Foto Kobi Richter/TPS
Foto Kobi Richter/TPS

Vergangene Woche begingen äthiopischstämmige Israelis, gemeinsam mit Knessetabgeordneten und Premierminister Benjamin Netanjahu, den Jerusalemtag mit Dankgebeten sowie Gedenkfeiern für diejenigen Mitglieder der Gemeinschaft, die auf dem beschwerlichen Weg von Äthiopien nach Israel ums Leben gekommen sind.

von Andrew Friedman/TPS

„Der Jerusalemtag ist für uns alle sehr emotional“, sagte Nava Asmare, eine 42-jährige Mutter von drei Kindern, die 1975 in einem kleinen Dorf in Äthiopien geboren wurde und im Alter von zehn Jahren nach Israel auswanderte. „Einerseits gibt es ein starkes Gefühl der Dankbarkeit und Demut, dass wir es nach Jerusalem und in das Land Israel geschafft haben. Andererseits ist dies der Tag, an dem wir an all die Menschen denken, die von Jerusalem geträumt, es aber nicht hierher geschafft haben.“

„Es sind ähnlich gemischte Gefühle wie am Gedenktag für die gefallenen Soldaten und die Terroropfer und am Unabhängigkeitstag: Wir feiern die Stadt, aber wir erinnern uns auch an den Preis, den wir gezahlt haben und an die Menschen, auf deren Schultern wir stehen“, sagte Asmare, deren zehn Monate alte Schwester während der Reise in den Armen ihrer Mutter starb.

Mehr als 1.500 Jahre haben Juden in Äthiopien gelebt, waren aber von den grösseren jüdischen Gemeinschaften in Nordafrika, im Nahen Osten und in Europa abgeschnitten. Deshalb entwickelte diese Gemeinschaft einzigartige Bräuche und religiöse Gesetze, darunter eine starke Bindung an Zion und an die Stadt, wo König David herrschte.

Als aber in den 1980er und 1990er Jahren Mitglieder der Gemeinschaft begannen, nach Israel auszuwandern, war diese Reise oft tückisch und bedeutete Fussmärsche über tausend Meilen durch feindliches Gebiet, Hunger, Krankheit und wilde Tiere. Veteranen der Bewegung erinnern sich daran, wie die Menschen in Durchgangslagern „wie die Fliegen umfielen und starben“, während sie darauf warteten, im Rahmen der Operation Moses 1984 und der Operation Salomon 1991 per Flugzeug nach Israel gebracht zu werden.

Darüber hinaus meinte Asmare, das erhabene, mythische Bild von Jerusalem, mit dem viele äthiopische Juden aufgewachsen seien, habe zu einem starken Gefühl der Entwurzelung geführt, als sie dann endlich in die Heilige Stadt gekommen seien.

„Die Magie Jerusalems ist nicht, was wir erwartet hatten“, sagte sie. „Ich war absolut überzeugt, Jerusalem würde dieser magische Ort, ein wirklich goldenes Jerusalem sein. Davon waren wir alle überzeugt. Wir glaubten, wir würden nach Jerusalem kommen und von dem Gold, dem Licht und der Heiligkeit geblendet sein.“

„Das ist natürlich nicht das Jerusalem von heute. Wir feiern heute die Vereinigung von Jerusalem, wissen aber auch, dass die Stadt in mancherlei Hinsicht zerbrochen und eben nicht vereint ist. Es gibt das höhere, himmlische Jerusalem und das irdische Jerusalem. Das Jerusalem unserer Träume gegenüber der realen Stadt. Daher gibt es sehr, sehr viele gemischte Gefühle“, fügte Asmare hinzu.

„Für äthiopische Juden ist die Reise nicht beendet.“

Neben der offiziellen Gedenkfeier am Herzlberg veranstaltete der Knesset-Ausschuss für Angelegenheiten der Immigration, Integration und Diaspora eine spezielle Anhörung zum schlechten sozioökonomischen Status der äthiopischen Gemeinschaft in Israel.

„Keine Gruppe von Einwanderern hat einen höheren Preis dafür gezahlt, nach Israel zu kommen, als unsere“, sagte der Vorsitzende des Ausschusses, der Knessetabgeordnete Avraham Negosa (Likud). „Wir erinnern uns mit stolzem Herzen und gesenktem Kopf an diese Helden, stolz darauf, dass wir ihren Traum verwirklichen und ihren letzten Willen erfüllen konnten.“

„Für äthiopische Juden ist die Reise nicht beendet. Die Reise der Integration in die israelische Gesellschaft geht weiter“, schloss Negosa.

Laut Zentralbüro für Statistik haben äthiopische Gemeinschaften in Israel in der Regel höhere Scheidungsraten, einen höheren Anteil von Alleinerziehenden sowie eine geringere Quote an Highschool-Abschlüssen.

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