Israelischer IBM-Computer debattiert mit Menschen – wer gewinnt?

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Ein sogenannter „Project Debater“, der im IBM-Forschungslabor in Haifa entwickelt wurde, demonstriert in einem Vorzeigeprojekt der KI-Technologie erstmals seine Fähigkeit, überzeugende Argumente vorzubringen.

 

Ein neues System künstlicher Intelligenz (KI) von IBM stellte sich kürzlich zum ersten Mal live zwei israelischen Studenten und Debattierexperten – und demonstrierte in einer öffentlichen Debatte über komplexe Themen die Fähigkeit des Computers, überzeugende Argumente gegen die seiner menschlichen Diskussionspartner vorzubringen.

Das KI-System namens „Project Debater“ wurde in der IBM-Niederlassung Watson West in San Francisco (USA) vorgestellt; dort brachte es Argumente für die Fragen vor, ob Regierungen Raumfahrtexpeditionen subventionieren sollten und ob die Telemedizin stärker genutzt werden sollte als bisher.

Erste Vorbereitungen für den „Project Debater“ begannen vor sechs Jahren im IBM-Forschungslaboratorium in Haifa. Noam Slonim, verantwortlicher Prüfer und Entwickler des „Project-Debater“ bei IBM Research, sagte, das KI-System habe erst vor zwei Jahren die Fähigkeit erhalten, mit Menschen zu diskutieren.

In der ersten Diskussionsrunde trat der Computer gegen den israelischen Debattiermeister von 2016, Noa Ovadia, an. Beide Seiten lieferten ein vierminütiges Eröffnungsstatement, eine vierminütige Gegendarstellung sowie eine zweiminütige Zusammenfassung ihrer Argumentation zum jeweiligen Thema.

In seiner Eröffnungsrede zugunsten einer Subventionierung der Raumfahrt brachte der „Project Debater“ Belege aus seiner immensen Datenbank – die hauptsächlich aus Nachrichten und  Zeitschriftenartikeln bestand – hervor. Nachdem er sich Ovadias Gegenargumente angehört hatte, lieferte der Computer eine Gegendarstellung. Nach einer abschliessenden Zusammenfassung beider Seiten gab die Mehrheit der Zuschauer in einer Blitzumfrage an, sie hätten ihre Kenntnisse durch den „Project Debater“ mehr erweitert als durch dessen menschlichen Diskussionsgegner.

In der zweiten Debatte zwischen dem Computer und dem israelischen Debattierexperten Dan Zafir ging es um verschiedene Argumente zu der Frage, ob die Telemedizin stärker genutzt werden sollte.

In beiden Fällen war der „Project Debater“ nach Angaben von IBM zuvor nicht auf die Themen hin trainiert worden und die Debatten wurden improvisiert – mit Ausnahme einiger Scherze, die während der Debatte zur Unterhaltung des Publikums eingestreut wurden, und einer Begrüssung zu Beginn jeder Diskussion.

Wer aber gewann die Debatten? Nach Meinung des Publikums punktete das KI-System vor dem menschlichen Debattierexperten mit der Fähigkeit, eine Fülle weitreichender Informationen in seine Argumentation einzubeziehen; die Menschen dagegen überzeugten in der Gesamtdarstellung.

Der „Project Debater“ ist die neueste KI-Errungenschaft bei IBM; dessen Schachcomputer „Deep Blue“ trat 1997 gegen den Schachweltmeister Garri Kasparov an – und „Watson“ (ebenfalls ein KI-Programm von IBM) gewann 2011 in der TV-Quizsendung „Jeopardy!“ gegen seine menschlichen Gegner. Beim Diskutieren geht es indes um eine ganz andere Art von Wettkampf: einen, in dem Sprache und Überzeugungskraft eine Rolle spielen.

Die Fähigkeit des „Project Debater“, eine Fülle von Informationen  und Perspektiven ganz unterschiedlicher Art aufzunehmen und Menschen dabei zu helfen, überzeugende Argumentationen zu entwickeln und zu wohlbegründeten Entscheidungen zu gelangen, ist ein ganz neues Feld für die künstliche Intelligenz“, sagt Arvind Krishna, der Leiter von IBM Research.

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