Vereinte Nationen gegen Israel. Wie die UNO den jüdischen Staat delegitimiert. Foto zVg
Vereinte Nationen gegen Israel. Wie die UNO den jüdischen Staat delegitimiert. Foto zVg

Ein neues Buch von Alex Feuerherdt und Florian Markl bietet einen Überblick über die anti-israelischen Aktionen der UNO. Seit 1947 steht Israel pausenlos am Pranger – mehr als andere Staaten zusammen. Eine Rezension von Ulrich Sahm.

 

Das Buch ist keine juristische Abhandlung zu problematischen anti-israelischen UNO-Resolutionen. Es ist locker und spannend geschrieben und liefert selbst für den informierten Leser eine grosse Fülle Fakten und neue Einsichten.

Zu Beginn schaffen die Autoren Alex Feuerherdt und Florian Markl einen bemerkenswerten Überblick zu dem unglaublichen Tauziehen rund um die Errichtung des Staates Israel seit der berühmten britischen Balfour-Deklaration von 1917.

Hier, in den Kapiteln rund um die Entstehung des jüdischen Staates legen die Autoren ihre Vorgehensweise dar und vergleichen die bekannten Absichtserklärungen mit der Realität. Etwa die Balfour-Deklaration, das geheime Sikes-Picot-Abkommen, mit dem die Briten und Franzosen noch gemeinsam Linealgrenzen im Gebiet des noch nicht bezwungenen osmanischen Reiches gezogen haben, von Marokko bis Ägypten und Sudan und weiter in Palästina, Syrien und Irak. Dabei werden mit Zitaten und zeitgenössischen Gesprächsprotokollen die jeweiligen Interessen und daraus resultierenden Streitigkeiten belegt.

So wird dargestellt, wie ausgerechnet die Briten trotz ihres Versprechens, in Palästina eine „nationale jüdische Heimstätte“ zu errichten, es fast geschafft haben, den Staat zu verhindern, bis hin zu ihrem schmachvollen Abzug aus Haifa an jenem denkwürdigen Freitag, dem 14 Mai 1948, als David Ben Gurion kurz vor Beginn des Sabbat den Staat Israel ausgerufen hat. Die britische Einwanderungssperre gegen Juden, vor allem Überlebende des Holocaust und flüchtende Juden aus Deutschland, behinderte nicht nur die Entstehung Israels, sondern bedeutete auch für viele Juden den Tod, nachdem sie gerade erst den Gaskammern der Nazis entronnen waren. Dahinter standen taktische politische Erwägungen und vor allem Rücksichten auf „die Araber“ und ihr Öl. Alles ging so weit, dass sich die Briten von den hetzerischen antisemitischen Sprüchen der Araber beeindrucken liessen und so geradezu mit der Ideologie der Nazis und deren Vernichtungswillen gegen die Juden „kollaborierten“.

Unglaublich auch die Schilderung, wie Emir Hussein 1916 „König aller Araber“ werden wollte und den Briten ganze 250.000 Soldaten für einen Aufstand gegen die Osmanen anbot. Doch das war nur ein Bluff. Der Emir hatte nur 3.000 loyale Stammesangehörige hinter sich.
Die Lektüre dieser Kapitel lohnt sich auf jeden Fall, um auch in der Folge zu verstehen, wie die Araber mit ihrem Öl und inzwischen entstandenen „automatischen Mehrheit“ in der UNO und ihren Unterorganisationen jede beliebige Verurteilung Israels durchboxen können.
Beklemmend ist hierbei das Verhalten der Europäer. Ebenfalls aus Rücksicht auf die Araber und vielleicht auch wegen eines tiefsitzenden, aber natürlich nicht offen eingestandenen Antisemitismus, stimmen sie in der UNESCO und in anderen Gremien mit den Arabern gegen Israel oder enthalten sich der Stimme, selbst wenn sie dabei ihre eigenen Werte und ihre Geschichte verleugnen.

Beachtenswert ist die Rolle der Amerikaner während der Staatsgründung. Man liest immer wieder und hört, dass Israel ohne Hilfe der USA nicht entstanden wäre. Die Autoren belegen, dass genau das Gegenteil der Fall war. Das amerikanische State Departement hatte (gegen den Willen des Präsidenten Truman) sogar ein Waffenembargo verhängt, während die Sowjet Union über die Tschechoslowakei dringend benötigte Waffen nach Israel geschmuggelt hat. Ohne diese Hilfe hätte Israel wohl kaum überlebt.

Kapitel 3 fragt: Wurde Israel per UN-Beschluss ins Leben gerufen? Die Antwort lautet klar, dass Israel trotz oder gar im Widerspruch zur UN geschaffen wurde. Denn obgleich es schwere und tödliche arabische Pogrome auch vor dem „Teilungsbeschluss“ von 1947 gegeben hat, war jetzt für die Araber das Zeichen gesetzt, offen Krieg gegen die Juden in Palästina und dann gegen Israel zu führen, übrigens bisher der einzige Krieg in der Welt gegen eine UNO-Resolution.
Weiter geht es mit dem „Rückkehrrecht“ für die „palästinensischen“ Flüchtlinge, die von der UNRWA (Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten) bis heute in ihrem Status als Flüchtlinge festgehalten werden. Angesichts der Millionen Flüchtlinge weltweit seit 1945, darunter mitten in Europa, stellt sich die berechtigte Frage, wieso allein den „Arabern aus Palästina“ nicht nur ein falsches, aus der Resolution herausinterpretiertes „Rückkehrrecht“ zugebilligt wird, sondern zudem, wieso nur bei ihnen der Status „Flüchtling“ über viele Generationen hinweg vererbt wird.

Wie sehr die UNO von Ideologie und Blockdenken beherrscht wird, legen die Autoren in zwei weiteren Kapiteln dar. So wurde zu Zeiten des Kalten Krieges mehrheitlich beschlossen, dass Zionismus gleich Rassismus sei. Nach dem Zusammenbruch des Ostblocks wurde dann die Resolution wieder annulliert.

Mit ähnlicher Methodik nehmen dann die Autoren auch die Haltung der UNO zum Terror unter die Lupe, die Bedeutung der „Menschenrechte“ als politisches Druckmittel speziell von Staaten, wo „Menschenrecht“ ein Fremdwort ist, die Rolle der NGO´s im Konflikt und vieles mehr.
Es wird anhand von Beispielen gezeigt, wie mittelalterliche antijüdische Erfindungen in moderne Propaganda umgewandelt und historische Tatsachen durch Propaganda ersetzt werden. So scheuen sich auch die Europäer nicht, die jüdische wie christliche Vergangenheit des Tempelbergs in Jerusalem zu verleugnen und so zu tun, als habe die Weltgeschichte mitsamt den Religionen erst mit dem Propheten Mohammad begonnen.

Im abschliessenden Kapitel heisst es: „Es gab in der Geschichte der Vereinten Nationen schon immer Beschlüsse gegen Israel, aber in den vergangenen Jahren hat sich die Verurteilerei zu einem völligen Irrsinn entwickelt. … Es gehört zu den grossen Irrtümern, die UNO für etwas Grundgutes, Vernünftiges und Überparteiliches zu halten und in ihr gewissermassen die globale Hüterin der Menschenrechte zu sehen.“ Dem ist wohl nicht zu widersprechen, wenn man das ganze Buch gelesen hat. Insgesamt sollte dieses Buch zur Pflichtlektüre gemacht werden für alle, die sich mit dem Nahostkonflikt befassen.

Über die Autoren:
Alex Feuerherdt ist freier Publizist und lebt in Köln. Er schreibt für verschiedene Print- und Online-Medien zu den Themen Israel, Nahost, Antisemitismus und Fussball, unter anderem für Audiatur-Online, die Jüdische Allgemeine, n-tv.de, die Jungle World und Mena Watch. Ausserdem ist er Betreiber des Blogs Lizas Welt.

Florian Markl ist Politikwissenschaftler und wissenschaftlicher Leiter von Mena-Watch, einem unabhängigen Nahost-Thinktank in Österreich. Publikationen u.a. zu den Themen Antisemitismus, Terrorismus und dem Nahen Osten.

Leseprobe (PDF)

Alex Feuerherdt/Florian Markl:
Vereinte Nationen gegen Israel
Hentrich & Hentrich, Berlin
Erschienen 2018
ISBN: 978-3-95565-249-4
336 Seiten, 24,90 Euro

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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