Assad Foto anjči / Sebastian Wallroth. Lizenziert unter CC BY 2.0 über Wikimedia Commons.

Bashar Assad, einst so gut wie totgesagt, ist wieder zurück im Geschäft.

Donald Trumps Wahlsieg ist nur ein weiteres Glied in einer Reihe von Siegen, die ahnen lassen, dass der syrische Präsident das Schlimmste hinter sich hat. Täglich bombardiert er seine Bürger und missachtet dabei die vielen mahnenden Stimmen der Moral, wie die von Kanzlerin Merkel, die ihn erst vor Kurzem der Begehung von Kriegsverbrechen beschuldigte.

In dem fünf Jahre andauernden Krieg hat Assad kontinuierlich Siege auf lokalen, regionalen und globalen Schauplätzen erzielt.

Auf lokaler Ebene, da die Freie Syrische Armee, die ursprünglich an der Spitze der Revolte stand, zerfallen ist, seit sie ihren Kommandeur, General Mustafa al-Sheikh, der sich 2013 nach Schweden absetzte, und dessen Kollegen, Stabschef Salim Idriss, verlor. Letzterer floh in die Türkei, kurz nachdem er der Hisbollah ein 24-stündiges Ultimatum gestellte hatte, Syrien zu verlassen oder sich dem Kampf mit seinen Streitkräften im Libanon zu stellen.

Idriss, al-Sheikh und mehrere Dutzend weitere Generale, die aus der syrischen Armee desertiert waren, hatten im Westen die Hoffnung keimen lassen, dass sie sich an die Spitze einiger Tausend Soldaten setzen würden, die sich weigerten, sich an Assads Krieg gegen ihre Familien zu beteiligen. Doch diese Armee hatte keine fähige Führung und ihre Unterstützer im Ausland rührten sich nicht vom Fleck.

Gleichzeitig importierte Assad Offiziere aus dem Iran und Fusssoldaten aus dem Libanon, die in grosser Zahl für ihn starben. Soweit die Iraner zugeben, haben sie in dem Krieg 1.000 Männer verloren und die Hisbollah, so heisst es, habe mindestens 2.000 Tote und 5.000 verletzte Soldaten ihrer vor dem Krieg 20.000 Männer starken Truppen zu vermelden.

Tatsächlich fügten Desertationen Assads Armee erheblichen Schaden zu, doch bei den Überläufern handelte es sich grösstenteils um sunnitische Soldaten und rangniedrige Kommandeure, die ohnehin von den Eliteeinheiten und der Luftwaffe, die hauptsächlich mit Soldaten aus Assads regierendem Alawiten-Clan besetzt sind, ferngehalten worden waren.

Inzwischen ist klar, dass ein nicht unerheblicher Teil von Assads Armee hinreichend intakt geblieben ist, um ihren verschiedenen Herausforderern, von kurdischen Milizen bis hin zum IS und anderen Islamisten, gegenüberzutreten, die alle weder über Flugzeuge noch über ordentlich versorgte und ausgebildete Artillerie und Panzertruppen verfügen.

Insgesamt kann man sagen, dass die 60 Prozent zählende Mehrheit der Sunniten gescheitert ist, als es darum ging, sich auf eine Art und Weise zu vereinen, zu organisieren, zu mobilisieren und zu kämpfen, die das Regime der nur 12 Prozent starken Alawiten-Minderheit zerschlagen hätte.

AN DER REGIONALEN FRONT erwiesen sich Assads Verbündete als wesentlich effektiver als die seiner Rivalen. Die kontinuierliche Versorgung mit motivierten und disziplinierten schiitischen Kämpfern der Hisbollah-Milizen machte die zahlenmässige Unterlegenheit von Assads eher kleiner Stammesgruppe wieder wett.

Ausserdem konnte Assad unvorhergesehene regionale Gewinne an der türkischen Front verzeichnen, als Präsident Recep Erdogan seine Forderung, Assad müsse verschwinden, zurückzog, weil er in den syrischen Kurden einen gemeinsamen Feind sieht, dessen Eindämmung ihm derzeit weitaus dringlicher erscheint.

Nachdem er auf diese Weise Erdogan vereinnahmt hatte, gelang es Assad nun auch, Ägypten für sich zu gewinnen, wie man diese Woche sehen konnte, als Präsident Abdel Fatah el-Sisi seine Unterstützung für Assad signalisierte. Offensichtlich betrachtet el-Sisi Assad als einen Überlebenden der Revolte, die sich gegen ihn erhoben hatte. Und da Assad gleich eine ganze Palette von islamistischen Rebellen bekämpft, will el-Sisi natürlich, dass er gewinnt, denn die Islamisten in Ägypten sind die eingeschworenen Feinde des Präsidenten.

Zu diesen lokalen und regionalen Siegen gesellt sich Assads raffinierter Umgang mit den Supermächten.

So profitierte er von Vladimir Putins Zorn über den vom Westen unterstützten Sturz seines Verbündeten Muammar Gaddafi, indem er dem russischen Präsidenten im Gegenzug für sein Eingreifen in den Bürgerkrieg strategische Gewinne anbot. Assads Zahlung erfolgte in zwei Raten, einer zugunsten der Marine und einer zum Vorteil der Luftwaffe.

Russland durfte den Einflussbereich seiner Marine auf Tartus ausweiten, einen Warmwasser-Hafen, wie ihn sich Russland schon seit den Tagen Peters des Grossen sehnlichst wünscht. Und die russische Luftwaffe durfte sich vor den Toren Latakias einen autonomen Luftwaffenstützpunkt errichten. So also gab Assad Putin genau das, was dieser sich gewünscht hatte: imperiale Expansion, Macht und Ansehen.

Russlands Dankbarkeit drückte sich in drei Ratenzahlungen ihrerseits aus.

Als erstes versorgte es Assads kampfbereite Truppen mit Nachschub. Dann verleitete es Barack Obama dazu, sein Versprechen nicht einzuhalten, demnach er die syrische Armee angreifen wollte, wenn sie versuchen sollte, Chemiewaffen zu verwenden. Und schliesslich stieg vor einem Jahr, als dritter Teil von Putins Ratenzahlungen, die russische Luftwaffe in Assads Krieg ein.

Russlands Luftmacht ermöglichte Assad, sein zuvor defensives Vorgehen in eine offensive Strategie zu verwandeln. Nun, ein Jahr später, zeigt das Ergebnis dieser Verwandlung die Grenzen von Assads Siegen und die Armseligkeit seiner Sache auf.

Vor der russischen Intervention war es Assads Ziel, sich entlang der Achse Damaskus-Homs-Aleppo zu verschanzen – einer Nord/Süd-Linie östlich des Nusseiria-Gebirges, der historischen Hochburg der Alawiten. Assad hielt die Truppen der Rebellen generell vom politischen Herzen Syriens in Damaskus fern, es gelang ihm jedoch bislang nicht, Aleppo, das wirtschaftliche Zentrum Syriens, zurückzuerobern.

Assad, der damit durchkam, dass er sein Volk mit Bomben, Feuer und Giftgas bekämpfte, dezimiert nun Aleppo und greift dort systematisch Krankenhäuser an, sodass alle Verbliebenen fliehen und einzig verbrannte Erde hinter sich zurücklassen werden.

Politisch betrachtet funktioniert diese morbide Strategie, denn keiner von denen, die Assads Gräueltaten beenden könnten – sprich Europa und die USA – sind darauf vorbereitet, dies auch tatsächlich zu tun. Der designierte Präsident Trump wird nicht nur die Untätigkeit seines Vorgängers fortführen, sondern er wird nicht einmal in die verurteilende Rhetorik von Obama, Merkel und Francois Hollande einstimmen.

Militärisch betrachtet bleibt Aleppo jedoch trotz Russlands Feuerkraft nach wie vor unbezwungen, denn Kampfflugzeuge können keine Stadt erobern. Das ist eine Lektion, die auch viele andere früher schon lernen mussten – besonders einprägsam: die deutsche Luftwaffe in Grossbritannien, Japan in Pearl Harbor und die USA in Vietnam.

Hinzu kommt, dass der Fokus der Türkei auf die Kurden einen strategischen Preis für Assad hat: Die Türken sind im Laufe des Sommers in Nordsyrien einmarschiert und man kann davon ausgehen, dass sie auf unbestimmte Zeit dort bleiben werden. Tatsächlich kündigte Präsident Erdogan an, er werde womöglich noch weiter in den Süden marschieren.

Das heisst, wir befinden uns in der nächsten Phase des Krieges, dem grossen Angriff auf das syrische Zentrum des IS in Rakka, 200 Kilometer östlich von Aleppo, an der auch die Türkei und deren gewaltige Armee teilnehmen werden.

Die Ziele der Türkei sind klar. Sie will die syrischen Kurden unterwerfen und die sunnitischen Syrer stärken. Es ist eine praktische Strategie, die von dem unterstützt wird, was Assad nun nicht länger verbergen und auch nicht ungeschehen machen kann: Die sunnitische Mehrheit der Syrer hasst ihn und seinen Stamm und wird nicht zulassen, dass einer von beiden je wieder als Herrscher über ihr Volk – wie einst Assads Vater – zurückkehren wird.

Stattdessen wird Assad im westlichen Syrien herrschen, während im restlichen Land ein neuer Staat entstehen wird, über dessen Unabhängigkeit, Kohärenz, Ideologie, Grenzen, Regierung und Loyalitäten man nichts weiss. Was man allerdings sehr wohl weiss, ist dass der syrische Bürgerkrieg mit einer halben Million Todesopfer und 5 Millionen Flüchtlingen bereits jetzt astronomische Höhen erreicht hat und dass diese Zahlen weiterhin ansteigen werden.

Über Amotz Asa-El

Amotz Asa-El ist leitender Berichterstatter und ehemaliger Chefredakteur der Jerusalem Post, Berichterstatter Mittlerer Osten für Dow Jones Marketwatch, politischer Kommentator bei Israel's TV-Sender Channel 1 und leitender Redakteur des Nachrichtenmagazins Jerusalem Report.

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