IDF-Soldat Elor Azaria (Mitte) wegen Totschlag zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Foto Hillel Maeir/TPS
IDF-Soldat Elor Azaria (Mitte) wegen Totschlag zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Foto Hillel Maeir/TPS

Der israelische Soldat Elor Azaria der wegen Totschlags für schuldig befunden wurde, nachdem er einen verletzten palästinensischen Attentäter erschossen hatte, ist gestern zu 18 Monaten Haft verurteilt und zum Dienstgrad eines einfachen Soldaten zurückgestuft worden.

Das Urteil wurde von einem Militärgericht in Tel Avi verkündet. Die vorsitzende Richterin, Oberst Maya Heller sagte dass „der Angeklagte ohne Rechtfertigung einen Terroristen erschossen hatte“ und dass Azaria „auch die Waffenreinheit entweiht habe, an welche sich die IDF (Israelische Verteidigungsstreitkräfte) hält“.

Dennoch, erklärte sie, „müssten eine Anzahl mildernden Umständen berücksichtigt werden, so z.B. ein schwer überschaubares Gebiet, in welchem der Terrorist versucht hatte, Soldaten zu töten und es ihm sogar gelungen war, einen zu verletzen“. Die Richter bemerkten weiter, dass es Azarias erste Begegnung mit der Justizbehörde war und dass er im Übrigen als hervorragender Soldat ausgezeichnet worden war.

Das Strafurteil von 18 Monaten Gefängnis ist weitaus milder ausgefallen als die von der Anklage verlangten 5 Jahre, obwohl ihm zusätzlich 12 Monate Bewährung auferlegt wurde.

Azaria wird seine Strafe am 5.März antreten. Seine Verteidiger haben 15 Tage Zeit um Berufung einzulegen, und es ist sehr wahrscheinlich, dass sie dies auch tun werden. Sollte die Strafe trotzdem aufrecht erhalten bleiben, könnte Azaria vom Präsidenten Reuven Rivlin eine Begnadigung anfordern.

Azaria hatte im März 2016 in der Stadt Hebron einen bereits ausser Gefecht gesetzten palästinensischen Angreifer erschossen, der zuvor einen israelischen Soldaten mit einem Messer angegriffen und verletzt hatte. Der Schuss von Azaria war auf Video festgehalten worden. Der Fall entfachte eine hitzige und bittere Debatte in der israelischen Öffentlichkeit während dem ganzen Prozess und bewegt weiterhin die Gemüter und geteilte Meinungen.

In einer Stellungnahme zum Strafurteil rief der Erziehungsminister und Partei­vorsitzende von „HaBajit haJehudi“ („Jüdisches Heim“) Naftali Bennett, zur sofortigen Begnadigung auf, da der Prozess von Anfang mit fragwürdigen Unreinheiten behaftet gewesen sei.

Verteidigungsminister Avigdor Lieberman kommentierte: „Auch diejenigen, die das Urteil oder das Strafmass nicht mögen, sind verpflichtet, das Gericht zu respektieren“.

Der Oppositionsführer und Vorsitzende der Zionistischen Union Jitzchak Herzog nannte Azaria „ein Opfer von unmöglichen politischen Umständen“.

Yair Lapid, der Partei­vorsitzende von „Jesh Atid“ meinte, Azaria habe einen schwerwiegenden Fehler begangen, aber in Bezug auf eine Begnadigung: „diejenigen, die das entscheiden müssen, sind die Kommandanten. Die Politiker müssen aufhören sich in die Angelegenheiten der Armee einzumischen“.

Quellen: Bicom, TPS, Agenturen

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1 KOMMENTAR

  1. “ einen bereits ausser Gefecht gesetzten palästinensischen Angreifer erschossen“

    Es fällt auf, wie sehr audiatur sich bemüht hatte, den Artikel so neutral und sachlich wie
    möglich zu gestalten.
    Wäre auch fast gelungen!

    Die o.g. Äußerung im Artikel vereinnahmt ausschließlich eine verurteilende Sicht
    der Situation des Soldaten Elor Azaria.
    Die o.g. Äußerung wertet und ist folglich nicht neutral, sondern weist Schuld zu.
    Schuld, die nicht bewiesen werden kann, auch von keinem Gericht.

    Denn ob der pali-arabische Terrorist,
    im Artikel, wie ich meine, etwas unglücklich als „Angreifer“ beschrieben,
    wirklich zu dem Zeitpunkt, unmittelbar vor seiner Erschießung, außer Gefecht gesetzt war
    oder nicht, entzog sich dem Wissen des handelnden Soldaten.
    Die Tatsache, dass im Nachhinein kein Sprenggürtel am Massenmörder und Terroristen
    gefunden worden war, beweist doch nicht, dass Elor Azaria dieses Wissen zum Zeitpunkt
    der Schußabgabe gehabt hatte!

    Exakt gleiche Situation – Elor Azaria erschießt den Massenmörder und Terroristen,
    aber in dieser Alternative findet sich unter der für die Jahreszeit ungewöhnlich dicken Jacke
    anschließend ein Sprenggürtel.
    Wie wäre die Tat des Elor Azaria dann gewertet worden?
    Elor Azaria hätte mehreren leichtsinnigen Kollegen Leben und Gesundheit gerettet und
    hätte als Einziger erkannt, was keinem anderen aufgefallen war
    – zweifellos ein Held und Retter!
    Kein Richter – k e i n R i c h t e r – hätte gewagt, mit dem Finger auf den umsichtigen Soldaten
    zu zeigen!

    Nun aber wird Elor Azaria bewertet und gerichtet – von den Richtern, von den Medien und
    von seinen Mitmenschen.
    Der Erfolg einer umsichtig gedachten Handlung ist ausgeblieben und
    der Held ist über eine Realität gestolpert, die unvorhersehbar war,
    die auch eine andere hätte sein können.
    Weil ein junger Pali-Araber bei dem willkürlichen Versuch, seinen jüdischen Mitmenschen
    das Fürchten zu lehren, die Sicherheitskräfte zum Handeln genötigt hatte,
    soll nun ein junger Jude monatelang in ein Gefängnis eingesperrt werden
    – bad luck! … leider keinen Sprenggürtel unter der zu dicken Jacke gefunden!

    Einmal mehr warne ich davor, die Handlungen von Menschen überbetont eher an
    deren Erfolgen denn an ihren Intentionen zu messen.

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