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Als die Muslimbruderschaft in Ägypten gegen die Absetzung von Präsident Muhammad Mursi durch den Militärputsch des derzeitigen Präsidenten Al Sisi protestierte, sah man es tausendfach auf den Strassen: Statt der zwei Finger des säkularen „Victory“ wurden 4 Finger gezeigt, eine schwarze Hand mit eingeschlagenem Daumen auf gelbem Grund.

Es war das Zeichen der Muslimbrüder. 2013 wurde der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan gefilmt, als er weinend über den Tod von Asmaa el Beltagy trauerte. Die junge Demonstrantin war vor der Rabaa al-Adawiya Moschee in Kairo erschossen worden. „Rabaa“ bedeutet auf Arabisch „vier“ und deshalb die vier Finger als Zeichen der Solidarität für die Muslimbrüder und die Islamisten. Das Symbol verbreitete sich in der ganzen muslimischen Welt.

Demonstranten in Kairo am 23. August 2013. Foto PD
Demonstranten in Kairo am 23. August 2013. Foto PD

Jetzt, nach dem erfolgreichen Niederschlagen des Militärputsches, trat Präsident Erdoğan auf, im Massanzug und mit einem karierten Arbeiterhemd ohne Krawatte. So demonstrierte er „Volksnähe“. Und wieder zeigte der türkische Präsident für alle sichtbar seine Solidarität mit den islamistischen Muslimbrüdern. Zu Beginn seiner Rede, als er sich an „meine lieben Brüder“ wandte, winkte er mit seiner Hand, mit vier ausgestreckten Fingern und einem weggedrehten Daumen.

Erdogan hat das Symbol in seiner Rede mehrfach verwendet und gewiss nicht zufällig. In arabischen Medien wird Erdogans stilles Zeichen ausführlich diskutiert. Im Gazastreifen, wo die Hamas, Ableger der ägyptischen Moslembrüder, herrscht, gab es Jubelfeiern nach dem gescheiterten Putsch in der Türkei. In Ägypten hingegen reagierte Präsident Al Sisi ungehalten.

Auch im Westen spielen solche Symbole eine grosse Rolle, wie das V-Zeichen für „Victory“, von Winston Churchill nach dem 2. Weltkrieg und später von „Friedensbewegten“ in aller Welt verwendet.

In Deutschland kennt jeder die ausgestreckte Hand als Symbol für den Hitlergruss, heute bewusst von der Hisbollah in Beirut und der Hamas sogar mitten in Jerusalem verwendet. Nach der Entführung von drei jungen Israelis im Westjordanland im Juni 2014 war es bei Palästinenser populär, drei Finger hochzuhalten, als Symbol für die drei entführten und ermordeten jungen Israelis.

Und nun macht Erdogan unübersehbar klar, wo er steht. In der arabischen Welt gibt es viele Analphabeten, aber symbolische Handzeichen werden von jedem verstanden. Ob der Westen diese Zeichen der Zeit begreift?

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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2 KOMMENTARE

  1. Auf die letzte Frage: „Ob der Westen diese Zeichen der Zeit begreift?“, antworte ich mit einem klaren Nein! Der Westen hat so viel wie gar nichts verstanden! Es wird, aus welchen Gründen auch immer, weggeschaut und schöngeredet. Die Zeichen der Zeit werden viele zu spät erkennen – müssen.

    • Lieber JK, leider sehe ich das ganz genau so und leider werden unsere Kinder und Enkel das ausbaden müssen, wenn nicht noch das Wunder der Erleuchtung geschieht

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