Abbas lobt jordanischen „Märtyrer“, der israelische Polizisten erstechen wollte

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Der Tatort nach dem Angriff am Damaskus-Tor in Jerusalem am 16. September 2016. Foto Yonatan Sindel/Flash90
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Der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas hat diese Woche den Jordanier, der am letzten Freitag in Jerusalem erschossen wurde, nachdem er versucht hatte, israelische Grenzpolizisten zu erstechen, als „Märtyrer“ gepriesen.

In einem Beileidsschreiben, das er der Familie von Saeed Amro schickte, nannte Abbas den getöteten Beinahe-Attentäter „einen Märtyrer, der den reinen Boden Palästinas mit seinem Blut getränkt hat“ und äusserte die Hoffnung, dass „Allah den Märtyrer in seine Barmherzigkeit einhülle und dass er im Paradies verweile“, berichtete die Nachrichtenwebsite Ynet am Dienstag.

Laut israelischen Sicherheitsbeamten wurde der 28-Jährige Amro erschossen, als er sich am Damaskustor, einem Zugang zur Altstadt, mit einem Messer in jeder Hand einer Gruppe von Polizisten näherte. Bei einer Durchsuchung seiner Leiche wurden weitere Messer gefunden.

Am Wochenende verurteilte Jordanien die Tötung von Amro als „barbarisch“ und jordanische Behörden äusserten Zweifel, dass er die Israelis überhaupt angegriffen hätte. Ihnen zufolge sei er einfach ein Tourist gewesen.

Am Sonntag sendete der israelische Aussenminister Videoaufnahmen nach Jordanien, die die Aussagen der israelischen Polizisten scheinbar bestätigen. Darin ist zu sehen, wie Amro seine Messer schwingt und sich den Sicherheitskräften nähert, bevor er erschossen wird. Nach Angaben der Polizei rief Amro dabei „Allahu akbar“.

Amro war einen Tag zuvor in Israel angekommen und übernachtete in einem Hostel in der Altstadt. Freitagmorgen nahm er am Gebet in der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg teil. Nachdem er den heiligen Ort verlassen hatte, kaufte er die Messer in einem Geschäft im muslimischen Viertel und versteckte sie in seiner Kleidung, so die Polizei.

Am Montag stellte die jordanische Regierung einen förmlichen Antrag beim israelischen Botschafter in Amman, um nähere Einzelheiten zu den Todesumständen zu erfahren.

Amros Angriff am Freitag war nur eine von neun Attacken, die in den letzten fünf Tagen im Westjordanland und in Jerusalem stattfanden.

Mahmoud Abbas. Foto Hadas Parush / Flash90
Mahmoud Abbas. Foto Hadas Parush / Flash90

Im Zuge der Gewalteskalation bezeichneten führende palästinensische Beamte die Tötung von palästinensischen Angreifern in der letzten Woche als „Hinrichtungen“, weigerten sich jedoch, etwas zu den Anschlägen selbst zu sagen.

Israel ist in der Vergangenheit von Palästinensern und der internationalen Gemeinschaft für den Umgang mit Angriffen auf seine Bürger und Soldaten kritisiert worden. Im Gegenzug hat Israel Abbas wiederholt beschuldigt, die Welle palästinensischer Anschläge auf israelische Zivilisten und Sicherheitskräfte, die Ende letzten Jahres ausbrach, nicht verurteilt zu haben. Israel zufolge stachelt die PA-Führung zu Terror und Gewalt gegen Israel auf.

Im letzten Jahr wurde Israel von einer Welle palästinensischer Terroranschläge durch sogenannte „einsame Wölfe“ heimgesucht. Seit Oktober 2015 sind dadurch 35 Israelis und vier ausländische Staatsangehörige ums Leben gekommen. Auch mehr als 200 Palästinenser wurden im letzten Jahr getötet. Der israelischen Armee und Polizei zufolge waren dies zumeist Attentäter oder Personen, die in Auseinandersetzungen mit Sicherheitskräften verwickelt waren.

Auf Englisch zuerst erschienen bei The Times of Israel.

1 KOMMENTAR

  1. Unangenehme Wortwahl

    Mich stören in dem Artikel zwei Stellen mit verniedlichender Wortwahl.

    1.
    Im ersten Absatz nach der Einleitung wird der Täter als „Beinahe-Attentäter“ bezeichnet.
    Ein kleiner Überblick:
    In den westlichen Ländern gibt es zwei favorisierte Strafrechtssysteme,
    die nebenbei gesagt nicht immer klare Abgrenzungen einhalten.
    Dem Willensstrafrecht steht das Erfolgsstrafrecht gegenüber.
    In D wird beispielsweise nicht die Tat, sondern grundsätzlich der Wille zur Tat bestraft.
    Beim Erfolgsstrafrecht (USA) wird eben nicht der Wille zur Tat bestraft, sondern im Grundsatz
    stets ihr Erfolg.
    In beiden Strafrechtssystemen aber ist es so, dass ein „Beinahe-Täter“ jemand wäre,
    der vor einem ersten Erfolg seiner Tat von der Tat zurücktritt.
    Hätte der o.g. Täter also die Messer für ein Attentat gekauft, wäre zum voraussichtlichen Tatort
    gegangen und hätte sich dort eines Besseren besonnen,
    wäre er ein „Beinahe-Attentäter“ gewesen.

    Dem war aber nicht so!

    Der Massenmörder und Attentäter Saeed Amro ist keineswegs von der Tatausführung
    zurückgetreten, sondern wurde von Dritten gewaltsam an der versuchten Vollendung eines
    Massenmordes abgehalten
    – das muss doch in jedem funktionierenden Gewissen einen Unterschied machen!

    Im Erfolgsstrafrecht us-amerikanischer Prägung würde Saeed Amro,
    hätte er überlebt, wegen Terrorismus und wegen versuchten Mordes des 1. Grades
    angeklagt.
    Nach deutschem (grundsätzlichen: s. Vorsatzdefinition) Willensstrafrecht würden
    die Bezeichnungen Massenmörder und Attentäter ohne jede Einschränkung im
    Bereich der sogenannten „identifizierenden Berichterstattung“,
    also unter Nennung des vollen Täternamens,
    rechtlich absolut korrekt sein!

    Daher wäre, mindestens für Leser des deutschsprachigen Raumes, die Bezeichnung
    Massenmörder und/oder Attentäter Saeed Amro passend gewesen
    – ein „Beinahe-Attentäter“ suggeriert hingegen einen Rücktritt von einer Straftat,
    eventuell sogar aus ethischen Motiven.
    Irgendwelche, gleich welche, ethischen Motive dürfen Saeed Amro aber nicht unterstellt werden
    – weil es nicht stimmt, nicht stimmen kann; seine Tatausführung spricht dagegen!

    2.
    Gegen Ende des Artikels wird die Begrifflichkeit „einsamer Wolf“ eingeführt,
    die, meines unwesentlichen Erachtens nach, ebenfalls falsch ist und
    nicht auf den Sachverhalt passt.
    Ein einsamer Wolf wird eben deswegen mit dem Adjektiv „einsam“ versehen,
    weil er KEINER Gruppe zugerechnet werden kann
    – das macht sich auch an seinen Motiven klar.
    Hier aber wird berichtet, der Massenmörder Saeed Amro hätte zuvor eine Moschee besucht
    und einen Gottesdienst mitgemacht.
    Nun sollte man erwarten, dass so ein Gottesdienst eher ein tatdämpfendes Element hätte
    – bekannterweise aber nicht bei islamischen Gottesdiensten,
    schon gar nicht in der Al-Aqsa-Moschee.
    Die ganze Tatausführung, mitsamt dem üblichen Allah-Gekreische,
    spricht eher für die Verbundenheit mit den Menschen,
    mit denen er zuvor die Moschee besuchte.
    Und siehe da – alle Elemente der Tatausführung, wirklich alle, sind gruppenspezifisch.
    Und worüber handelt noch gleich der Artikel?
    – über Mahmoud Abbas, der diesen „einsamen Wolf“,
    mit dem er eigentlich nichts zu tun haben dürfte, wäre dieser wirklich „einsam“ gewesen,
    für seine Tat in jeder Form auszeichnete und,
    wen wundert es, wohl für seine Tat,
    für die Abbas eigentlich keine Identifizierung mit seiner PA herstellen dürfte,
    wäre der Täter wirklich „einsam“ gewesen,
    auch über dessen Hinterbliebene fürstlich entlohnen wird.

    Es steht mir nicht zu, den Schreibstil von Redaktionen zu bestimmen,
    doch möchte ich anmerken, dass
    a.
    ein verharmlosender Schreibstil die Täter in ein vermeintliches Recht rückt und
    b.
    die Formulierung, die eher der Wahrheit entsprochen hätte, mit dem Pressekodex
    des Deutschen Presserates in bezug auf die „identifizierende Berichterstattung“
    übereinstimmen würde!

    Meine Bitte ist, diese Argumentationen zu erwägen.

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