Lesezeit: 3 Minuten

Nach den massiven Bränden findet in der nordisraelischen Hafenstadt Haifa vom 7. bis 9. Dezember ein Al-Scham Koexistenz-Kulinaria-Festival statt. Zu den Brandstiftern von 500 Häusern in Haifa sagte die Veranstalterin: „Sie versuchten, die schöne Koexistenz, die wir hier haben, zu zerbrechen: Aber wir lassen sie nicht.“

Die Spuren der Koexistenz gehen zurück auf den ersten Bürgermeister von Haifa. Der Muslim Hassan Bey Shukri wurde von den Türken 1914 ernannt und überlebte mehrere Attentate. Nachdem er seine Unterstützung für die zionistische Einwanderung nach Palästina verkündet hatte, musste er 1936 nach Beirut fliehen. Vier Jahre später starb er. Zu seiner Beerdigung kamen auch jüdische Persönlichkeiten aus Haifa.

„Dies ist der einzige Ort auf Erden, der seit mehr als 100 Jahren einen Frieden zwischen Juden und Arabern gesehen hat „, sagt Bürgermeister Yahav. „Ich habe keine intelligente Antwort dafür, wieso Koexistenz hier funktioniert und nicht in Akko oder Tel Aviv. Aber es zeigt, dass es möglich ist.“

Die Stadt Haifa ist seit langem ein Muster der Koexistenz in Israel. Während Jerusalem einen höheren Prozentsatz arabischer Einwohner (etwa ein Drittel) hat, leben die meisten Araber und Juden in Jerusalem getrennt. In Haifa leben die Populationen zusammen und essen in den Restaurants der anderen. Haifas Bürgermeister Yona Yahav sagte: „Ich möchte, dass sie herumgehen und die Landschaft sehen. Dies ist die schönste Stadt in Israel. „

Haifas Bürgermeister Yona Yahav. Foto U. Sahm
Haifas Bürgermeister Yona Yahav. Foto U. Sahm

Der Schwerpunkt liegt auf der Al-Scham (Damaskus/Syrien) Küche. Sie war in der ganzen Region verbreitet, darunter in Syrien, Libanon und Jordanien. Jüdische und arabische Köche liefern moderne Variationen zu traditionellem arabischen Rezepten. Im vergangenen Jahr haben 40.000 Israelis das Festival besucht.

Die Region hat eine einzigartige kulinarische Tradition, mit Körnern, Gemüse und Kräutern als Basis. Die Idee zum Festival hatte Nof Atamnah-Ismaeel, eine israelisch-arabische Gewinnerin des Meisterkoch-Wettbewerbs, bei dem auch der deutsche Tom Franz gesiegt hatte. „Wir nehmen Gerichte, die vom Aussterben bedroht sind und modernisieren sie“, sagte sie. „Unser Gaumen hat sich verändert. Wir mögen nicht die gleichen Speisen, die wir noch vor 100 oder 200 Jahren mochten. Wenn Sie ein Gericht nehmen und ihm eine moderne Note hinzufügen, werden die Leute es umarmen.“

Sie beschloss, aus ihrer Sammlung 300 arabische Rezepte auszuwählen und mit arabischen wie jüdischen Köche umzusetzen. Die Zusammenarbeit ist wichtig für beide Köche, sagt sie. „Wenn Sie ein arabischer Koch sind und sich erinnern, wie das Gericht im Haus Ihrer Großmutter schmeckte, lässt Ihr Herz es nicht ändern. Der jüdische Koch hat diese Erinnerungen nicht, und kommt mit einer reinen Einstellung. Gemeinsam balancieren sie einander und schaffen das perfekte Gericht mit Tradition und Moderne.“ Die Gerichte werden beim Festival für jeweils 9 US- Dollar verkauft.

Die Besucher erhalten einen Stadtplan mit den Adressen aller teilnehmenden Restaurants. Jedes Restaurant bietet eine Besonderheit, wie al-basha oaskru, „ein syrisches Gericht“ mit der Bedeutung „Der Pascha und seine Soldaten“. Shishbarak-Knödel (die Soldaten) mit Bulgur-Weizenkibbeh (der Pascha) werden im Joghurt gekocht. Eine Speise von Abu Marun Issa sind langsam gekochte Rippen auf seidigem Hummus. Es gibt Thai Hummus mit Kao Phat Hackfleisch, gewürzt mit thailändischen Wurzeln, Basilikum und Spiegelei. Es gibt auch einen griechisch-inspirierten Hummus mit Limabohnen, Lammspießen und Auberginen. Wer mexikanisches Essen bevorzugt erhält einen Hummus Taco mit Avocado, Tahini, Kalbfleisch und Habanero Chipotle Chilisauce.

„Dieses Jahr findet das Festival im Schatten der Brände statt. Im vergangenen Jahr gab es die Welle palästinensischer Messerstecher“ Atamneh-Ismail sagt: „Diese Ereignisse machen das Festival noch wichtiger. Wenn wir nicht mit diesem Festival vorankommen, lassen wir sie zweimal gewinnen. Es bedeutet, dass sie jemanden getötet haben, Wälder oder Häuser verbrennen und jetzt auch noch unsere Zukunft zerstören.“

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

Alle Artikel
Diesen Beitrag teilen
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •  
  •