Hamas-Führer Ismail Haniyeh musste am Dienstag dringend nach Kairo. Foto Hamas Webseite.
Hamas-Führer Ismail Haniyeh musste am Dienstag dringend nach Kairo. Foto Hamas Webseite.
Lesezeit: 4 Minuten

Sogenannte „Nahostexperten“ haben oft einen schlechten Ruf, weil sie sogar eigene Meinungen zu Dingen äussern, von denen sie manchmal keine Ahnung haben. Der Reporter des Schweizer Fernsehen (SRF) Pascal Weber, hat sich für die Nachrichtensendung «10vor10» auf den Weg nach Gaza gemacht, um aus erster Hand zu erfahren, was dort vor sich geht.

 

Anstatt zur Grenze zu fahren oder jene Hamas-Politiker aufzusuchen, die zu den schweren Unruhen aufgerufen haben und Tausende teilweise mit Geld gelockt haben, in den Tod zu gehen, fährt Weber jedoch in das Schifa-Krankenhaus in Gaza. Nur die vermeintlich unschuldigen Opfer interessieren ihn, nicht die genauen Vorgänge, die zu Tod und Verletzungen geführt haben.

Wenig erstaunlich ist dann auch das Interview mit dem Chefarzt Ayman al-Sabhani. Der scheint nicht nur Arzt zu sein mit der Aufgabe, die Verletzten zu behandeln. Der Arzt dient dem SRF vor allem als politischer Kommentator und sogar als Militärexperte und Richter: „Sie hatten Kugeln im Kopf oder Kugeln im Herz. Was heisst das? Das heisst, dass sie gezielt getötet wurden. Man wollte diese unschuldigen Menschen gezielt töten.»

Dass die Opfer „unschuldig“ waren, ist eine längst widerlegte Behauptung. Ein Hamas-Sprecher hat eingestanden, dass 50 von 62 Todesopfern (vom Montag) Mitglieder der Terrororganisation Hamas waren. Bekanntlich waren diese teilweise bewaffnet und haben gewaltsam die Grenzanlagen nach Israel zerstört. Wäre ihnen das gelungen, hätten sie gemäss den offiziellen Anweisungen Juden umbringen oder entführen sollen.

SRF-Reporter Weber erschüttert besonders der Tod von 8 Kindern am Grenzzaun, was falls es sich bewahrheiten sollte, absolut verständlich ist. Anstatt sich aber vor Ort zu erkundigen und zu sehen, wie ganze Familien mitsamt ihren Kindern an die vorderste Front geschickt werden, während die Hamas-Aktivisten sich in guter Entfernung hinter ihnen verstecken, jammert der Chefarzt und Politikexperte: «Die Kinder fragen uns: ‹Weshalb schiessen sie auf uns? Weshalb töten sie uns? Weshalb? Weshalb?› Niemand kann diese Frage beantworten. Niemand.»

Doch, diese Frage ist längst beantwortet worden. Nämlich von den Hamas-Führern selber und den Predigern in den Moscheen. Dass die Hamas-Verantwortlichen selber keine Lust haben, ihr Leben für das von ihnen inszenierte Politabenteuer zu opfern, zeigt das plötzliche Ende der Unruhen. Ab Mittwoch interessierte nämlich niemand mehr das Thema, weil es aus guten Gründen keine weiteren „Massaker“/“Massenmorde“ der israelischen Scharfschützen auf die „unschuldigen“ Demonstranten mehr gab. Roger Letsch hat das erstaunliche Medienphänomen auf Achgut.com treffend zusammengefasst.

 

Obgleich der SRF-Reporter Pascal Weber offenbar bei seinem Besuch in Gaza nur mit dem Chefarzt aus dem Schifa-Hospital gesprochen hat, weiss er dann aber: „…die Perspektivlosigkeit im Gaza-Streifen ist bereits Nährboden für die Radikalisierung der jüngsten Generation“.

Kein Wort darüber, dass die Hamas inzwischen sämtliche Warenübergänge zwischen Israel und dem Gazastreifen mutwillig zerstört hat. Obgleich die Anlagen im letzten verbliebenen Übergang Kerem Schalom durch Brände unbenutzbar gemacht worden waren, hatte Israel am Mittwoch doch noch 6 Lastwagen mit medizinischen Versorgungsgütern geschickt, um der Bevölkerung zu helfen. Doch die Hamas hatte die Sendung nicht angenommen und die LKWs wieder zurückgeschickt. Offenbar kümmert sich die im Gazastreifen amtierende Hamas-Regierung überhaupt nicht um die 2 Millionen Bewohner des Küstenstreifens. Und somit ist klar, wer die Perspektivlosigkeit zu verantworten hat.

Interview oder Inquisition?

Gleichwohl griff «10vor10» dankbar ein Angebot des Botschafter Israels in der Schweiz auf, sich interviewen zu lassen. Die Journalistin und Moderatorin Susanne Wille betont im ersten Satz, dass die Initiative zu dem Gespräch vom Botschafter ausging, was sie als Vorwurf benutzt, Israel und sein Botschafter setzten nach den „gewalttätigen Zusammenstössen“ auf eine „Charmoffensive“.

Botschafter Jacob Keidar soll die Frage beantworten: „Ob Israel mit seinem Militäreinsatz nicht in Kauf genommen habe, dass Unschuldige ums Leben kommen.“ Anstatt eine andere erwartete Antwort zu liefern, gab der israelische Diplomat eine nüchterne, sachliche Antwort. Die meisten Toten seien nämlich „Terroristen der Hamas und Islamisten“ gewesen. Dem SRF und Frau Wille waren die entsprechenden veröffentlichten Hamas-Erklärungen offenbar zunächst unbekannt. Für die «10vor10» Moderatorin stand fest, dass die Reaktion „unverhältnismässig“ gewesen sei.

Die SRF-Moderatorin Wille konfrontierte den Botschafter mit den einseitigen Schilderungen des palästinensischen Chefarztes. Doch der Diplomat liess sich auch davon nicht aus der Ruhe bringen und antwortete: „Wenn die Hamas Jugendliche vor sich losschickt und sich hinter ihnen versteckt, dann müssen wir sie stoppen, wenn sie versuchen den Zaun zu übersteigen.»

Nur auf der Webseite schreibt das SRF, dass man sehr wohl die Hamas-Erklärungen kennt: „Ein führendes Mitglied der Hamas teilte mit, dass es sich bei 50 von den insgesamt 62 Getöteten in dieser Woche um Hamas-Mitglieder handle.“

Gleichwohl musste dazu noch eine „kritische Nachfrage“ an Keidar folgen: „ob die getöteten Kinder aus Sicht Israels ein Kollateralschaden seien.“

Hat sich Frau WIlle diese Frage nach „Kollateralschäden“ jemals bei Terroranschlägen oder gar bei den Bombardierungen im syrischen Bürgerkrieg gestellt, wo unter geschätzten 500.000 Todesopfern durch Fassbomben, Giftgas und zerstörten Hospitälern auch Tausende Kinder ums Leben gekommen sind?

Der Botschafter antwortet darauf mit einem diplomatischen „manchmal passiert es, leider“. Was hätte er sonst sagen sollen? Bekanntlich gibt es nur „dumme Fragen“ aber keine „dummen Antworten“.

 

Zum Abschluss liefert SRF dann auch noch Fake-News: „Angefacht wurden die Proteste der Menschen im Gaza-Streifen durch die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem. Lange galt, dass eine Botschafts-Verlegung nach Jerusalem nur als Bestandteil eines umfassenden Friedensplans in Frage kommt.“

Falls dem so sein sollte, warum hat der als „Rückkehrmarsch“ titulierte Protest schon 6 Wochen vor der Botschaftsverlegung begonnen? Und weshalb wurden ausgerechnet die typischen palästinensischen Gedenktage Nakba und Naksa, also die „Katastrophen“ von 1948 und 1967, in den Vordergrund gestellt. In beiden Fällen hatten die Araber Kriege gegen Israel angezettelt und dummerweise verloren.

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Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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8 KOMMENTARE

  1. Verliert die UNRWA den Heiligenschein?

    Nahost-Experten sind überrascht von Cassis‘ Aussagen zur UNRWA

    Von Frédéric Burnand, Genf

    Aktualisiert am 18. Mai 2018, 11:33 Uhr

    Nach seiner Rückkehr aus Jordanien hat der Schweizer Aussenminister das UNO-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) als Hindernis für den Frieden bezeichnet: Ist Ignazio Cassis einfach ungeschickt oder prüft er die Möglichkeit einer Neuausrichtung der Schweizer Diplomatie im Nahen Osten? Einschätzungen von Experten.

    Nach seiner Rückkehr von einem Besuch in Jordanien Anfang dieser Woche äusserte sich Cassis am Donnerstag in mehreren deutschsprachigen Zeitungen in einem Interview. Zur Sackgasse im israelisch-palästinensischen Friedensprozess sagte der Aussenminister zunächst: „Solange die Araber nicht bereit sind, Israel das Existenzrecht einzuräumen, fühlt sich Israel in seiner Existenz bedroht und wird sich verteidigen.“ http://www.gmx.ch/magazine/politik/nahost-experten-ueberrascht-cassis-aussagen-unrwa-32970326

  2. Gestern 17.5.18 wurde in den SRF-Nachrichten eine Rede von BR Sommaruga ausgestrahlt.
    http://www.srf.ch/sendungen/tagesschau
    Darin wiederholte sie die Entschuldigung, für das Unrecht an den Verdingkindern, den ehemaligen Kindersklaven in der Schweiz.
    Viele der Betroffenen haben all die schlimmen menschenverachtenden Handlungen und Behördenwillkür, der in staatlich geschützter Werkstatt arbeitenden Vollzugspersonen massiv Belastet. Es wurden an Schutzbefohlenen neue Medikamente getestet. Ganze Studienreihen durchgeführt. Viele der Ehemaligen wurden psychische und seelische Wracks. Durch physische und psychische Misshandlungen, sexuelle Übergriffe bis zu Vergewaltigungen. Bei
    Schwangerschaften wurde meist abgetrieben und je nach Dünkel erfolgten staatlich erzwungene Sterilisationen aus Gründen der Eugenik. Viele erhielten keine ausreichende Schulbildung und wurden lieber mit Kinderarbeit ausgenutzt. Unzählige konnten all das Unrecht nie Überwinden und haben sich Massenweise umgebracht. Bis Ende März 2018 hatten ehemalige Heim- und Verdingkinder Anspruch auf „Wiedergutmachung für Opfer von fürsorgerischen Zwangsmassnahmen“ (Solidaritätsbeitrag/Trinkgeld). Ungeschehen und Wieder-Gut-Machen (Reparatur) ist unmöglich. Wenige haben sich gemeldet, die Meisten wollten nichts mehr mit den „Kinderfressern“ zu tun haben. Zu Tief sitzen die Wunden und jede
    Erinnerung daran, zuckt in negativster Art und Weise durch den ganzen Körper.
    Die meisten Überlebenden haben sich nicht angemeldet weil die formale Entschuldigung unglaubwürdig ist und nicht persönlich von den wirklichen Kinderräubern [Kidnapper] kommen.
    – Dies bedeutet auch: Die OPFER nehmen die BR-Entschuldigung NICHT an !!
    – Von meinen mir noch bekannten Opfern, über 10 Personen, hat sich keiner das Martyrium angetan, sich beim Amtsschimmel nochmals Erniedrigen zu lassen um darnach wieder psychologische Hilfe auf Kosten der Krankenkassen zu benötigen!
    – M.e. wurden mindestens 50% der Verdingkinder aus politischen Gründen Fremdplatziert.
    – Forscher untersuchten erstmals die psychischen Spätfolgen bei ehemaligen Verding- und Heimkindern, sie leiden wie Kriegsveteranen. http://www.tagesanzeiger.ch/schweiz/standard/Sie-leiden-wie-Kriegsveteranen/story/29877841

    – Kinder der Sinti und Roma wurden mit der privaten Stiftung Pro Juventute, der als „Hilfswerk“ getarnten Organisation „Kinder der Landstrasse“, weggenommen zur eugenischen Umerziehung! Mit den schweiz. Sinti und Roma wurden separate Deals gemacht und Entschädigungen gezahlt. Sinti und Roma haben teilweise jüdische/jewish Wurzeln.
    – Mit Kindeswohl hatte es meist nie zu tun. Bis Heute hat sich die Amtswillkür nicht sonderlich verbessert und die „KESB“ macht weiterhin negative Schlagzeilen!

    – Es ist grundsätzlich nicht Aufgabe des Staates; Kinder aus der Ursprungsfamilie, die nicht sexuellen Übergriffen, massiver Gewalt oder Vernachlässigung ausgesetzt sind, Herauszureissen! In heutigen Fremdplatzierungen verhindert der Staat solche Übergriffe nicht und Opfer sind weiterhin den Täter-Innen ausgesetzt. Die entrechteten Eltern können inklusive
    Anwalt ihren Kindern nicht helfen um sie zu Schützen.
    https://www.srf.ch/kultur/kunst/verdingkinder-und-politiker-der-stille-schaffer-walter-studer

  3. Vielen Dank an Ulrich Sahm und Audiatur für diese Kritik und die klaren Worte. Man macht sich damit leider wahrscheinlich nicht viele Freunde in der Schweiz. Sehr schade. Aber die Einseitigkeit und der verborgene Hass von SRF Bericht und dem dazugehörenden Interview von Frau Wille ist kaum zu toppen und schwer auszuhalten.

  4. Herr Keidar ist cool, völlig unaufgeregt und gelassen. Er verweist auf die Aktionen der Hamas, doch die Interviewerin stellt nur Fragen zu Israel. Als ob Israel angefangen hat oder der alleinige Akteur gewesen ist und die Palis haben nur Däumchen gedreht. Das sieht man heute leider in vielen Medien, wo nur auf Israel rumgehackt wird, die Palis kommen höchstens mal im Nebensatz vor, als Opfer natürlich, und der Eindruck entsteht, Israel ist der Aggressor. Ich glaube auch, das sind alles Antisemiten, die sich hinter ihrer „Isralkritik“ verstecken.

  5. Mich nervt es extrem dass ich mit den bezahlten Billaggebühren so eine Berichterstattung mitfinanzieren muss.

  6. Die 20 Uhr-Nachrichten auf ARD und die anfolgende Sondersendung Brennpunkt: Blutiger Montag in Nahost, waren nicht besser ausgewogen. Einzig der Experte am Schluss, hat es korrekt auf den Punkt gebracht: Missbrauch von Hamas, die Zivilisten als Schutzschild vorschiebt, um die Sperrzone durchbrechen zu können.

    – Das Schweizer Fernsehen berichtete noch viel einseitiger, unausgewogener und Parteiisch gegen Israel. Mit tendenziöser Berichterstattung, der zusätzlichen Unterschlagung von rechtlichen Aspekten und kriegsvölkerechtlich relevanten Tatsachen, schüren sie nicht nur Ablehnung gegen Israel. Sondern sie befeuern massiv den Judenhass, der dadurch stetig anwächst!

  7. Ein grosses Bravo und Dankeschön für den Kommentar von Nussknacker56, man hätte es nicht besser und treffender ausdrücken können!
    Es ist extrem abstossend und widerlich, wie Journalisten oder Journalistinnen immer wieder ihren persönlichen Israelhass in der Öffentlichkeit zelebrieren!

  8. Bewundernswert, wie ruhig und souverän der israelische Botschafter die Fragen der Israelhasserin Wille kontert. Hinter ihrer kaum beherrschten Aggressivität steckt keine Journalistin mehr sondern eine unglaublich hasserfüllte Person, die jegliche journalistische Distanzierung vermissen lässt. Es ist abstoßend, wie sie immer wieder mit Suggestivfragen versucht, den Botschafter zu einer für sie verwertbaren Antwort zu verleiten.

    Für den SRF scheinen selbst Minimalstandards keine Geltung mehr zu haben, wenn der Gesprächspartner ein offizieller Vertreter Israels ist. Oder gibt es Beispiele, die zeigen wie diese Person andere Interviewpartner ähnlich unprofessionell angeht?

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