Israelischer Experte für Terrorismusbekämpfung: „Kein Unterschied zwischen gutem und bösem Terrorismus“

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Links, Attentat in Jerusalem am 2. Juli 2008. Foto PD. Rechts, Attentat am 7. April 2017 in Stockholm. Foto Frankie Fouganthin, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons.
Links, Attentat in Jerusalem am 2. Juli 2008. Foto PD. Rechts, Attentat am 7. April 2017 in Stockholm. Foto Frankie Fouganthin, CC BY-SA 4.0, Wikimedia Commons.
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In einem Interview mit der European Jewish Press warnte der israelische Experte für Terrorismusbekämpfung Nitzan Nuriel vor einer Woche, der Islamische Staat (IS) habe genügend „Schläferzellen“ und genügend Leute in Europa, die bereit seien, terroristische Akte auszuführen. „Noch problematischer ist, dass der IS neue Fähigkeiten hat, wie etwa Chemikalien. Ich glaube, diese werden schon bald in Europa eingesetzt …“ sagte Nuriel.

„Die Tatsache, dass in den vergangenen beiden Monaten in Europa keine grösseren Terrorattacken stattgefunden haben, will nichts heissen (Das Interview fand vor dem Attentat von Manchester statt, Anm. d. Red). Ich glaube, dass der IS, die Terrorgruppe des Islamischen Staates, trotz der Gebietsverluste im Irak und in Syrien immer noch sehr wohl in der Lage ist, Terrorangriffe in Europa auszuführen. Wir können noch nicht davon ausgehen, dass der Krieg hinter uns liegt. Ich glaube im Gegenteil, dass der Krieg noch vor uns liegt …“, so Nitzan Nuriel, der international anerkannte israelische Top-Experte für Terrorismusbekämpfung.

Nitzan Nuriel, der von 2007 bis 2012 Direktor für Terrorismusbekämpfung im Büro des israelischen Premierministers war, glaubt, dass einige europäische Länder Politik und Professionalität vermischen, wenn es darum geht, sich Israels Erfahrung in der Terrorbekämpfung zunutze zu machen. „Leider merken wir, dass die meisten Staaten auf der politischen Ebene immer noch in der Position verharren, den Staat Israel zu kritisieren, anstatt das gesamte Bild zu begreifen und zu versuchen, ein Gleichgewicht zu finden. Und dies trotz der Tatsache, dass wir seit über 70 Jahren Terrorismus bekämpfen und bereit sind alle Staaten beim Kampf gegen den Terrorismus zu unterstützen.“

„Einerseits wollen sie sich unsere Erfahrung zunutze machen, andererseits kritisieren sie uns immer noch. Und wir akzeptieren das, so ist das Leben … Anders gesagt, passiert eine Terrorattacke in Tel Aviv oder Jerusalem, glauben die Europäer, dies sei nicht dasselbe Phänomen wie in Europa. Sie glauben, Terrorismus in Israel fände nur wegen des israelisch-palästinensischen Konflikts statt … Und dass der Terrorismus in Europa sich aus völlig anderen Quellen speist, und zwar hauptsächlich aus dem Kampf gegen den IS. Wir aber glauben, Terror ist Terror … und wer glaubt, er könne einen Unterschied machen zwischen gutem und bösem Terror, begeht einen grossen Fehler“, so Nuriel.

„Die meisten Europäer verstehen die Situation nicht, in der sich Israel in Bezug auf Terrorismus und Aufwiegelung befindet. Die meisten glauben, Israel solle Kompromisse eingehen, aufgeben … und nur so würde der palästinensische Terror gestoppt. Ich glaubte, dass sie einfach nicht verstehen, dass es nicht nur um den israelisch-palästinensischen Konflikt geht; es geht hauptsächlich um religiöse Reibereien, die von muslimischen Extremisten leider auf den Schauplatz des Terrors getragen wurden.“

Als Mitarbeiter beim International Institute for Counter-Terrorism (ICT) in Herzliya leitet der Brigadegeneral der Reserve Nuriel Nitzan viele Projekte innerhalb und ausserhalb Israels. Im vergangenen Jahr beriet er die Veranstalter des Filmfestivals in Cannes bei der Absicherung der Veranstaltung.

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