Die türkische Botschaft in Tel Aviv. Foto Gad Amiton/TPS
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Türkische und israelische Regierungsbeauftragte haben angekündigt, am Sonntag mit einer Reihe von Treffen zu beginnen mit dem Ziel, ein Normalisierungsabkommen zwischen den zwei Ländern abzuschliessen. Das Abkommen soll im Juli ratifiziert und unterzeichnet werden.

von Michael Zeff/TPS

Allerdings muss auch heikle Thema Hamas geklärt werden. Die Terrororganisation, die im Gazastreifen herrscht, hat mehrere hochrangige Mitglieder in der Türkei untergebracht.

Seit Jahren fordert Israel die Schliessung des Büros der Hamas in Ankara und die Ausweisung aller Beamten der Hamas aus der Türkei. Die Türkei dagegen besteht auf der Aufhebung der Blockade des Gazastreifens durch Israel.

Während einer Pressekonferenz in Nordzypern am Mittwoch wurde der türkische Aussenminister Mevlüt Çavuşoğlu von mehreren Reportern zum Durchbruch bei den Verhandlungen mit Israel und dem bevorstehenden Normalisierungsabkommen befragt.

„Ich glaube nicht, dass es ein Problem mit der Hamas gibt. Wir verfügen über Kontakte zur Hamas und wir werden uns weiterhin mit der Hamas treffen – das ist keineswegs ein Geheimnis“, so Çavuşoğlu. „Die Hamas ersucht genau wie die Türkei eine Normalisierung der Beziehungen mit Israel, also ist es nicht länger notwendig, dass wir unseren Kontakt mit der Hamas abbrechen, um eine Einigung mit Israel zu erreichen.“

„Nach jahrelanger Feindschaft zwischen den aktuellen Regierungen beider Länder sind sie nun endlich bereit zu einer tatsächlichen Einigung“, erklärte Dr. Ofer Israeli, Experte für israelisch-türkische Beziehungen am IDC Herzliya, gegenüber der Nachrichtenagentur Tazpit (TPS).

„Beide Seiten, aber vor allem die Türkei, verstehen, dass sie zu diesem Zeitpunkt keine günstigeren Bedingungen aushandeln können und dass sie einander brauchen, und die Türkei braucht Israel mehr denn je“, behauptete er.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu ernannte den früheren Generaldirektor des Aussenministeriums Joseph Ciechanover als seinen Vertreter bei den Gesprächen. Ciechanover diente zuvor als Israels Vertreter im Untersuchungsausschuss der Vereinten Nationen zur türkischen Flottille in Richtung Gaza, ein Vorfall, der die Beziehungen zwischen Israel und der Türkei weiter anspannte und zum Tod von neun türkischen Staatsangehörigen führte. Das israelische Aussenministerium lehnte eine Stellungnahme zu den Verhandlungen ab.

„Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sieht sich als muslimischer Führer, und die Türkei wird ihre Beziehungen mit islamistischen Bewegungen im Nahen Osten, einschliesslich der Hamas, fortsetzen, solange er im Amt ist. Meines Erachtens nach wird Israel sich mit der Ausweisung einiger wichtiger Beamter der Hamas aus der Türkei zufriedengeben. Und die Türkei wird dem zustimmen“, so Ofer Israeli.

Minister Çavuşoğlu äusserte sich diplomatisch auf Fragen zur Forderung der Türkei, die Blockade des Gazastreifens aufzuheben, und beschränkte sich auf die Aussage, dass er die Aufhebung von „Beschränkungen“ des Gazastreifens erwarte.

„Teil der Vereinbarung mit Israel ist der Transfer von Beihilfen, Gütern und Ausrüstung nach Gaza, natürlich durch Israel und von Israel, aber türkische Güter werden die Hamas erreichen“, erklärte Ofer Israeli.

„Die Türkei blockiert die Ausweitung der Kooperation Israels mit der NATO – eine Partnerschaft, die sowohl für Israel als auch die NATO wichtig und von strategischer Bedeutung ist. Es lohnt sich für Israel, seine Anforderungen hinsichtlich der Beziehungen der Türkei mit der Hamas als Gegenleistung für die Unterbindung des Drucks seitens der Türkei innerhalb der NATO zu senken“, führte Dr. Israeli aus.

„Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern werden sich definitiv verbessern, aber es wird nie mehr so sein wie vorher. Wir werden auf keinen Fall mehr erleben, wie israelische Luftgeschwader im Anatolischen Gebirge trainieren“, schlussfolgerte er.

Inzwischen bezog auch Khaled Mashal, der politische Führer der Hamas, zum israelisch-türkischen Abkommen Stellung. Er erklärte laut Al-Jazeera am Mittwoch: „Israel nutzt regionale Konflikte dazu aus, sich gegenüber einigen beteiligten Parteien als unverzichtbarer Akteur und Partner zu präsentieren.“