Das Auto der Familie Mark nach dem Anschlag. Foto IDF
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Nach dem Anschlag auf Rabbi Michael Mark mit Schusswaffen aus einem vorbeifahrenden Auto heraus, eilten zwei Palästinenser den Verletzten im umgestürzten Auto zu Hilfe. Nahe Hebron war bei dem Anschlag der Rabbiner durch Schüsse eines Mitglieds der offiziellen palästinensischen Sicherheitskräfte getötet worden, während seine Frau Havi schwer verletzt wurde. Die Kinder erlitten leichte Verletzungen, weil sich das Auto überschlagen hatte.

Ein Palästinenser mit dem Namen „J.“ sah das Auto und eilte sofort herbei, um den Verletzten zu helfen und sie aus dem überschlagenen Auto zu ziehen. Ein palästinensischer Arzt, Dr. Ali Shroukh, leistete Erste Hilfe und versuchte andere Palästinenser fern zu halten, die ihm vorwarfen, Juden zu helfen.

“Ich sah ein umgestürztes Auto. Sofort stoppte ich, um den Verwundeten Hilfe zu leisten. Ich kümmerte mich nicht um mein Leben oder das Leben meiner Familienmitglieder und glaubte nicht, dass wir gefährdet wären. Ich bin ein Arzt und meine erste Priorität ist es, Notleidenden zu helfen”, sagte Shroukh der Nachrichtenagentur Maan.

Der Palästinenser „J.“ wurde inzwischen „wegen Kürzungen“ von seinem Arbeitsplatz bei der palästinensischen Autonomiebehörde entlassen. Doch ausser ihm wurde kein weiterer Angestellter entlassen. Ein Verwandter erzählte, dass er und seine Familie seit dem Vorfall ständig bedroht und beleidigt werden würden. Aber das würde ihn nicht davon abhalten, wieder so zu handeln.

Der Arzt soll ebenfalls entlassen worden sein.

Der Landkreisvorsitzende der Siedlungen aus der Gegend südlich von Hebron, Yochai Damari, sagte, dass er sich mit dem Araber und seiner Familie getroffen hätte und sich darum bemühe, für ihn eine Arbeitserlaubnis in Israel zu bekommen. „Gerade in Zeiten wie diese müssen wir die guten Kräfte stärken und zeigen, dass gute Taten wie diese von uns anerkannt und belohnt werden“, sagte er.

Damari hat zusammen mit der Justizministerin Ayelet Shaked die Gegend besucht. Beide wollten sich an das Verteidigungsministerium wenden, um für den Arzt und dem helfenden Palästinenser eine Einreisegenehmigung nach Israel zu erhalten. Shaked wolle die Angelegenheit auch in der UNO auf die Tagesordnung setzen, um Druck auf die palästinensische Autonomiebehörde auszuüben, Helfer nicht wegen humanitärer Hilfe zu bestrafen.

Die verletzten Familienangehörigen des ermordeten Rabbi Mark sagten nach dem Vorfall: „Gott schickte uns Araber, um uns zu helfen“. Auf Facebook weigerten sie sich, „Araber“ pauschal zu verurteilen. Schuld seien vielmehr „Terroristen“. „Nicht alle Araber sind Terroristen. Ich sage das aus Erfahrung“, schrieb Yisca, die Schwester der schwerverletzten Havi Mark.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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