Manal Tamimi. Foto Screenshot Youtube
Manal Tamimi. Foto Screenshot Youtube

73 Jahre nach der Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau sollte jemand, der öffentlich zum Judenmord aufruft, in Zürich über Israel und Palästina sprechen. Manal Tamimi sagt Dinge wie: „Ich hasse Israel, ich hasse Zionismus, ich wünsche mir, dass bald eine dritte Intifada kommt und die Menschen sich erheben und all diese zionistischen Siedler töten, überall.“

 

Manal Tamimi war eingeladen, um am 7. September im – städtischen – Zentrum Karl der Grosse zu sprechen und drei Tage darauf im Kosmos Zürich. Die Veranstaltung im Kulturzentrum Karl der Grosse war von einer Gruppe namens „Café Palestine“ anberaumt; Veranstalter im Kosmos sind ebenfalls das „Café Palestine“ sowie die Gesellschaft Schweiz-Palästina, mit Amnesty International als „Partnerin“ der Veranstaltung. Hinter dem „Café Palestine“ in Zürich stehen Zürcher Mitglieder der Gesellschaft Schweiz-Palästina. Die 1976 gegründete Gesellschaft Schweiz-Palästina verfolgt unter anderem das Ziel, den Staat Israel durch Wirtschaftsboykotte zu delegitimieren. Aktueller Präsident ist der ehemalige Nationalrat Geri Müller (Grüne Schweiz), der 2012 Vertreter der Terrororganisation Hamas ins Bundeshaus holte.

Foto Screenshot Google Cache.

Zentrum Karl der Grosse: Keine Durchführung der Veranstaltung

Die gute Nachricht vorweg: Kurz nachdem Audiatur-Online letzte Woche Veranstalter, Behörden und Politiker kontaktiert hatte, um auf diesen Skandal aufmerksam zu machen, verschwand Tamimis Name von der Ankündigung der Veranstaltung im Kosmos (sie wurde durch eine EAPPI-Aktivistin ersetzt).

Im Zentrum Karl der Grosse ist nun – dank der Intervention von Audiatur-Online – überhaupt keine Veranstaltung der Gesellschaft Schweiz-Palästina mehr geplant. Die Kultur-Direktion der Stadt Zürich schreibt uns: „Wir haben Ihre Hinweise und Einwände geprüft und werden die Veranstaltung nicht durchführen. Es entspricht unserer nachdrücklichen Haltung, dass wir bei Veranstaltungen im Karl der Grosse keinerlei rassistische, antisemitische oder gewaltverherrlichende Äusserungen dulden.“

Wer ist Manal Tamimi?

Manal Tamimi entstammt einem arabisch-palästinensischen Clan, zu dessen bekanntesten Persönlichkeiten die beiden verurteilten (aber freigepressten) Erzterroristen Ahlam Tamimi und Nizan Tamimi gehören, die zusammen acht Kinder (darunter ein ungeborenes) und neun Erwachsene ermordet haben. Gleichzeitig hat der Clan ein Geschäftsmodell daraus gemacht, unter dem Firmennamen Tamimi Press Filme zu drehen, in denen zum Beispiel zu sehen ist, wie Ahed Tamimi – erst als Kind, jetzt als junge Frau – brüllend und manchmal gewalttätig auf israelische Soldaten losgeht, im – stets vergeblichen – Bemühen, sie zu provozieren. Manals Rolle in dem PR-Unternehmen der Tamimis beschrieb die „New York Times“ einmal so:

„Mohammed [Tamimi] fing an, Nachrichten auf einem Blog zu veröffentlichen, später dann auf einer Facebookseite … unter dem Namen Tamimi Press. Schnell wurde Tamimi Press zu einem Medienteam in Heimarbeit: Bilal Tamimi dreht Videos und lädt die Höhepunkte der Proteste auf seinen YouTube-Kanal hoch; Helme macht Fotos; und Mohammad sendet E-Mails an rund 500 Reporter und Aktivisten. Manal, die mit Bilal verheiratet ist, ergänzt das Unternehmen mit einem ununterbrochenen Ausstoss von Tweets unter dem Twitter-Namen @screamingtamimi“.

Um die manchmal tödliche Gewalt arabisch-palästinensischer Männer gegen ihre Ehefrauen, von der auch Amnesty International durchaus weiss, kümmert sich Manal Tamimi indessen nicht; in ihren Tweets geht es allein gegen Israel, oft ruft sie zu Morden auf oder verherrlicht die Mörder von Juden. Die Soldaten der „Zio-Kakerlaken“ (Israelis) fürchtet sie so wenig, dass sie sie als „Spielzeugsoldaten“ verhöhnt, die Windeln bräuchten.

Foto Screenshot Twitter
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Juden als „Blut trinkende“ „Vampire“

Im Stile der NS-Propaganda bezeichnet sie jüdische Israelis als „Vampire“, die an Jom Kippur Blut tränken. Ein anderes Mal twittert sie: „Du kannst niemals mit Vampiren Frieden schliessen, weil der Geruch deines Blutes sie immer anziehen wird.“

Als im September 2015 der 64-jährige Israeli Alexander Levlovich aus Jerusalem auf dem Rückweg von einem Rosh-Hashanah-Abendessen gewaltsam zu Tode kommt, weil arabische Jugendliche Steine auf sein Auto geworfen haben, twittert Manal Tamimi: „Bitte, bitte Gott, dritte Intifada.“

Foto Screenshot Twitter

Am nächsten Tag ist sie ausser sich vor Freude: Ein Linienbus brennt lichterloh. Der arabische Busfahrer hatte den Bus angehalten, weil er mit Steinen beworfen worden war. Der Fahrer stieg aus und suchte Polizisten. Als er mit der Polizei wiederkam, stand sein Bus in Flammen, jemand hatte einen Molotovcocktail in den – zufällig zu diesem Zeitpunkt leeren – Bus geworfen. Der Kommentar von Manal Tamimi: „Löwin von #Jerusalem hat einen zionistischen Bus angezündet #Free_Jerusalem.“

Am 1. Oktober 2015 feiert Tamimi den Mord an Rabbi Eitam Henkin, 31, und seiner Frau Na’ama, 30, die im Auto aus einem fahrenden Auto heraus erschossen wurden, vor den Augen ihrer auf dem Rücksitz sitzenden vier Kinder Matan Hillel, 9, Nitzan Yitzhak, 7, Neta Eliezer, 4 und Itamar, 9 Monate. Manal Tamimi schreibt: „Alle Siedler in der Westbank sollten in ihren Häusern bleiben. Die Pal-Löwen sind immer noch frei und können euch kriegen und töten, wo immer ihr seid.“ Als ihr ein israelischer Leser antwortet, dass sie nicht jammern solle, wenn die israelische Armee gegen die Terroristen vorgeht, antwortet sie: „Wir sind nicht die, die jammern. Ihr jammert immer noch über den Holocaust und benutzt ihn für alles als Entschuldigung. Versucht, was anderes Dummes zu finden.“

Am 4. Oktober 2015 feiert sie auf Twitter den Abschuss einer Rakete auf Israel: „Eine Rakete wurde aus Gaza auf die 1948 besetzten palästinensischen Gebiete abgefeuert. Go, Gaza, go!“

Am 5. Oktober 2015 twittert sie das Foto einer Computertaste, auf der steht „Delete Israel“. Sie kommentiert: „Die dringend benötigte Taste.“ In einem von ihr verbreiteten Cartoon zeigt sie, wie sie die Rollenverteilung zwischen Arabern und Juden sieht. Ein Mann in Wehrmachtsuniform, also ein Nazi, schlägt eine Ratte mit einer Rute. Die Ratte trägt eine Kippa und hat eine Hakennase im Stile der „Stürmer“-Karikaturen, auf ihrem geprügelten Gesäss trägt sie einen Davidstern. So stellt Manal Tamimi sich die Juden vor. Aber das ist noch nicht alles: Tamimis Kommentar: „Hahahaha, ein Palästinenser und Zionisten.“

Foto Screenshot Twitter
Foto Screenshot Twitter

Jeder Mord an jüdischen Zivilisten macht sie offenbar froh. Etwa am 1. Januar 2016: Im Stadtzentrum von Tel Aviv hat ein Terrorist gerade mit einer Schusswaffe drei Menschen getötet und sieben verletzt. Tamimi frohlockt: „Tel Aviv unter Feuer. Es gibt keine sicheren Orte, wo sich die Zionisten verstecken können.“ Dazu setzt sie sechsmal eine Hand, die das Siegeszeichen macht. Hier und hier sind Dutzende weitere Beispiele für ihren Judenhass und ihre Aufrufe zum Mord an Israelis. 

Reaktionen

Wie konnte die Schweiz Manal Tamimi ein Visum erteilen? Audiatur-Online fragte nach. Im Auftrag des für die Visa-Vergabe zuständigen Sekretariats für Migration (SEM) antwortet Mediensprecher Lukas Rieder, es sei dem SEM „aus gesetzlichen Gründen untersagt, Auskünfte zu Einzelfällen zu erteilen“. Dazu schickt er einen Link zu den „Einreisevoraussetzungen für Drittstaatangehörige“.

Audiatur-Online bat auch Parteienvertreter um ihre Meinung. Gerhard Pfister, Nationalrat und Präsident der CVP, teilt Audiatur-Online mit: „Die einladenden Organisatoren müssten dazu Stellung nehmen, ob ihnen die Äusserungen bekannt sind, und warum sie, falls die Äusserungen bekannt waren, die Einladung als unbedenklich taxierten. Wenn die Äusserungen den Veranstaltern bekannt waren, ist es bedenklich, dass sie diese eingeladen haben.“

Noch deutlicher wird Erich von Siebenthal, Nationalrat der SVP und Präsident der Parlamentarischen Gruppe Schweiz-Israel: „Solche Erscheinungen und Tätigkeiten sind auf schärfste zu verurteilen. Diese Person hat in unserem Land keinen Platz.“

„Personen, die zum Terrorismus aufrufen, sollten in der Schweiz nicht willkommen sein“, sagt auch Nationalrat Christian Imark (SVP). „Dass ausgerechnet Amnesty International solche Terror-Unterstützer als Menschenrechtsaktivistinnen hochjubelt, zeigt, dass NGOs den politischen Behörden noch immer auf der Nase herumtanzen.“ Es zeige zudem, dass unter dem „Deckmantel von Menschenrechten“ heutzutage sogar zu „Gewalt und Terror aufgerufen werden“ dürfe. Dies, so Imark, sei „erbärmlich“.

Foto Screenshot Twitter

Marianne Binder, Grossrätin im Kanton Aargau und Präsidentin der CVP Aargau, sagte gegenüber Audiatur-Online, Tamimis Äusserungen seien „schockierend“. „Ich verstehe absolut nicht, wie man diese Person in die Schweiz einladen kann. Es kann ja nicht sein, dass die Gesellschaft Schweiz Palästina und Amnesty International in Unkenntnis sind, was die Aufrufe dieser Person zur Vernichtung von Israel betreffen und was für ihre unterirdische antisemitische Aussagen sie absondert. Sie dann noch als Friedensaktivistin zu bezeichnen, setzt dem Ganzen die Krone auf. Wir wollen keine Hetzprediger in unserem Land.“

Per E-Mail wandte Audiatur-Online sich an Reto Rufer, der bei der Schweizer Sektion von Amnesty International unter anderem für den Nahen Osten zuständig ist und ursprünglich mit Manal Tamimi auf dem Podium diskutieren sollte. Konfrontiert mit Tamimis Äusserungen antwortete Rufer, die Tweets seien ihm „nicht bekannt“ gewesen und ihr Inhalt sei „in der Tat erschreckend“. Weiter schreibt er: „Ohne sie entschuldigen zu wollen, wurden sie offenbar (dies gemäss Angaben der Veranstalter, die Frau Tamimi damit konfrontiert haben) in einem bestimmten Zeitraum vor 2, 3 Jahren gemacht, in dem ihr Sohn erschossen und sie selber angeschossen worden war.“

Dass einer von Manal Tamimis Söhnen erschossen worden wäre, ist nicht bekannt. Als Audiatur-Online nachfragte, welcher der Söhne das gewesen sei, korrigierte Rufer seine Angabe. Eine Stellungnahme, die die Zürcher Veranstalter von Tamimi erhalten hätten, habe er „offenbar falsch verstanden“. In dem betreffenden Satz Tamimis, den Rufer in seine E-Mail eingefügt hat, schreibt diese auf Englisch davon, dass ihr Sohn einmal durch scharfe Munition verletzt worden sei. Das wiederum ist gut möglich, taugt aber wahrlich nicht als Entschuldigung: Seit Jahren schicken die Tamimis ihre minderjährigen Kinder zu der wöchentlichen Randale. Es ist immer dasselbe: Eine Gruppe zieht los, um die jüdischen Nachbardörfer anzugreifen; bevor sie diese erreicht, wird sie von Soldaten gestoppt. Dann werfen die Mitglieder des Pulks Steine und Brandbomben auf die Soldaten oder greifen sie anderweitig an – alles nur um der Propagandaeffekte wegen. Das ist Kindesmissbrauch und erinnert einmal mehr an die Golda Meir zugeschriebene Aussage, es werde erst dann Frieden zwischen Israel und den Arabern geben, „wenn sie ihre Kinder mehr lieben als sie uns hassen“. Das Kino Kosmos war für Audiatur-Online nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.

Ist friedliche Koexistenz zu langweilig?

Manal Tamimi wendet sich ausdrücklich gegen Frieden und Verständigung zwischen Arabern und Juden: „Normalisierung ist ein Werkzeug der Unterdrückung und der Zurichtung unserer Köpfe.“ Der Tweet ist noch recht frisch, er stammt von März 2018. Anders als Reto Rufer gern glauben möchte, hat sich Manal Tamimi also nicht geändert.

Es wäre an der Zeit, einmal arabische Eltern aus Israel nach Europa einzuladen, die ihre Kinder zu einem friedlichen und respektvollen Miteinander von Arabern und Juden anhalten. Solche Eltern gibt es zuhauf – man findet sie in Jerusalem, Tel Aviv, Galiläa, Haifa und vielen anderen Orten Israels, wo Juden und Araber Tür an Tür leben. Doch leider werden israelische Juden und Araber, die in Frieden miteinander leben, studieren und arbeiten, so gut wie nie nach Europa eingeladen, um darüber zu berichten. Stattdessen lädt man eine Frau ein, die in einem Dorf ohne Juden lebt, damit sie erzählt, warum sie sich eine Welt ohne Israel wünscht. Die, die wie die Tamimis den Konflikt schüren, sind wohl einfach interessanter als die, die ihn beenden wollen.

Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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