Dattelpalmen im Jordantal. Foto Shutterstock
Dattelpalmen im Jordantal. Foto Shutterstock

Mit der Rückkehr der Juden in das Land Israel erwachte das Land selbst wieder. Das Wunder des neuen Aufblühens enthielt auch den Stoff für einen Spionagekrimi – wie die Geschichte der Dattelpalmen im Jordantal zeigt.

 

von Ron Traub

Nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 und der Vertreibung der Juden aus dem Land Israel lag das Land selbst fortan in trostloser Ödnis … bis zur massenhaften Rückkehr von Juden ab dem Jahr 1882.

Mark Twain beschrieb diese Trostlosigkeit in seinem Buch „Die Arglosen im Ausland“ – das er 1869, nach seiner Reise ins Heilige Land, schrieb, so: „Von allen Regionen mit trostloser Landschaft muss Palästina wohl der Prinz sein. Seine Hügel liegen brach, ihre Farben sind stumpf, ihre Formen alles andere als pittoresk. Die Täler sind unansehnliche Wüsten – an deren Rändern die karge Vegetation einen leidvollen und verzagten Ausdruck hervorbringt.“

Im Jahre 1908 wurde am Ufer des Sees Gennesaret Havat Kinneret, ein landwirtschaftlicher Ausbildungbauernhof, errichtet. Einer ihrer Gründer, Ben Zion Israeli (1887–1954), wurde fünf Jahre später dort ebenfalls Mitbegründer einer Ansiedlung idealistischer Pioniere, die sich dem kollektiven Gemeinschaftsleben auf der Basis von Landwirtschaft und insbesondere dem Anbau von Dattelpalmen verschrieben.

In den 1930er-Jahren erhielt Ben Zion Israeli von der zionistischen Bewegung den Auftrag, qualitativ hochwertige Palmensorten ausfindig zu machen. Zusammen mit Amram Raver, Mitglied des Kibbuz Kinneret und ein gründlicher Kenner der arabischen Sprache, begab er sich auf eine geheime Missionsreise nach Ägypten, in den Irak sowie nach Kurdistan und Persien – und traf überall mit den jüdischen Gemeinden zusammen. So besuchten die beiden Männer im Irak die jüdischen Gemeinden in Mosul, Bagdad, Kirkuk und Basra; in Ägypten trafen sie die jüdische Gemeinde von El Arish und in Kurdistan die in Sindoor ansässige.

Mithilfe gemieteter Lastwagen transportierten sie erste Abkömmlinge von Palmensorten durch die Wüste. Als sie in die seinerzeit Palästina genannte Region zurückkehrten, wurden die Palmenäste zunächst in Baumschulen für das Einpflanzen in die neue Erde vorbereitet. Die Dorshan-Farm im Jordantal lieferte später Palmenzöglinge für die Gemeinschaften in Bet Shean und im Jordantal, der Kibbuz Yotvata wurde Palmenlieferant für die Aravasenke.

Datteln Erntezeit im Jordantal. Foto Rimona Traub

Auf seiner letzten Reise im Jahr 1954 wurde Ben Zion Israeli von Yani Avidav aus Nahalal begleitet; er war ein Mitglied des Mossad – und an den Aliyah-Bet-Operationen beteiligt, die von 1934 an bis zur Staatsgründung 1948 „illegale jüdische Einwanderer“ ins Heilige Land brachten.

Während einer Gedenkfeier im Jahre 1954 zur Erinnerung an den im Zweiten Weltkrieg getöteten jüdischen Fallschirmjäger aus dem Kibbuz Maagan stürzte eine Piper-Maschine in die Zuschauermenge und tötete Ben Zion Israeli. Yani Avidav vollendete daraufhin dessen Mission – und schmuggelte mithilfe von Booten neu erworbene Palmenabkömmlinge aus dem Irak durch den Schatt al-Arab nach Persien, das damals gute Beziehungen zu Israel unterhielt.

Ben-Zion Israeli in Ägypten auf der Suche nach hochwertigen Palmenarten, neben einer Dattelpalme in der Nähe von al-Arish. Foto Aharonik Israeli / Ynetnews

Um die Palmen nach Israel zu bringen, mietete Avidav in Persien ein Schiff. Damit dieses ungehindert durch den Suezkanal gelangen konnte, fuhr es unter italienischer Flagge und mit gefälschten Papieren, in denen Europa als Ziel angegeben war. So erreichten die Palmenzweige den Kibbuz Kinneret am Ufer des Sees Gennesaret. Die irakischen Dattelpalmen waren Exemplare der Sorten Hadrawi, Sair und Hallawi. Heute allerdings kommen die ertragreichsten Sorten meistens aus Nordafrika.

Palmen, die irgendwann keine Früchte mehr trugen, wurden zu Dekorationszwecken an den Eingang des Tel Aviver Flughafens Ben Gurion (Terminal 1) sowie nach Dimona verpflanzt. Im Kibbuz Eilot in der Aravasenke wurde ausserdem zur Erinnerung an Ben Zion Israeli ein Monument errichtet.

Zum Schluss soll der Prophet Hezekiel zu Wort kommen (36:8): „Ihr aber, ihr Berge Israels, ihr sollt eure Zweige treiben und eure Früchte hervorbringen für mein Volk Israel; denn es wird bald kommen.“ Jüdische Weise (Chazal) sagen uns, eines der Präludien zum messianischen Zeitalter werde das Wiedererblühen, die Kultivierung von Eretz Israel sein.

Ron Traub ist staatlich geprüfter Reiseleiter in Israel – und unter folgender E-Mail-Adresse zu erreichen: rrdg@bezeqint.net. Auf Englisch zuerst erschienen bei MiDA.

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