IDF-Soldat in den Golanhöhen. Foto IDF
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Der Bürgerkrieg in Syrien befindet sich in seinem fünften Jahr und ein Ende scheint nicht absehbar. Während eine Reihe regionaler und globaler Mächte wie die USA, Russland, Türkei oder Iran in den Konflikt intervenierten, hat sich Israel grösstenteils herausgehalten. Allerdings hat der Krieg auch für Israel schwerwiegende Konsequenzen, insbesondere in Bezug auf die Bedrohung durch den Iran und seinem libanesischen Terror-Proxy (Stellvertreter, Anm. d. Red.) Hisbollah.

von Sean Savage/JNS.org

Die Hisbollah befindet sich in der letzten Phase der Vorbereitungen auf „grossflächige“ Operationen in Quneitra in den südsyrischen Golanhöhen, so ein Bericht der halboffiziellen iranischen Nachrichtenagentur Fars vom 5. September.

„Die syrische Armee und Kämpfer der Hisbollah haben einen gemeinsamen Plan erarbeitet, um dem Kampfgeist (der Anti-Regime-Kräfte der syrischen Opposition, Anm. d. Red) in Südsyrien und insbesondere den Golanhöhen ein Ende zu bereiten,“ heisst es im Bericht. „Die Hisbollah hat eine grosse Anzahl ihrer Kämpfer im Quneitra-Durchgang aufmarschieren lassen, welcher Syrien mit dem besetzten Golan verbindet.“

David Daoud, ein Analyst bei der Foundation for the Defense of Democracies (FDD) sagte gegenüber JNS.org, die Lage in den Golanhöhen sei „beunruhigend.“

„Vordergründig zielt die Hisbollah-Operation darauf ab, sunnitische Jihadisten im Gebiet von Quneitra zu vertreiben,“ sagte Daouad. „Sollte diese Operation gelingen, ist es unwahrscheinlich, dass Hisbollah und ihre Verbündeten das Gebiet wieder verlassen. Stattdessen werden sie sich an der Grenze zu Israel positionieren.“

Die Golanhöhen sind seit Langem ein Unruheherd des arabisch-israelischen Konflikt, aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage nördlich von Israel.

Nach jahrelangen, von Syrien gesponserten Terrorangriffen und Bedrohungen im Norden des Landes, übernahm Israel 1967, während dem Sechstagekrieg, die Kontrolle über den Golan. Nachdem Israel das Gebiet 1973, während dem Yom Kippur-Krieg, kurzzeitig verlor, etablierten Israel und Syrien eine von der UN überwachte Waffenstillstandslinie in der Region. Dabei übernahm Israel die Kontrolle über die westlichen zwei Drittel des Gebietes. Israel annektierte den Golan 1981, als es seine zivile Gerichtsbarkeit auf das Gebiet ausweitete. Heutzutage ist der Golan ein beliebter Ausflugsort für Outdoor-Enthusiasten und Touristen, und ist bekannt für seine Weinproduktion, Wandern und Skifahren.

Golanhöhen. Foto PD/Wikimedia Commons
Golanhöhen. Foto PD/Wikimedia Commons

Trotz der israelischen Kontrolle waren die Golanhöhen nicht immun gegenüber den Kämpfen im nahegelegenen Syrien. Mörserfeuer und Raketen von sich gegenseitig bekämpfenden Bürgerkriegsparteien landeten sporadisch auf israelischem Gebiet. Während die meisten dieser Geschosse nicht gezielt auf Israel abgefeuert wurden, machen die israelischen Verteidigungsstreitkräfte (IDF) die syrische Regierung dafür verantwortlich und beschiessen gelegentlich Stellungen der syrischen Armee als Reaktion.

Als der wichtigste Terror-Proxy des Irans, ist die Hisbollah seit 2013 tief in den syrischen Bürgerkrieg involviert und kämpft auf der Seite der Regierungskräfte von Präsident Bashar al-Assad. Die Entscheidung der Hisbollah, sich in den Konflikt im Nachbarland einzumischen hat weiterreichende Folgen für die Terrororganisation – sowohl strategischer als auch militärischer Natur.

Ende es letzten Jahres wurden, so eine Schätzung in der Times of Israel, zwischen 1300 und 1500 Hisbollah-Kämpfer in Syrien getötet. Die Terrororganisation verlor im Mai auch einer höchsten militärischen Kommandeure, Mustafa Badreddine, unter mysteriösen Umständen am Flughafen in Damaskus.

Vor kurzem waren Hisbollah-Kämpfer massgeblich an Operationen in der Nähe von Aleppo in Nordsyrien beteiligt, wobei die Terrorgruppe erhebliche Verluste erlitt. Alleine im Juni starben 26 ihrer Kämpfer. Nichtsdestotrotz haben die syrische Regierung und Hisbollah, mit Unterstützung durch den Iran und Russland, Fortschritte gegen die Rebellengruppen in der Nähe von Aleppo erzielt.

Mordechai Kedar, ein ehemaliger Militärgeheimdienstoffizier und jetziger Hauptdozent an der Bar Ilan-Universität, sagte gegenüber JNS.org, dass die Hisbollah und der Iran Syrien als Gelegenheit sehen, um ihre regionalen Ambitionen voranzutreiben.

„Hisbollah und Iran sehen keine Zukunft für ein zerfallendes Syrien und entschieden sich, das zu tun, was alle anderen tun – sich selber Teile von Syrien ein zu verleiben,“ sagte Kedar. „Die östliche Seite des Golan grenzt an den Libanon und da die Hisbollah sich an der libanesischen Grenze zu Israel befindet, kann sie dies auch an der syrischen Grenze tun.“

„Mit iranischer Unterstützung ist dies viel sicherer als ohne,“ fügte er an.

Die Hisbollah hat ihr Waffenarsenal, seit dem letzten Konflikt mit Israel im Jahr 2006, massiv aufgerüstet. Gemäss dem Washington Institute for Near East Policy verfügte die Hisbollah 2006 über ungefähr 13’000 Kurz- und Mittelstreckenraketen. Heutzutage aber „könnte sie über mehr als 100’000 Raketen verfügen, inklusive zahlreicher Langstreckensystemen und Flugkörper mit einer erhöhten Zielgenauigkeit. Dies erlaubt es ihr, ganz Israel mit erhöhter Präzision zu treffen.“

Daoud von der Foundation for the Defense of Democracies sagte: “ Israel ist besorgt über die Hisbollah-Aufrüstung in Syrien. Dazu zählt die Ausnutzung des Kriegschaos, um sogenannte „bahnbrechende“ Waffen zu akquirieren aber auch ihre Verschanzung vis-à-vis der israelischen Golanhöhen. Israel nennt dies seine „rote Linie“ in Syrien und hat seine Besorgnis bereits mit Moskau diskutiert.“

Im Laufe des Bürgerkriegs hat Israel wiederholt Ziele angegriffen, die mit der Hisbollah zusammenhängen; darunter Waffenlieferungen oder Hisbollah-Anführer. Damit soll verhindert werden, dass die Terrororganisation den Bürgerkrieg nutzt, um ihr Arsenal weiter zu vergrössern.

„Israel ist wiederholt gegen die Hisbollah vorgegangen, wenn sie diese ‚roten Linien‘ verletzt, etwa durch Angriffe gegen Waffenlieferungen an die schiitische Organisation, solange sich diese noch in Syrien befanden,“ sagte Daoud. „Sie haben auch Angriffe gegen Hisbollah- und IRGC-Kommandeure, durchgeführt die versuchten, eine zweite Front gegen die Israelis in Syrien aufzubauen – unter anderem gegen Jihad Mugniyeh, Mohammad Issa und Samir Kuntar, und – mit einiger Wahrscheinlichkeit – gegen Mustafa Badreddine.“

Während die Bedrohung durch eine zweite Hisbollah-Front gegen Israel in den Golanhöhen anhält, gibt es auch andere aktiven Gruppen in der Gegend, etwa die Free Syrian Army, der Islamische Staat (Yarmouk Märtyrerbrigade) und die Southern Front.

Daoud schränkt zudem ein, dass der Bericht über die Hisbollah-Aufrüstung in den Golanhöhen „mit Skepsis betrachtet werden muss“, da Pro-Assad-Kräfte, inklusive Hisbollah, von den schweren Kämpfen in der Aleppo-Gegend gebunden sind.

„Letzten Monat gab es einen weiteren Bericht, demzufolge Assad Hisbollah-Einheiten in den Süden schicken würde,“ sagte Daoud. „Aber als die entscheidende Aleppo-Operation nicht so reibungslos voranging, wie das Regime und seine Verbündeten erhofft hatten, ist es – auch angesichts der hohen Opferzahl – zweifelhaft, dass sie Einheiten aus der Gegend abziehen und in den Süden schicken würden.“

Auf Englisch zuerst erschienen bei JNS.org. Sean Savage ist Nahostexperte und Mitherausgeber von JNS.org.