Mutter von ermordetem Teenager vereint Jerusalem

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Rachel Fraenkel. Foto Jonathan Benedek/TPS
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Der vor zwei Jahren aus Anlass der Ermordung dreier israelischer Teenager durch Terroristen der Hamas ins Leben gerufene „Jerusalem Unity Prize„, wurde letzte Woche in der Residenz des Präsidenten verliehen. Der Preis ehrt Organisationen, die wichtige Beiträge für die Einheit Israels und die jüdische Welt insgesamt geleistet haben.

von Jonathan Benedek/TPS 

„Der Jerusalem Unity Prize und der Jerusalem Unity Day, den wir heute begehen, ist ein Tag, der uns dazu einlädt, unsere „Zusammengehörigkeit“ aus freien Stücken zu erhalten“, sagte Präsident Reuven Rivlin in seiner Ansprache.

„Der Bürgermeister von Jerusalem, Nir Barkat, trat während der Schiwa [der Trauerzeit] an uns heran und schlug uns vor, bei so etwas mitzumachen“, berichtete Rachel Fraenkel, die trauernde Mutter des ermordeten Teenagers Naftali Fraenkel der Nachrichtenagentur Tazpit (TPS).

„Aus dem Ganzen entwickelte sich der Jerusalem Unity Prize und mit der Hilfe der Organisation Gesher dann der Jerusalem Unity Day, sodass wir heute besondere Aktivitäten für Einheit und Zusammenhalt durchführen“, erklärte sie weiter.

Barkat war während der Trauerzeit an die Familien der Teenager herangetreten, als er nach der Entführung der Jugendlichen Zeuge des grossen Wir-Gefühls der Menschen in der israelischen Gesellschaft geworden war.

„Während dieser schwierigen Tage der Unsicherheit über das Schicksal der drei Jungen sahen wir, wie alle Menschen Israels – Konfessionslose, Ultraorthodoxe, Junge, Alte, Rechte und Linke – zusammen beteten, Schulter an Schulter, und so ein aussergewöhnliches Beispiel für die Stärke des Zusammenhalts in Israel gaben“, berichtete Barkat bei der Verleihungszeremonie.

„Einige Tage später, während der Trauerwoche für die Jungen, hatte ich das Gefühl, dass die Brücken, die die Familien in einer der für sie schwierigsten Zeiten zwischen den unterschiedlichen Bereichen der israelischen Gesellschaft gebaut hatten, erhalten werden müssen und dass wir noch mehr solcher Brücken errichten müssen“, fügte Barkat hinzu.

Jerusalem Unity Prize Award 2016. Foto Sasson Tiram
Jerusalem Unity Prize Award 2016. Foto Sasson Tiram

Als Barkat mit der Idee für den Jerusalem Unity Prize an sie herantrat, hatte Rachel Fraenkel bereits das Bedürfnis gehabt, etwas tun zu wollen.

„Wir waren uns der besonderen Stimmung bewusst, die sich in diesem Sommer entwickelt hatte und wir hatten das Gefühl, etwas zurückgeben zu müssen und zu versuchen, diesen Geist lebendig zu erhalten“, sagte Fraenkel.

Abgesehen von der Preisverleihung kommt diese besondere Stimmung, die Fraenkel anspricht, am Jerusalem Unity Day durch eine Fülle von Events und Aktivitäten zum Ausdruck, die das Konzept der Einheit in Israel und der jüdischen Welt fördern.

„Jüdische Gemeinschaften sind aktiv, um unterschiedliche Arten von Juden zusammenzubringen – sowohl im Staat Israel durch Bildungseinrichtungen, die Armee, Jugendbewegungen und die Erwachsenenbildung, als auch in 25 weiteren Ländern rund um den Globus“, erläuterte Fraenkel.

„In Israel gehören auch andere Bevölkerungsgruppen wie Drusen, Araber und Menschen, die aus anderen Gründen, wie z. B. besonderem Förderbedarf, marginalisiert werden, dazu und wir hoffen, dass sich aus dem Schmerz schliesslich etwas Gutes und Schönes entwickeln wird.“

Rachel Fraenkel stellt fest, dass immer, wenn die Menschen in Israel auf diese schmerzliche Zeit zurückschauen, sie sich gleichzeitig auch jedes Mal an dieses schöne Einheitsgefühl erinnern, das im Land herrschte und daran, dass es eine Motivation für künftige Herausforderungen ist.

„Wenn Menschen sich an diese Zeit zurückerinnern, sehe ich, dass sie sich an die Tragödie erinnern und manchmal haben sie Tränen in den Augen. Aber gleichzeitig haben sie auch ein gutes Gefühl, wenn sie daran denken, wer wir als Einzelpersonen und als Volk waren und dass wir fähig waren, uns miteinander zu verbinden, uns umeinander zu kümmern und offen für andere Menschen zu sein“, so Fraenkel weiter.  „Das ist etwas, an das wir uns gerne erinnern, um auch in der Zukunft wieder diesen Punkt erreichen zu können.“

Fraenkel hofft nicht nur auf internen Zusammenhalt unter den Juden, sondern auch auf Einheit mit den arabischen Nachbarn Israels.

„Wenn ich mit meinen Kindern rede, die ihren geliebten Bruder an eine Gruppe von 30 palästinensischen Terroristen verloren haben, die den Angriff organisiert hat, sage ich ihnen, dass ich nicht will, dass sie mit Hass gross werden“, so Fraenkel weiter. „Ich sorge dafür, dass sie den Unterschied zwischen der Hamas und unseren arabischen Nachbarn kennen.“

„Es mag sich wie ein Klischee anhören“, sagt Fraenkel. „Aber es geht einfach darum, sich trotz aller Unterschiede anderen gegenüber öffnen zu können und eine gemeinsame Basis zu finden.“

1 KOMMENTAR

  1. Rachel Fraenkel ist eine bewundernswert starke und kluge Frau. Umso mehr fällt das Fehlen eines Pendant auf der Gegenseite auf.

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