Jüdische Besucher auf dem Tempelberg. Vorne der Felsendom. Foto Sliman Khader/Flash90
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Hunderte religiöse Juden haben am Montag ihren Besuch des Tempelbergs im Rahmen der Feierlichkeiten zum Pessachfest fortgesetzt, trotz ausdrücklicher Drohungen durch Jordanien am gleichen Morgen.

von Michael Bachner/TPS

Fünf Juden wurden aufgrund von mutmasslichen Verstössen gegen die dort geltenden strengen Regeln des Ortes verwiesen, ähnlich wie es 13 Anderen bereits am Sonntag erging.

Die jordanische Regierung gab eine scharfe Erklärung heraus, in der sie Israel vor „ernsten Konsequenzen“ für etwas warnte, was sie als „Invasion von Siedlergruppen und israelischen Besatzungskräften in die al-Aqsa-Moschee“ beschrieb.

“Israelische Vergehen gegen Gläubige an diesem heiligen Ort sind Verstösse gegen internationales Recht und geltende Übereinkommen und könnten gefährliche Konsequenzen nach sich ziehen“, drohte der Sprecher der jordanischen Regierung, Mohammad al-Momani in einer Erklärung gegenüber jordanischen Medien.

Al-Momani verlangte, dass “israelische Besatzungsbehörden ein solches Vorgehen umgehend beenden und Siedlern und israelischem Militär keinen Zutritt zu den Höfen des Heiligtums gewähren sowie palästinensischen Gläubigen erlauben, die Moschee zu betreten.“

Nicht-Muslimen ist der Zutritt zu dem umstrittenen Bereich nur während bestimmter Uhrzeiten und nur durch ein einziges Tor gestattet, obwohl die Stätte Juden und Muslimen gleichermassen als heilig gilt.

Für religiöse Juden gelten zusätzliche Beschränkungen. Sie werden in kleine Gruppen aufgeteilt, während ihres Besuchs genau von Polizisten und Mitgliedern der jordanischen Waqf (eine Art Stiftung des islamischen Rechts. Anm.d.Red.) überwacht und folgen einer örtlich und zeitlich von der israelischen Polizei vorgeschriebenen Route. Die Beschränkungen verbieten auch Gebete bzw. allein schon der Anschein von Gebeten, Verneigen, Singen, Trinken von Wasser aus Brunnen oder Beschreiten anderer Wege als die der Gruppe.

Die israelische Polizei hat ihre Präsenz in Jerusalem während dieser Festwoche durch über tausend zusätzliche Polizisten, die in der Stadt patrouillieren, verstärkt.

Nach Angaben der Polizei und von Tempelberg-Rechtsgruppen, betraten 204 Juden das Gelände des Tempelbergs während der Besuchszeiten am Montag. Nach Angaben der Tempelberg-Rechtsgruppen kamen 78 der Juden nur sehr kurz hinein, ehe sie von der Polizei wieder hinaus eskortiert wurden. Etwa 20 weiteren Juden wurde der Zugang zum Gelände völlig verwehrt.

Im gleichen Zeitraum besuchten nach Polizeiangaben 638 Touristen die Stätte. Muslime haben dort relativ freien Zugang und muslimische Besucher werden von der Polizei nicht zahlenmässig erfasst.

In der Zwischenzeit versammelten sich viele Tausend orthodoxe Juden zum traditionellen priesterlichen Segen, der in den vergangenen 40 Jahren an jedem Pessach- und Laubhüttenfest erteilt wurde und an dem die Oberrabbiner Israels teilnahmen, auf dem angrenzenden Gelände vor der Klagemauer.