Foto Niod / Instituut voor Oorlogs-, Holocaust- en Genocidestudies
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Der Monitor für antisemitische Vorfälle des Zentrums für Information und Dokumentation Israel (CIDI), verzeichnete im Jahr 2015 mehr antisemitische Vorfälle an niederländischen Schulen als in den vergangenen zehn Jahren.

Die Gesamtzahl antisemitischer Vorfälle in den Niederlanden ging jedoch etwas zurück. 2015 registrierte das CIDI insgesamt 126 Vorfälle; das sind 26 Prozent weniger als im Spitzenjahr 2014, aber dies liegt immer noch über dem „normalen“ Niveau. Die geringere Gesamtzahl der Vorfälle lässt sich vor allem auf einen Rückgang der Beschimpfungen auf der Strasse und die Abnahme der Anzahl von Hassmails zurückführen; andere Arten von Vorfällen blieben gleich hoch oder nahmen gar zu.

Die Zahl der antisemitischen Vorfälle an Schulen war seit zehn Jahren nicht so hoch wie 2015. Das CIDI verzeichnete 16 Vorfälle an „Schulen“, von der Grundschule bis zur Universität. Es ist das dritte Jahr in Folge, in dem Vorfälle in und im Umfeld von Schulen zunahmen. Die Leiterin des CIDI, Hanna Luden, spricht von einem „besorgniserregenden Trend“. „Durch antisemitische Vorfälle wird die sichere Lernumgebung der Lernenden gefährdet und ein Anstieg verheisst wenig Gutes für die Zukunft“, so Luden.

Auch antisemitische Sprechchöre beim Fussball stuft das CIDI weiterhin als besorgniserregend ein. In der Kategorie „Sport“ hat sich die Zahl der Vorfälle verdoppelt. Das CIDI zählte 2015 zehn Vorfälle, gegenüber fünf im Vorjahr. Nahezu alle Vorfälle im Sport ereigneten sich rund ums Fussballfeld. Anders als erwartet, handelt es sich bei rund der Hälfte der Fälle nicht um Schmähgesänge bei Spielen gegen AJAX. 2016 haben sich die Clubs der Oberliga mit dem niederländischen Fussballbund KNVB und dem Oberligaverband Eredivisie CV auf einen besseren Umgang mit dem Problem verständigt. Nach Ansicht des CIDI ist hier eine strenge Überwachung notwendig.

Die Zahl der Vorfälle mit Personen aus dem „eigenen Umfeld“ stieg stark an. 2015 waren es 36, die höchste Anzahl seit 2011 und 20 % mehr als im Jahr zuvor (30). Hierbei handelt es sich z. B. um Vorfälle mit Kollegen, Nachbarn oder Mitschülern.

Ansonsten bleiben Vorfälle im Zusammenhang mit Vandalismus und Gewalt relativ hoch. 2015 wurde in fünf Fällen körperliche Gewalt angewendet (nur einer weniger als im Vorjahr). So wurde in Arnheim ein jüdischer Junge beim Ausgehen von mehreren Tätern als „Drecksjude“ beschimpft, zu Boden geworfen und geschlagen. In Amsterdam wurde eine Frau antisemitisch beschimpft und am Hals gepackt und in Enschede zog sich ein Mann bei einer Auseinandersetzung mit einem Lieferanten, der ihm „Sieg Heil“ zurief, mehrere Brüche im Handgelenk zu. In keinem dieser Fälle wurde ein Täter ermittelt oder verfolgt.

Das CIDI fordert Massnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung des Antisemitismus an Schulen. Es empfiehlt ein Unterrichtsprogramm aufzustellen, bei dem allen Schülerinnen und Schülern schon von klein auf niederländische Grundwerte wie Demokratie, Akzeptanz und gegenseitiger Respekt vermittelt werde.

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