BDS-Aktivisten in Gijón, Spanien im Jahr 2012. Foto Gatestone/BDS
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Als Reaktion auf die weitverbreiteten Bemühungen durch die internationale Bewegung Boycott, Divestment and Sanctions (BDS) Israel zu isolieren, hat eine Reihe von Universitäten rund um den Globus deutlich Stellung für den jüdischen Staat bezogen. 

Von Lea Speyer

Letzte Woche berichtete die israelische Tageszeitung Haaretz, dass Italien die bislang grösste Delegation von Akademikern nach Israel schickt – ein Schritt, der italienischen Offiziellen zufolge in der bewussten Absicht geschieht, gegen BDS Position zu beziehen. Die akademische Gemeinschaftsaktion folgt einer von rund 300 italienischen Akademikern unterzeichneten Petition, die italienische Universitäten dazu aufrief, ihre Vereinbarungen mit israelischen Partner-Universitäten zu kündigen.

„Dies ist ein nie dagewesener Einsatz, um auf ein sehr sensibles Thema konkret zu reagieren. Wir glauben, dass Forschung und Universitäten frei und offen gegenüber jedem Dialog und Austausch sein sollten“ so Francesco Talo, italienischer Botschafter in Israel, gegenüber der Zeitung Haaretz. „Wir fanden, die beste Reaktion sei Aktion: ganz konkret das genaue Gegenteil von dem tun, was einige Leute von uns fordern und stattdessen eine grosse Anzahl italienischer Forscher und Akademiker nach Israel zu bringen. Jeder hat die Freiheit, seine Meinung zu sagen, aber wir werden mit Aktionen darauf antworten.“

Die italienischen Akademiker und ihre israelischen Kollegen haben an einer Reihe gemeinsamer Konferenzen und Kooperationsveranstaltungen teilgenommen, die von Dienstag bis Freitag in ganz Israel stattfanden. Am Donnerstag wurde die gesamte Delegation zu einem Treffen im Peres Center for Peace in Tel Aviv erwartet, wo drei Kooperationsvereinbarungen auf dem Gebiet der Biophysik und Materialwissenschaften zwischen israelischen und italienischen Universitäten unterzeichnet wurden.

Zwischenzeitlich haben in Kanada über 150 Professoren der McGill University in Montreal einen offenen Brief unterzeichnet, in dem BDS verurteilt wird, berichtete die Canadian Jewish News. Das informelle Schreiben folgte einer Erklärung der Rektorin der McGill University, Suzanne Fortier, in der sie die im März bei der Generalversammlung des Wintersemesters 2016 der Studentenverbindung der McGill University ausgesprochene Unterstützung der BDS-Bewegung verurteilte. Fortier sagte, die BDS-Bewegung „läuft der Toleranz und dem Respekt, die wir als grundlegende Werte einer Universität schätzen, absolut zuwider. Sie schlägt Massnahmen vor, die in völligem Widerspruch stehen zu den Prinzipien akademischer Freiheit, Gleichheit, Nichtausgrenzung und dem Austausch von Meinungen und Ideen in einem verantwortungsvollen und offenen Diskurs.“

Der Brief unterstützt Fortiers Erklärung gegen die BDS-Bewegung und die Unterzeichnenden beglückwünschen die Vertreterin der McGill University für ihren „couragierten Standpunkt“. Auszugsweise heisst es in dem Brief:

Auch wenn wir als Unterzeichner viele unterschiedliche Meinungen über Israel vertreten und wir die Notwendigkeit einer intensiven Debatte über die Politik jeden Landes, einschliesslich Israels, bekräftigen, sind wir uns einig, dass sich die BDS-Bewegung in ihrer Tonalität und ihrer Taktik eindeutig traditioneller antisemitischer Besessenheit und Rhetorik bedient. Als Pädagogen sorgen wir uns, wenn unsere Studenten uns berichten, welch unangenehme Gefühle ihnen die zunehmend aggressive Verfolgung des anti-israelischen Boykotts beschert, die sich in den wiederholten Versuchen, ihn durch die Abstimmung zu bringen – gleichgültig, wie oft seine Anhänger scheiterten – widerspiegelt.

Wir alle müssen unser Engagement zur Bekämpfung von Bigotterie jeglicher Art bekräftigen, auch wenn sie sich hinter einer Maske von Menschenrechts-Rhetorik verbirgt oder in Gesellschaft politischer Positionen auftaucht, die wir möglicherweise unterstützen. Wir haben versagt, wenn sich unsere Studenten in unserer Universität nicht absolut sicher und geschützt fühlen – und die BDS-Bewegung hat dazu geführt, dass sich Studenten der McGill University unsicher, nicht unterstützt und unwillkommen in ihrer und unserer akademischen Heimat fühlen.

In Schottland hat der Beirat der Edinburgh University Students‘ Association (EUSA) im März die Genehmigung eines vom Studentenrat gestellten BDS-Antrags abgelehnt. In einer letzte Woche von der EUSA veröffentlichten Erklärung verkündeten die Beiratsmitglieder, dass „der BDS-Antrag, so wie er formuliert ist, nicht legal von der EUSA durchgesetzt werden kann.“

Die Israel Engagement Society (IES) der Universität von Edinburgh lobte die Entscheidung der EUSA und sagte in einer Stellungnahme: „Die IES ist fest davon überzeugt, dass BDS eine gefährliche, spaltende und diskriminierende Kampagnentaktik ist, die die Untergrabung von Friedensgesprächen und den Zusammenhalt auf dem Campus gefährdet. Dies haben wir auch in Zusammenarbeit mit anderen Gruppen besorgter Studenten in unserer Erklärung gegenüber der EUSA deutlich gemacht. Die Ablehnung des Antrags durch die EUSA folgt den richtungsweisenden Entscheidungen anderer Universitäten, die die Unrechtmässigkeit von BDS und die deutliche Gefahr einer gesteigerten Intoleranz gegen Minderheiten auf dem Campus erkannt haben.“ Auch wenn dem BDS-Antrag nicht stattgegeben wird, so sagte die IES, wird die Internetseite der EUSA auch weiterhin anzeigen, dass das Referendum des Studentenrats verabschiedet wurde.

In New York gab vergangene Woche die Cornell Tech die Ernennung eines neuen Direktors für das Joan & Irwin Jacobs Technion-Cornell Institute bekannt. Das von dem weltweit renommierten Wissenschaftler für künstliche Computerintelligenz, Ron Brachman, geleitete Zentrum wurde 2011 als akademische Partnerschaft zwischen der Cornell University und dem Technion, der Technischen Universität Israels, ins Leben gerufen.

Die palästinensische Kampagne für den akademischen und kulturellen Boykott Israels (Palestinian Campaign for the Academic and Cultural Boycott of Israel, PACBI) verurteilte die Partnerschaft mit dem Technion 2012 aufs Schärfste und gab an, sie sei „zutiefst beunruhigt“ über die Zusammenarbeit und appellierte an die Cornell University, die Beziehungen zur Technischen Universität Israels zu beenden. Die PACBI beschuldigte beide Institutionen, „an den israelischen Verstössen gegen internationales Recht und die Rechte der Palästinenser“ mitschuldig zu sein und „ … alle Bürger New Yorks sollten mit Recht empört sein, dass ihre Steuergelder in den Dienst eines solchen Unterfangens gestellt werden.“

In den vergangenen Jahren hat die BDS-Bewegung weltweit von Hochschulen und Akademikern eine Welle der Unterstützung erfahren. Namhafte akademische Organisationen, wie z. B. die American Studies Association, die African Literature Association, die Teachers Union of Ireland und die National Women’s Studies Association, haben sich für die Unterstützung des akademischen Boykotts gegen Israel ausgesprochen.

In englisch zuerst erschienen bei The Algemeiner.