Syrische Schulbücher unter Assad predigen Dschihad und Hass gegen Israel und die USA

0
779
Die Wirtschaftsuniversität 1 in Damaskus. Foto leilita78 - At the University of Economics 1, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19653231
Die Wirtschaftsuniversität 1 in Damaskus. Foto leilita78 - At the University of Economics 1, CC BY-SA 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=19653231
Lesezeit: 4 Minuten

Eine Studie zur Bewertung des Lehrplans in Schulen, die vom Regime kontrolliert werden, ergab, dass die Bücher nicht den Standards der UNESCO für Frieden und Toleranz entsprachen.

 

von Eliana Schreiber

Die Studie von mehr als 50 Kinderbüchern im von Assad kontrollierten Regime fand Passagen, die Dschihad (heiliger Krieg) für Zwölftklässler predigten und Syrien als nationalen Anführer der Sache der Palästinenser verkünden.

„Der syrische Lehrplan hat durchaus gute Elemente – insbesondere Säkularismus, multikulturelles Erbe, Gleichstellung von Frauen und Ermutigung zu unabhängigem Denken und Dialog“, erklärte Mitverfasser Eldad Pardo. „Dennoch herrscht in weiten Teilen des Lehrplans Hass vor, insbesondere, wenn es um den radikalen panarabischen Nationalismus geht, in dem die Vernichtung Israels eine ideologische Grundsäule darstellt.“

Der grösste erklärte Feind Syriens ist Israel, das jedoch in keinem der Lehrbücher beim Namen genannt wird, sondern auf das man sich nur als „das zionistische Gebilde“ bezieht. Das israelische Hoheitsgebiet wird als „Palästina“ oder „besetztes Palästina“ bezeichnet und ist Teil der syrischen Darstellung des grösseren „arabischen Heimatlands“.

Der Anfang dieser Woche vom Institute for Monitoring Peace and Cultural Tolerance in School Education (IMPACT-se) – ein Forschungsinstitut, welches Schulbücher gemäss UNESCO-definierter Standards analysiert – veröffentlichte Bericht ist der erste seiner Art, der einen Lehrplan unter der Assad-Herrschaft analysiert.

In den Schulbüchern der Kinder werden Gewalt und Märtyrertum gerechtfertigt und als Teil des Kampfes und des Widerstands gegen die „besetzten“ Golanhöhen unterstützt.

„Die Rhetorik ist nach wie vor die gleiche: Israel ist ein terroristischer Staat und daher sind alle Mittel im Krieg gegen Israel legitim, einschliesslich Terror und Selbstmordattentaten. Tatsächlich bleibt, auch während das Land einen Kampf auf Leben und Tod vor den Kindern der Nation austrägt, der Antagonismus gegenüber Israel ein zentraler Aspekt des syrischen Lehrplans“, erklärt IMPACT-se Geschäftsführer Marcus Sheff.

Judentum in Form von Stereotypen und Vorurteilen

Der Lehrplan ist gegenüber Israel und dem Westen im Allgemeinen nach wie vor feindlich eingestellt und vertritt eine negative Haltung gegenüber Kolonialismus und Imperialismus.

In allen Schulbüchern wird das Judentum in Form von Stereotypen und Vorurteilen dargestellt, wie z.B. der jüdischen Karikatur des Shylock aus Shakespeares Der Kaufmann von Venedig. In den Büchern heisst es, „Verrat und Betrug gehören zu den Attributen der Juden“ und sie beschuldigen das „zionistische Gebilde“ der Kontrolle der globalen Medien sowie religiösen und ethnischen Rassismus‘. Der Holocaust wird nicht erwähnt.

Abgesehen davon wird religiöse Toleranz als allgemeiner Grundsatz unterstützt, auch wenn nur eine einzige Regierungsform – sunnitisch-islamische Staatsreligion – gefördert wird; andere Religionen als das Christentum werden gänzlich ignoriert.

Obwohl der Bürgerkrieg in Syrien bereits seit sieben Jahren wütet, wird der Krieg in den 50 im Rahmen der Studie untersuchten Schulbüchern aus dem Lehrplan von 2017/2018 weitgehend ausgespart.

„Während die syrischen Kinder mit ihren eigenen Augen sehen, wie der Bürgerkrieg um sie herum wütet, wird jede Erklärung des Krieges in ihren Schulbüchern ignoriert“, stellt Sheff fest.

Länder, welche die syrische Regierung unterstützen, werden in positivem Licht dargestellt, insbesondere Russland, der Iran, Libanon und Ägypten sowie auch die militante islamistische Gruppierung Hisbollah.

Die Schulbücher zeigen eine steigende Affinität zu Russland und der russischen Kultur; immer mehr syrische Studenten wählen Russisch als Zweitsprache. Laut dem Bericht lernen mehr als 10.000 Schüler in 100 Schulen Russisch.

Hass und eine kriegerische Haltung gegenüber den Mitmenschen

Ein Grossteil des pädagogischen Lehrplans in Syrien basiert auf dem Gedanken des säkularen Panarabismus, einer Vereinigung aller arabischen Nationen, mit Betonung auf der syrischen Unabhängigkeit. Doch auch wenn der Iran Seite an Seite mit dem syrischen Regime kämpft, wird er als Konkurrent und Hindernis auf dem Weg zu einem gemeinsamen arabischen Heimatland betrachtet.

Die Vereinigten Staaten werden als absolutes Gegenteil von Russland dargestellt – eine egoistische, kolonialistische Nation, die sich in arabischen Ländern einmischt, „um ihre Kontrolle über die Welt weiter auszudehnen und die lügt, um ihre Aktionen zu rechtfertigen.“

Die syrische Ideologie lehnt den Status Quo ab und erkennt die Grenzen in der Region nicht an, sondern betrachtet sie vielmehr als künstliche Grenzen, die vom europäischen Kolonialismus gezogen wurden. Stattdessen setzt sie ihre Hoffnungen auf ein grösseres „arabisches Heimatland“, das Syrien, Jordanien, Israel, die palästinensischen Autonomiegebiete und den Libanon als Teile eines „Grosssyriens“ enthalten soll.

Syrien hat sich unter Assad einem säkularen Nationalismus verpflichtet und gründet seine nationale Identität auf den Kampf zur Vereinigung der arabischen Welt.

Basierend auf ihrer Analyse des Lehrplans in diesen Büchern gelangten Pardo und seine IMPACT-se Mitforscherin Maya Jacobi zu dem Schluss, dass der syrische Lehrplan trotz einiger ausgleichender Merkmale den UNESCO-Standards in Hinblick auf Frieden und Toleranz nicht gerecht wird.

Pardo stellte abschiessend fest: „Die syrische Tragödie ist der Beweis dafür, dass die zweigeteilte Wahl, die der Lehrplan den Studenten bietet – Liebe, fortschrittliches Denken und der Geist freiwilliger Hilfe einerseits und Hass und eine kriegerische Haltung gegenüber den Mitmenschen andererseits – möglicherweise nur weiter zu dem Tumult beiträgt, der im modernen Syrien herrscht.“

Auf Englisch zuerst erschienen bei The Jerusalem Post.