Foto Screenshot Youtube International Christian Embassy in Jerusalem
Foto Screenshot Youtube International Christian Embassy in Jerusalem
Lesezeit: 3 Minuten

Will man als Christ konsequent leben, muss man sich seiner religiösen Wurzeln bewusst werden. Israel ist weit mehr als nur das heilige Land. Als Christ hat Israel und das jüdische Volk eine enorme Relevanz für mein tägliches Leben.

 

von Joel D. Bigler 

Im Sommer 2006 hatten meine Eltern die phantastische Idee als Familie nach Israel in die Ferien zu verreisen. Ich war 16 Jahre alt und in einem christlichen Umfeld aufgewachsen. Von Israel hatte ich schon einiges gehört. Hauptsächlich aus den Medien.

Im Sommer 2006 reagierte Israel während 33 Tagen auf den vorangegangenen Beschuss durch libanesische Raketen. Es war der Konflikt, in dem ein israelischer Korporal gefangen genommen wurde und, fünf Jahre später, in einem beinahe schon legendären Gefangenenaustausch, gegen 1027 palästinensische Häftlinge eingetauscht werden sollte. Wie gewohnt berichtete auch die Schweizer Presse intensiv über die Auseinandersetzung. Eins war mir als Teenager klar: Meine Eltern mussten lebensmüde sein, Ferien in einem aktiven Kriegsgebiet zu planen.

So kam dann der Herbst, der Konflikt wurde mit einem Waffenstillstand beigelegt und wir reisten, wie rund 6500 andere Christen nach Jerusalem um die Konferenz zum Laubhüttenfest der International Christian Embassy Jerusalem (ICEJ) zu besuchen.

Dass die ICEJ sich als christliche, denominationsübergreifende Organisation seit 1980 in über 90 Länder für Israel und das jüdische Volk einsetzt, wusste ich damals bereits. Allerdings war mir noch nicht bewusst, was das bedeutet. Für mich war die Entrüstung über der Reise viel entscheidender.

Dramatisch, wie wohl jeder Teenager in diesem Alter, fragte ich mich, ob wir hier wohl unser Leben gegen einige Tage Sonne eintauschen würden.

Dass unser Reiseleiter, ein damals rund 60 jähriger Mann, den Boden küsste, als wir ankamen, trug nicht viel zu meiner Stimmung bei.

Rückblickend hat sich diesbezüglich auch in den vergangenen 12 Jahren nicht viel geändert. Viele Dinge, die in den christlichen Kreisen leider sehr verbreitet sind, lassen mich weiterhin den Kopf schütteln. Allerdings, hat sich, dank dieser «lebensmüden» Aktion meiner Eltern, im Bezug auf meine Wahrnehmung Israels alles geändert.

Plötzlich konnte ich die Orte, über welche wir in der Sonntagsschule Lückentexte ausfüllen mussten, sehen. Die historischen Mauern Jerusalems, die so viel überdauert haben, wurden greifbar. Unter den Palmendächern der Laubhütten erlebte ich die jüdische Gastfreundschaft und genoss die kulinarische Vielfalt.

Der Konflikt, der wenige Wochen davor noch überall die News-Bulletins füllte, war weder am See Genezareth noch in der Negev-Wüste spürbar. Im Gegensatz: Die jungen Menschen in Uniform, die wir überall antrafen, waren voller Lebensfreude und jederzeit bereit für ein Foto.

Was mein Kopf damals nicht begriff, drang dafür umso intensiver in mein Herz: Will ich als Christ Jesus folgen und die Bibel verstehen, dann muss ich die jüdische Kultur besser begreifen. Diese Bibliothek, die wir Christen als heilige Schrift betiteln, handelt doch schliesslich von der ersten Seite bis zum letzten Punkt von einem Gott, den wir als JHWH bezeichnen – einem jüdischen Gott.

Mein Herz begriff, dass ich als Christ eine tiefe Verantwortung und Verbundenheit gegenüber meinen jüdischen Mitmenschen habe, weil ich meine religiösen Wurzeln nicht verleugnen kann, wenn ich konsequent leben will.

Und so hat diese lebensmüde Aktion meiner Eltern, mich begreifen lassen, dass wir als Christen Gottes Volk tröstend zur Seite stehen sollen, wie es in Jesaja 40:1 steht.

Die ICEJ Schweiz feiert am Sonntag, den 27.5.2018, im Musical Theater Basel das siebzigste Jubiläum der Wiedererlangung jüdischer Unabhängigkeit. Die Veranstaltung ist gratis, Online-Anmeldung ist erforderlich.

Joel D. Bigler arbeitet seit 6 Jahren ehrenamtlich als Hauptverantwortlicher für die jungen Erwachsenen bei der International Christian Embassy Jerusalem CH. Die ICEJ ist eine christliche, denominationsübergreifende Organisation die sich seit 1980 in über 90 Länder für Israel und das jüdische Volk einsetzt. Joel D. Bigler ist glücklich verheiratet und führt eine Kreativ-Unternehmung in Winterthur.

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1 KOMMENTAR

  1. Endlich mal ein Christ, der es erkannt hat! Nur, sollte man anmerken, dass es KEIN jüdischer Gott sondern der Gott des Volkes Israel ist zu dem nicht nur Judäer=Juden sondern auch andere Stämme von Israel zählen. Aber ansonsten perferkt! (y)

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