Foto Al-Qassam-Brigaden / Flickr.com
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In einer Bekanntmachung, die grössere Auswirkungen auf die israelisch-türkischen Beziehungen haben könnte, verkündete der Schin Bet (der israelische Inlandsgeheimdienst) am Dienstag die Verhaftung des Leiters einer türkischen humanitären Gruppe in Gaza wegen der Weitergabe von Geldern an den militärischen Flügel der Hamas zur Terrorfinanzierung.

Sicherheitsbehörden und die Polizei haben den in Gaza ansässigen Muhammad Murtaja, 39, im Februar verhaftet, als er versuchte, in seiner Eigenschaft als Leiter der Türkischen Kooperations- und Entwicklungsagentur (TİKA) in Gaza im Rahmen einer Reise Israel zu verlassen.

Ermittlungen brachten ans Licht, dass Murtaja Ende 2008 von der Hamas rekrutiert worden war und dass zu seinen Aktivitäten bei der palästinensischen Terrorgruppe unter anderem das Abzweigen von Geldern, die für humanitäre Projekte bestimmt waren.

Schin Bet zufolge war er auch an Kampfausbildung und -übungen der Hamas beteiligt, baute Waffen und Sprengkörper und grub Terrortunnel. Laut Mitteilung der Sicherheitsbehörden, hatte Murtaja auch Waffen wie etwa Handgranaten und Gewehre für die Hamas in seinem Haus gelagert.

In einer Erklärung des Pressebüros der israelischen Regierung hiess es: „Während der Ermittlungen wurde klar, dass Murtajas Reise über Israel mit dem Ziel sich von der TİKA ausbilden zu lassen, auch dazu dienen sollte, Informationen zu erhalten um die Genauigkeit der von der Hamas auf Israel abgefeuerten Raketen zu verbessern.“

Weiter hiess es in der Erklärung: „Darüber hinaus wurde während der Ermittlungen entdeckt, dass Murtaja seit 2012 als Koordinator für die TİKA im Gazastreifen tätig war. Die TİKA arbeitet für die türkische Regierung, um humanitäre Projekte im Gazastreifen zu fördern. Die Ermittlungen zeigten, dass Murtaja die TİKA mit dem Missbrauch der Ressourcen und Mittel der Organisation, die für wichtige humanitäre Projekte im Gazastreifen gebraucht wurden, getäuscht hatte, indem er sie dem militärischen Flügel der Hamas zuleitete. Dieser Betrug erfolgte in Zusammenwirkung mit der Führungsebene der Hamas in Gaza unter der Leitung von Ismail Haniyeh.“

Der Leiter der Türkischen Kooperations- und Entwicklungsagentur (TİKA) Muhammad Murtaja. Foto zVg
Der Leiter der Türkischen Kooperations- und Entwicklungsagentur (TİKA) Muhammad Murtaja. Foto zVg

Murtaja gab seinen Vorgesetzten bei TİKA eine Liste mit verarmten Bewohnern des Gazastreifens, die als Kandidaten für finanzielle Hilfen in Betracht kamen. Diese Listen erhielt Murtaja ursprünglich von hochrangigen Vertretern der Hamas und die meisten der sogenannten ‚bedürftigen‘ Menschen auf diesen Listen waren eigentlich Terroristen im militärischen Flügel der Hamas oder deren Familienmitglieder. Auf diese Weise erhielten sie Beihilfen und Gehälter.

Wie die Sicherheitsbehörden weiter mitteilen, sorgte Murtaja dafür, dass während und nach der Operation ‚Protective Edge’ Millionen Shekel an Mitglieder des militärischen Flügels der Hamas abgezweigt wurden. So wurden beispielsweise von der TİKA für die notleidende Bevölkerung im Gazastreifen gespendete Lebensmittelpakete an Mitglieder des militärischen Flügels der Hamas übergeben. Ausserdem finanzierte die Organisation nach Ende der Operation ‚Protective Edge‘ eine öffentliche Veranstaltung, bei der militärische Mitglieder der Hamas Gehälter und Beihilfen erhielten.

Darüber hinaus entdeckte der Schin Bet, „dass die türkische Stiftung für humanitäre Hilfe İHH geholfen hat, die Aktivitäten des militärischen Flügels der Hamas direkt zu unterstützen. Die İHH wurde 2008 von Israel wegen ihrer Unterstützung für die Hamas als terroristische Organisation eingestuft. Die Untersuchung legte offen, dass Mehmet Kaya, der Koordinator des Büros der İHH in Gaza den Hamasführern Ismail Haniyeh und Raad Saad Geld aus der Türkei übergeben hatte, das für den militärischen Flügel der Hamas vorgesehen war.“

„Das von der İHH an den militärischen Flügel der Hamas übergebene Geld wurde unter anderem dafür verwendet, eine Einrichtung zur Ausbildung von Marinekommandos der Hamas aufzubauen sowie für den Kauf von Ausrüstung und Waffen. Jahrelang übergab die İHH auf diese Weise dem militärischen Flügel der Hamas systematisch Mittel, die beim Aufbau von deren Kämpfer verwendet werden sollten“, so die Erklärung.

Die Erklärung des Pressebüros der israelischen Regierung vermerkte, dass „Murtaja während der Ermittlungen eine Menge operativer Informationen geliefert hat, unter anderem über Tunnelverläufe, die von der Hamas beim Graben von Tunneln angewandten Methoden, Aktionspläne für Kämpfe und Waffenherstellung.“

Quellen: The Times of Israel, Ynet, Sicherheitsbehörden, Agenturen

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