Bürgermeister Oded Revivi, rechts sitzend im blauen Hemd. Foto Shmuel Fitousi
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Oded Revivi, Bürgermeister der nur wenige Kilometer südlich von Bethlehem gelegenen Gemeinde Efrat in Judäa (Westjordanland) lud im vergangenen Oktober Palästinenser aus den benachbarten Ortschaften ein, um in seinem Haus das auch als Laubhüttenfest bekannte jüdische Fest Sukkot mitzufeiern.

Jedes Jahr versammeln sich aus diesem Anlass jüdische Bürger und Bürgerinnen in palmgedeckten Hütten, um so an die Wanderung des jüdischen Volkes zu erinnern, das zu Zeiten Moses durch die Wüste zog, bevor es sich im Land Israel niederliess.

Der Bürgermeister war zuvor schon viele Male von seinen arabischen Nachbarn zu deren religiösen Feiertagen eingeladen worden und wollte sich dafür erkenntlich zeigen.

Ein Dutzend Palästinenser nahmen die Einladung des Bürgermeisters an und trafen sich zu Kaffee, Kuchen, Obst und Nüssen mit ungefähr 30 jüdischen Einwohnern von Efrat.

Ziel war es für beide Seiten, miteinander das Gespräch zu suchen, Brücken zu bauen und ein besseres Verständnis füreinander zu entwickeln.

Viele der palästinensischen Gäste arbeiten schon seit Jahren in unterschiedlichen Jobs in der Baubranche sowie diversen anderen Berufen in Efrat. Ahmad Mousa, ein 58-jähriger Unternehmer aus der nahegelegenen arabischen Ortschaft Wadi Nis wurde in der Washington Post wie folgt zitiert: „Wir betrachten uns als einen Teil der Familie, einen Teil der Familie Efrats. Siebzig Prozent der Menschen aus unserem Ort arbeiten in Efrat. Sie behandeln uns dort sehr gut und auch wir verhalten uns ihnen gegenüber sehr freundlich.“

Unter den Anwesenden waren auch Angehörige der israelischen Armee sowie führende Mitarbeiter der Polizei. Der Bürgermeister hatte sie eingeladen, weil er den Palästinensern ermöglichen wollte, den Beamten gegenüber ihre Sorgen und Wünsche im persönlichen Gespräch auszudrücken.

Gemeinsame Sukkot Feier. Foto Shmuel Fitousi

Die Beziehungen zu den benachbarten Palästinensern waren erst vor Kurzem nach einem tragischen Unfall noch enger geworden. Auf einer aus Efrat herausführenden Strasse hatte ein Mann aus Efrat mit seinem Fahrzeug versehentlich ein junges palästinensisches Mädchen erfasst und getötet. Ihre nur wenige Meter entfernte Zwillingsschwester musste das Ganze aus nächster Nähe mitansehen. Bürgermeister Revivi nahm an der Totenwache teil und drückte der Familie gegenüber seine Trauer aus. Er versprach, eine umfassende Untersuchung einzuleiten. Der Bürgermeister gab zu, dass er befürchtet hatte, die Reaktion der Palästinenser auf das Unglück würde sich in Gewalt äussern. Doch die Familie war selbst der Ansicht, dass es sich um einen Unfall gehandelt hatte. Auch der Grossvater des Mädchens folgte der Einladung des Bürgermeisters zum Sukkot und teilte bei dieser Gelegenheit mit, dass der Bürgermeister zu ihm nach Hause gekommen sei, um sein Beileid zu bekunden.

Auf Veranlassung von Bürgermeister Revivi errichtete das israelische Militär Bodenschwellen am Unfallort, um zu verhindern, dass sich ein solches Unglück wiederholt. Ausserdem arbeitet der Bürgermeister an weiteren Verbesserungen.

Verbrechen der „Normalisierung mit Israel“

In der Folge der Einladung des Bürgermeisters in die Laubhütte, verhaftete die Palästinensische Autonomiebehörde vier palästinensische Araber, die am Sukkot teilgenommen hatten, weil sie sich damit, dass sie Revivis Haus besucht und dort zum Laubhüttenfest Kaffee getrunken hatten, des Verbrechens der „Normalisierung mit Israel“ strafbar gemacht hatten.

Erst nach der Intervention von Premierminister Netanyahu und Generalmajor Yoav Mordechai, dem Koordinator für Regierungsangelegenheiten in Judäa und Samaria, wurden die vier letztlich wieder entlassen.

Oded Revivi kommentierte dies so: „Es ist absurd, dass das gemeinsame Kaffeetrinken mit Juden von der Palästinensischen Autonomiebehörde als ein Verbrechen angesehen wird. Initiativen, die sich darum bemühen, die Zusammenarbeit und den Frieden zwischen den Völkern zu fördern, sollten unterstützt und nicht sabotiert werden. Es ist an der Zeit, dass sich die Palästinensische Autonomiebehörde fragt, ob sie es tatsächlich vorzieht, die Flammen des Konflikts weiter zu schüren anstatt zu versuchen, die Menschen zusammenzubringen.“ Premierminister Netanyahu schrieb: „Die Besucher haben niemandem Schaden zugefügt. Doch als sie von ihrem Besuch zurückkehrten, wurden sie von der Palästinensischen Autonomiebehörde verhaftet. Ich rufe die internationale Gemeinschaft auf zu helfen, diese unschuldigen Palästinenser zu befreien, deren  Verhaftung nur ein weiterer Beweis für die palästinensische Weigerung, Frieden zu schliessen ist.“

Wie Audiatur-Online vom Büro des Bürgermeisters am Dienstag mitgeteilt wurde, sind die Verhafteten nicht nur wieder frei, sondern waren soeben auch wieder zu Besuch beim Bürgermeister. Sie lassen sich von der palästinensischen Führung nicht einschüchtern.