Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas (r.), begrüsst Rajaei Haddad, der 20 Jahre in den israelischen Gefängnissen verbrachte, weil er an einem Terroranschlag von 1997 beteiligt war, bei dem Gabriel Hirschberg getötet wurde. Foto WAFA/Thaer Ghanaim
Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde, Mahmoud Abbas (r.), begrüsst Rajaei Haddad, der 20 Jahre in den israelischen Gefängnissen verbrachte, weil er an einem Terroranschlag von 1997 beteiligt war, bei dem Gabriel Hirschberg getötet wurde. Foto WAFA/Thaer Ghanaim

Zwei Morde, zwei völlig verschiedene Reaktionen. Beide Fälle machten in Israel in den letzten Wochen Schlagzeilen. Im einen Fall ging es um einen Juden, der vor 13 Jahren einen Araber getötet hatte. Im anderen um einen palästinensischen Araber, der vor 20 Jahren einen Juden getötet hatte.

 

Ein Vergleich der beiden Fälle liefert Hinweise drauf, warum es zwischen Israel und der Palästinensischen Autonomiebehörde keinen Frieden gibt. Schauen wir sie uns an: Yehoshua Elitzur, ursprünglich ein deutscher Staatsbürger, der zum Judentum konvertierte, ist von einem Gericht in Tel Aviv Ende April wegen Totschlags zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Zudem ordnete das Gericht an, dass Elitzur der Familie des Opfers eine Geldsumme in Höhe von 200.000 Schekel (56.000 CHF) zu zahlen hat.

Das Gericht befand ihn für schuldig, im September 2004 den arabischen Palästinenser Sael Jabara al-Shatiya aus dem Dorf Salem in der Nähe von Nablus getötet zu haben. Elitzur verübte die Tat während der sogenannten „zweiten Intifada“, der von Jassir Arafat befohlenen Mordwelle, in deren Zuge tausend Israelis getötet wurden. Allein im Jahr 2004 wurden 124 Israelis ermordet. Kurz vor der Tat, am 31. August, hatte es in Be´er Scheba zwei Selbstmordanschläge auf Busse gegeben, bei denen 16 Menschen getötet und über hundert verletzt wurden.

Laut dem Bericht der israelischen Nachrichtenseite YNetNews war Elitzur an dem Tag der Tat mit dem Auto unterwegs zur Siedlung Alon Moreh in Schomron, als al-Shatiya ihm zusammen mit mehreren Beifahrern in einem Auto entgegenkam. Elitzur hielt mitten auf der Fahrbahn, stieg mit einem geladenen M-16-Gewehr aus und forderte al-Shatiya zum Aussteigen auf. Die Strasse habe das aber an dieser Stelle nicht zugelassen, so der Bericht, darum sei al-Shatiya weitergefahren, mit der Absicht, den Wagen ein Stück später zu stoppen. Elitzur feuerte einen Schuss ab. Die Kugel durchschlug die Windschutzscheibe und tötete al-Shatiya. Dass Elitzur, wie er beteuerte, in Selbstverteidigung gehandelt hätte, glaubte das Gericht ihm nicht, da sich das Auto nicht auf ihn zu bewegt habe.

Warum wird der 14 Jahre zurückliegende Fall erst jetzt verhandelt? Elitzur war schon 2005 wegen Totschlags in Israel verurteilt worden, aber ins Ausland geflohen. Israel erliess einen internationalen Haftbefehl, die internationale Abteilung der israelischen Polizei spürte ihn auf. 2015 wurde er im brasilianischen Sao Paolo verhaftet und an Israel ausgeliefert. Die Tochter des Opfers äusserte sich zufrieden über das Urteil.

Der andere Fall ist der von Rajaei Haddad, der 1998 in der Jerusalemer Altstadt einen Juden ermordet hatte. Dafür wurde er damals zu 20 Jahren Haft verurteilt und kam im April aus dem Gefängnis frei.

„Die süsseste Freude, die es gibt“

Weil das Mordopfer ein Jude war, betrachten die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) und ihr Vorsitzender Mahmoud Abbas den Mord nicht als schändliches Verbrechen, sondern als eine Heldentat, die Ehre verdient. Dem Mörder wurde entsprechend ein Ehrenempfang bereitet, der im Fernsehen der PA übertragen wurde. MEMRI hat den Fernsehkommentar übersetzt: „Präsident Abbas“, so der Reporter, „hiess den freigelassenen Häftling  [Rajaei] Haddad aus Jerusalem willkommen, um zu betonen, dass unsere Führung der Angelegenheit der Gefangenen höchste Priorität gibt.“ Eine arabische Palästinenserin sagte in die Kamera: „Das ist die süsseste Freude, die es gibt – süsser als eine Hochzeit oder irgendetwas anderes. Wir haben 20 Jahre lang gewartet, und Allah sei gepriesen, er kam gesund und munter frei. So Allah will, werden auch die übrigen Gefangenen freigelassen werden.“ Der Präsident Mahmud Abbas habe ihn „nach jedem einzelnen Gefangenen“ gefragt, so der Mörder Rajaei Haddad: „Lasst mich dem Präsidenten für dieses Treffen danken – er schuf Platz in seinem Terminkalender, damit er mich unmittelbar nach meiner Freilassung treffen konnte. Wir sassen eine ganze Stunde beisammen, und er hörte mir zu. Er fragte nach den Gefangenen, hörte mir zu, und schrieb alles auf. Der Präsident sendet seine Grüsse an die Inhaftierten.“ Jamal Muhaisen, Mitglied im Zentralkomitte der Fatah und dem Zentralrat der PLO, sagte, die Feier sei „eine Botschaft der Loyalität an die Gefangenen“ – also an alle, die Juden ermordet haben oder bei dem Versuch verhaftet wurden.

Diese Botschaft – dass die Palästinensische Autonomiebehörde alle Mörder von Juden bedingungslos unterstützt und als Helden verehrt – ist in den Palästinensischen Autonomiegebieten allgegenwörtig. Nach der Fatah-Terroristin Dalal Mughrabi, die 1978 einen Bus entführte und für den Tod von 37 Zivilisten verantwortlich ist, hat Abbas Schulen, Sommerlager, Sportveranstaltungen, Strassen und Plätze benennen lassen. So wird eine neue Generation von Mördern herangezogen, sollen möglichst viele zur Nachahmung der blutigen, grausamen Taten angeregt werden.

Dabei hat sich die Palästinensische Autonomiebehörde im zweiten Osloer Abkommen von 1995 verpflichtet, „effizient und effektiv gegen Akte des Terrorismus, der Gewalt und der Hetze“ vorzugehen. Dieses Abkommen, das zum Ende des Terrors führen sollte, war die Grundlage dafür, dass der Westen (allen voran die USA und die EU, aber auch die Schweiz) die Palästinensische Autonomiebehörde – die ja nichts anderes ist als die PLO unter anderem Namen – Jahr für Jahr mit Milliarden Dollar unterstützt.

In Deutschland gab es zuletzt symbolhafte Aktionen wie den „Kippa-Tag“, an dem Tausende von nichtjüdischen Deutschen mit der jüdischen Kopfbedeckung durch die Strassen zogen, um gegen Antisemitismus zu protestieren. Viele Politiker machten mit. Der Terrorist Abed al-Karim Adel Assi aber, der im Februar den Israeli Itamar Ben-Gal ermordete, weil er an dessen Kippa erkannte, dass er Jude war, wird von der Palästinensischen Autonomiebehörde eine aus den Geldzahlungen des Westens finanzierte Rente erhalten.

Man vergleiche das mit dem Handeln des Staates Israel, der einen israelischen Täter wenn nötig in Brasilien aufspüren und verhaften lässt. Zwischen der Palästinensischen Autonomiebehörde und Israel wird es dann Frieden geben, wenn sie die Mörder von Juden genauso ächtet und bestraft, wie Israel Morde an Arabern verfolgt und ahndet. Das ist leider nicht in Sicht.

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Über Stefan Frank

Stefan Frank ist freischaffender Publizist und lebt an der deutschen Nordseeküste. Er schreibt regelmässig über Antisemitismus und andere gesellschaftspolitische Themen, u.a. für die „Achse des Guten“, „Factum“, das Gatestone Institute, die „Jüdische Rundschau“ und „Lizas Welt“. Zwischen 2007 und 2012 veröffentlichte er drei Bücher über die Finanz- und Schuldenkrise, zuletzt "Kreditinferno. Ewige Schuldenkrise und monetäres Chaos."

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