David Tosin Bakare, der erste Afrikaner, der im internationalen MBA-Programm der Bar-Ilan-Universität studiert. Foto Ilanit Chernick/TPS.
David Tosin Bakare, der erste Afrikaner, der im internationalen MBA-Programm der Bar-Ilan-Universität studiert. Foto Ilanit Chernick/TPS.

In seinem schicken Anzug strahlt David Tosin Bakare Selbstbewusstsein aus, während wir in einem McDonald’s-Restaurant am Rothschild Boulevard in Tel Aviv sitzen. Als wir unser Gespräch beginnen, ertönt das Geschrei von Kindern, da im Hintergrund gerade ein israelischer Rap-Song zu spielen beginnt. Bakare beginnt damit, indem er beschreibt, dass er „vom Israel-Fieber ergriffen“ ist.

 

von Ilanit Chernick/TPS

Als erster Afrikaner, der im internationalen MBA-Programm der Bar-Ilan-Universität studiert, hat er es sich zur Aufgabe gemacht, sein neu erworbenes Wissen zu nutzen, um Veränderungen in Afrika zu bewirken.

Er hat eine Vision – eine Vision, die den Teufelskreis der Armut durchbricht, die den Kontinent plagt.

„Über 1.000 Migranten sind bei dem Versuch, nach Europa zu gelangen, im Mittelmeer ums Leben gekommen – weil sie der Armut in Afrika entkommen wollten“, erklärt er. „Nigeria ist die Armutshauptstadt der Welt mit über 200 Millionen Menschen“, von denen rund 87 Millionen bedürftig sind.

Bakare versteht nur zu gut, was Armut bedeutet – in seiner Jugend konnten er und seine Familie ihrem Würgegriff nicht entkommen.

„Ich bin in den Slums von Nigeria aufgewachsen. Ich war umgeben von Armut, Verbrechen und Drogen. Als ich zwei Jahre alt war, verlor ich meinen Vater. Meine Mutter musste meine vier Schwestern und mich allein ernähren und versorgen“, erinnert er sich. An seinem Gesichtsausdruck lässt sich erkennen, dass ihn die Erinnerung noch immer verfolgt. „In meiner Familie war ich der Einzige, der den Teufelskreis durchbrach und eine Schulbildung erhielt.“

Auf die Frage, was ihn bewogen hat, die Schule abzuschliessen und seine Ausbildung an einer Hochschule fortzusetzen, antwortet Bakare, dass ihm klar wurde, dass Bildung der einzige Weg ist, um im Leben eine Chance zu haben. „Für mich war es das Licht am Ende des Tunnels. Das Glück war mir hold.“

Im Jahr 1986 sah der 12-jährige Bakare eine Coca-Cola-Werbung, deren Slogan in ermutigte, den Teufelskreis, in dem seine Familie gefangen war, zu durchbrechen und sich aktiv um Erfolg zu bemühen. Bakare schliesst seine Augen und singt das Lied aus der Werbung, so wie er sich daran erinnert. Er wird mit jedem Wort lauter und endet mit: „Ich bin die Zukunft der Welt.“

„Mir wurde klar, dass ich Teil der Weltbevölkerung von morgen bin, und dieser Gedanke hat mich nie wieder losgelassen. Mein Leben ist die Zukunft meiner Generation“, meint er und fügt hinzu, dass dies ein entscheidender Wendepunkt für ihn war.

Im Rahmen seines IMBA-Kurses an der Bar-Ilan namens „Unternehmertum: Von der Idee zur Marktreife“ hat sich Bakare, der in seinem Heimatland ein renommierter Geschäftsmann und Berater geworden ist, mit einem weiteren Kursteilnehmer und mit Naomi Bareket, einer amerikanischen IMBA-Absolventin, zusammengetan. Gemeinsam entwickeln sie ein soziales Geschäftsmodell, das dabei helfen soll, den heimtückischen Teufelskreis der Armut in Afrika zu durchbrechen.

„Unser Modell basiert auf dem Erfolg von Konzepten wie den Mikrokrediten und der Mikrofinanzierung, für die Prof. Yunus Mohammed aus Bangladesch, Nobelpreisträger des Jahres 2006, den Weg bereitet hat. Es unterscheidet sich von der aktuellen Mikrofinanzierung in Afrika, die mehr auf Profit abzielt und dadurch nicht das soziale Ziel der Armutslinderung erreicht“, fährt Bakare fort. „Nigeria ist das siebtgrösste Land der Welt und Bangladesch das achtgrösste und die Geschichte der Armut ist in beiden Ländern die gleiche.“

Das Projekt konzentriert sich auf drei Hauptbereiche, darunter die Bestärkung der Frauen, denn in vielen Fällen sind sie die Ernährer ihrer Familien; die Unterstützung von Jugendlichen, denn sie sind voller Energie und Kreativität; und die Bestärkung des Unternehmertums, für die das Projekt ein „innovatives Modell für Mikrokredite und intelligent geplante Landwirtschaft, basierend auf der Technologie des 21. Jahrhunderts und der Macht der sozialen Netzwerke“ nutzt.

Durch das Jugendförderprogramm erhalten Teenager und junge Erwachsene aus Afrika die Möglichkeit, ihre Ideen vorzustellen und auf einer Plattform zu präsentieren, über die sie Unterstützung von Geldgebern erhalten können. Der Name der Plattform lautet Kola („Kings Online Loan Assist“) und die Abkürzung nimmt augenzwinkernd Bezug auf die Werbung, die ihn vor all den Jahren inspirierte.

Obwohl sich Naomi in den USA um die Finanzierung des Projekts über Spenden bemüht, meint Bakare, dass er nicht möchte, dass das Projekt ausschliesslich auf Wohltätigkeit basiert. „Der Fokus liegt auf sozialen Geschäften – Geschäften, die einen wertorientierten Ansatz verfolgen.“

„Israels Spitzenleistungen in den Bereichen Technologie und Landwirtschaft“ werden eine wichtige Rolle bei der erfolgreichen Umsetzung dieses Vorhabens spielen, mit dem er im Januar 2019 in Nigeria starten will.

„Israel hat die Technologie und Afrika hat das Land“, fügt er hinzu. Auf die Frage nach seiner Zeit in Israel antwortet Bakare, selbst ein bekennender Christ und Pastor, nur mit Lob für das Land und dessen Bewohner und erklärt, dass man ihm hier stets mit Wärme und Freundlichkeit begegnet ist. „Israel ist eine Start-up-Nation – und kommt gleich an zweiter Stelle nach dem Silicon Valley in den USA … Vielerorts mögen Dinge unmöglich erscheinen, doch hier in Israel ist nichts unmöglich. In Afrika wird einem gesagt, man solle sich nicht zu hohe Ziele setzen, aber die israelische Kultur ist da anders. Wenn du dir etwas erträumen kannst, wird es Realität werden.“

„Ich bin ein Afrikaner, der die israelische Mentalität übernommen hat. Ich möchte erleben, wie meine Vision Wirklichkeit wird“, sagt er und lächelt dabei über das ganze Gesicht. „Auch wenn ich noch keine Alija gemacht habe – wenn ich hier bin, habe ich doch das Gefühl, mich nach oben zu bewegen, ja erhoben zu werden. Es ist ein einzigartiges Land, in dem Ideen entwickelt und verwirklicht werden können.“

Doch der Traum, in Israel zu studieren, forderte auch Opfer. Bakare musste seine Ehefrau und seinen Sohn in Nigeria zurücklassen. „Es ist nicht einfach. Ich spreche jeden Tag mit meiner Frau und sie ist so verständnisvoll und geduldig.“

Wenn er gegen Ende des Jahres nach Hause zurückkehrt, will er sich eine Weile frei nehmen, um die versäumte Zeit mit seiner Familie nachzuholen.

Des Weiteren beschreibt er auch, wie vielfältig Israel ist – einerseits das kosmopolitische und trendige Tel Aviv und andererseits das äusserst religiöse und ehrwürdige Jerusalem. „Es scheint fast, als wären es zwei unterschiedliche Länder“, scherzt er.

Am Ende des Interviews, kurz bevor er sich wieder in das Getümmel des Rothschild Boulevards stürzt, hält Bakare noch einmal inne und sagt: „Israel ist vielleicht nur eine kleine Nation, aber hier schlägt das Herz der Welt.“

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