Schon bevor er in Kontakt mit Juden kam, war Khatiri ein Bewunderer Israels.

Er erklärte: „Als einzige liberale Demokratie im Nahen Osten hat mir Israel immer gefallen. Das ist sehr beeindruckend. Ich bewundere es als Demokratie – etwas, das mir für den grössten Teil meines Lebens im Iran verwehrt blieb.“

An der Arizona State University war Khatiri Rechtskoordinator der Universität für das American Israel Public Affairs Committee.

2009 war Khatiri an den Protesten der Grünen Bewegung im Iran beteiligt und 2016 Unterzeichner eines offenen Briefes an Präsident Donald Trump, in dem dieser zu Sanktionen gegen den Iran aufgefordert wurde. Letztere Aktion habe ihn auf die Schwarze Liste der iranischen Regierung gebracht, berichtet Khatiri, der hofft, auch nach Beendigung seines Master-Studiums weiterhin in den Vereinigten Staaten leben und arbeiten zu können.

„Ich möchte diesem Land, das mir alle Möglichkeiten gegeben hat, glücklich zu sein, dienen“, erklärte er. „In welcher Form auch immer ich ihm dienen kann, ich werde es tun – sei es innerhalb oder ausserhalb des Regierungssektors.“

Khatiri sagt, er sei glücklich, dass so viele Menschen sich vereinten, um der Tree-of-Life-Synagoge Hilfe zu leisten.

Und weiter: „Es war grossartig zu sehen, dass die Menschen wirklich Anteil nahmen und es ihnen eine Herzensangelegenheit war, den Überlebenden zu helfen“.

Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel. Übersetzung Audiatur-Online.

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