Danit Levy, Leiterin der Ausgrabungen im Auftrag der Israel Antiquities Authority (IAA), neben dem Stein mit der Inschrift. Foto Yoli Shwartz, IAA
Danit Levy, Leiterin der Ausgrabungen im Auftrag der Israel Antiquities Authority (IAA), neben dem Stein mit der Inschrift. Foto Yoli Shwartz, IAA

Zum allerersten Mal wurde auf dem Gelände des Jerusalem International Convention Center eine 2.000 Jahre alte Steininschrift mit dem vollen Namen Jerusalems gezeigt.

 

von Esty Dziubov/TPS

Danit Levy sass gerade in ihrem Büro an der Ausgrabungsstätte Binyanei Ha’Uma in der Nähe der heutigen Zufahrt nach Jerusalem und erledigte Papierkram. Es war ein kalter, verregneter Wintertag im Januar 2018.

Der Gegenstand ihrer Arbeit war eine 2.000 Jahre alte Töpferei, die einst Teil eines ganzen Töpferviertels gewesen war. Im alten Jerusalem wurden hier mehr als 300 Jahre lang allerlei Gefässe gefertigt, heute fasziniert die Gegend Archäologen.

Während sich Levy, die Leiterin der Ausgrabungen der israelischen Antikenverwaltung (IAA), ihren Unterlagen widmete, kam einer der Mitarbeiter der Stätte auf sie zu.

„Wir haben etwas gefunden. Nimm dir eine Kamera und was zum Schreiben und komm mit“, sagte er.

Wie Levy der Nachrichtenagentur Tazpit (TPS) berichtet, sagte sie ihrem Kollegen, dass sie erst ihre Arbeit erledigen müsse und später kommen würde. „Da er nicht locker liess, fragte ich nach: ‚Was hast du gefunden?’“, erinnert sie sich. „Es ist eine Art Graphit mit einer Inschrift, es steht etwas drauf – könnte etwa 50 Jahre alt sein?“, antwortete er.

„Er hatte keine Ahnung“, so Levy weiter. „Ich erwartete etwas Modernes, in Rot. Ich kam also an die Stelle, die sich am Ende der Ausgrabung befand, und sah die Säule mit der Inschrift und erkannte die hebräischen Buchstaben.“

„Mein Herz schlug schneller und so laut, dass es bestimmt alle hören konnten“, lacht sie.

Yerushalayim

Levy versuchte, das Fundstück zu fotografieren, doch ihre Hände zitterten zu sehr. „Es war unglaublich aufregend – eine solche Inschrift erwartet man einfach nicht in einer Töpferei.“

Auf der Säule, die vermutlich aus der Zeit des Zweiten Tempels stammt, stand auf Aramäisch: „Hananiah, Sohn des Dodalos von Jerusalem“.

Das Wort Jerusalem war „Yerushalayim“ geschrieben, also genau wie in modernem Hebräisch.

Wie Levy erklärt, war die Säule Teil der Infrastruktur der Töpferei, die von den Römern eingenommen worden war, als sie Jerusalem eroberten.

Dr. Yuval Baruch, der leitende Archäologe der israelischen Antikenverwaltung für die Region Jerusalem, bezeichnete den Fund als etwas „ ganz Besonderes“.

„Dies ist die einzige bekannte Steininschrift aus der Zeit des Zweiten Tempels mit vollständiger Schreibweise“, erläutert er. „Diese Schreibweise findet sich sonst nur noch einmal auf einer Münze aus der Zeit des grossen Aufstands gegen die Römer (66–70 n. Chr.). Die ungewöhnliche Schreibweise ist auch in der Bibel belegt, wo Jerusalem insgesamt 660-mal genannt wird, jedoch nur fünfmal – mit relativ spätem Datum – in vollständiger Schreibweise.“

Levy zufolge wurden hier zum Ende der Zeit des Zweiten Tempels hin, insbesondere während der Herrschaft von König Herodes, vor allem Kochgefässe hergestellt.

„Die Produktionsstätten sind über das ganze Gebiet verteilt. Sie sind in Fertigungseinheiten aufgeteilt, darunter Brennöfen, Becken zur Tonherstellung, verputzte Zisternen, Ritualbäder und Arbeitsräume zur Trocknung und Lagerung der Gefässe“, erklärt sie. „An das Töpferviertel schloss sich ein kleines Dorf an, dessen Wirtschaft auf der Töpferei basierte. Die Töpfe wurden in grossen Mengen an die Bevölkerung und Besucher Jerusalems verkauft – insbesondere an die Pilger, die an den Stadttoren ankamen.“

Nach der Zerstörung Jerusalems und des Zweiten Tempels im Jahr 70 n. Chr. nahm die Töpferei ihre Arbeit in kleinem Umfang wieder auf, bis Anfang des zweiten Jahrhunderts die zehnte römische Legion dort ihre Werkstätten zur Massenproduktion keramischer Baustoffe einrichtete: Dachziegel, Mauersteine und Rohre sowie das für die römische Armee typische Tisch-, Koch- und Vorratsgeschirr. Die Öfen und Produkte der Legionäre sind im Kongresszentrum Binyanei Ha’Uma International Convention Center und im Israel-Museum in Jerusalem ausgestellt.

Laut Dudy Mevorach, dem leitenden Kurator für Archäologie des Israel-Museums, gibt der archäologische Kontext der Inschrift zwar keinen Aufschluss über ihre ursprüngliche Herkunft oder darüber, wer Hananiah, Sohn des Dodalos, war, doch vermutlich handelt es sich bei ihm um einen Keramikkünstler.

„Er war womöglich der Sohn eines Keramikkünstlers, der einen Namen aus der griechischen Mythologie angenommen hatte, in Anlehnung an den berühmt-berüchtigten Künstler Dädalus. Es ist interessant, dass er neben seinem Namen auch seine Herkunft angab, obwohl er sich ganz in der Nähe Jerusalems befand.“

Abschliessend sagt Levy, dass ihr die emotionale Entdeckung des Fundstücks „für den Rest meines Lebens” in Erinnerung bleiben wird.

Übersetzung Audiatur-Online.

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