Barack Obama und Benjamin Netanyahu im King David Hotel in Jerusalem, 22. März 2013. Foto White House/Pete Souza

Die Spannungen zwischen Barack Obama und Benjamin Netanjahu haben den Austausch zwischen Israel und den USA zwar belastet, aber auch aus Eigeninteresse haben die Amerikaner parallel dazu die Militärbeziehung zu Israel nicht gebremst, sondern sogar hochgefahren. Denn ohne israelische Hightech wäre die Entwicklung von modernen Abwehrsystemen wie die Eisenkappe kaum denkbar. Und diese sind auch für die Amerikaner von höchstem Wert.

Kooperation mit Moskau
Gleichzeitig wurde Israels Position im Spannungsfeld zwischen Washington und Moskau wie auch zum Fernen Osten gestärkt. Denn da zwischen den USA und Russland vor allem in Syrien gewisse Meinungsverschiedenheiten existieren, boten die schlechten Beziehungen Netanjahus mit dem US Präsidenten für die Israelis eine einmalige Chance, hier eigene, höchst pragmatische Wege zu gehen. Moskau und Jerusalem koordinieren ihre Tätigkeit über dem Luftraum Syriens schon seit längerem, da beide Seiten dort keinen „irrtümlichen Zusammenstoss“ ihrer Kampfflugzeuge wünschen. Die fast überstürzte Visite von Staatspräsident Reuven Rivlin in Moskau macht die Prioritäten deutlich – eine lang geplante Staatsvisite in Australien wurde dafür kurzerhand abgesagt. Auch das bevorstehende Treffen Putin/Netanjahu am 21. April zeigt, dass sich da über die Jahre fast intime Beziehungen angebahnt haben. Eine Annäherung zwischen Israel und Moskau hatte schon Aussenminister Avigdor Lieberman eingeleitet. Der konnte ohne Dolmetscher mit Putin Vodka trinken.

Neue Partner finden
Von den USA weniger abhängig zu sein, bedeutet für Israel auch, sich in Asien neue Partner suchen zu können, speziell China und Indien.

Auf Hightech spezialisierte israelische Blogs und Israels Universitäten betonen die zahlreichen gemeinsamen Entwicklungsprojekte mit den Chinesen. Peking investiert kräftig in Israel, will die Eisenbahnstrecke von Tel Aviv nach Eilat bauen und kauft jetzt sogar die Kosmetikfirma „Ahava“ auf, ein Aushängeschild Israels. Ob und wie beide Länder auch militärisch kooperieren, ist weniger bekannt. Vor einigen Jahren noch hat die damalige US-Aussenministerin Condoleezza Rice den Israelis verboten, eine typisch israelische Miniversion des Awacs-Aufklärungsflugzeugs zu verkaufen. Rice argumentierte, dass das israelische Flugzeug auch amerikanische Komponenten enthalte und deshalb nicht an Länder weitergegeben werden dürfe, durch die „unsere Jungs getötet werden könnten“. In der damaligen Clinton-Administration befürchtete man offensichtlich den Ausbruch eines (Welt-)Kriegs zwischen China und den USA.

Wirtschaftliche Kontakte ausbauen
Heute bauen die Israelis eigene erfolgreiche Waffensysteme. Für gutes Geld geben sie die an viele Interessierten weiter, auch ohne die Amerikaner um Erlaubnis bitten zu müssen. Zum Beispiel die hochentwickelten Heron-Drohnen, die sowohl der Aufklärung, wie bewaffnet für Angriffe dienen. Bekannte Kunden sind die Schweiz, die Bundesrepublik und zuletzt auch Indien, das gleich 10 bewaffnete Heron-Drohnen für 400 Millionen US-Dollar erwarb. Nicht von ungefähr ist Israel auf Militärausstellungen in Singapur, Thailand und anderswo im Fernen Osten präsent. Wie kürzlich das israelische Verteidigungsministerium bekannt gab, geht der Grossteil der Rüstungsexporte nach Asien und dem Pazifik, in Höhe von 2,3 Milliarden US-Dollar, gefolgt von Europa, das von Israel Waffen und militärische Dienstleistungen im Wert von 1,6 Mrd. US Dollar bezieht.

Neben den Militärkontakten sind die engen Beziehungen zwischen Israel und den fernöstlichen Grossmächten auch durch vielfältige wissenschaftliche Kooperationen und einen nicht abreissenden Strom von Besucherdelegationen bis hin zu Regierungschefs und Ministern gekennzeichnet. Hinzu kam: Jeder Versuch von Seiten westlicher Aktivisten, israelische Firmen oder Wissenschaftler zu boykottieren, führte nur zu einer weiteren Vertiefung der Beziehungen im Asiatischen Raum.

Alles andere als isoliert
Im Vergleich zu früheren Jahren, in denen Israel fast völlig isoliert war und auch von den sogenannten „blockfreien“ Staaten wie Indien weitgehend gemieden worden ist, hat sich Israel hier einen zentralen Platz in der Welt erobert und ist daher keineswegs nur von den USA als „einzigem“ Verbündeten abhängig.

Über Ulrich W. Sahm

Ulrich W. Sahm, Sohn eines deutschen Diplomaten, belegte nach erfolgtem Hochschulabschluss in ev. Theologie, Judaistik und Linguistik in Deutschland noch ein Studium der Hebräischen Literatur an der Hebräischen Universität in Jerusalem. Seit 1975 ist Ulrich Sahm Nahost-Korrespondent für verschiedene deutschsprachige Medien und berichtet direkt aus Jerusalem.

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6 KOMMENTARE

  1. „zwischen den USA und Russland vor allem in Syrien gewisse Meinungsverschiedenheiten existieren“
    Ah ja? Nicht vor allem wegen der Krim-Annektion und Aggression gegen die Ukraine?
    Und „gewisse Meinungsverschiedenheiten“ haben auch was an sich 🙂

  2. „ohne israelische Hightech wäre die Entwicklung von modernen Abwehrsystemen wie die Eisenkappe kaum denkbar“
    Wohl ‚ohne amerikanische Mitfinanzierung‘, oder?

    „Gleichzeitig wurde Israels Position im Spannungsfeld zwischen Washington und Moskau wie auch zum Fernen Osten gestärkt.“
    Wie gestärkt? Indem Israel – wie geladenes Staubteilchen im Plattenkondensator – näher an Moskau „auf Washingtons Kosten“ heranrückt? Ist das Ihr Ernst?
    Wie man es auch dreht und wendet, ist die Diversifizierung davon unabhängig. Die ist das Gebot der Stunde und geht mit der Globalisierung einher. Man sucht neue Wege nach Asien auch wegen der Europa-Haltung…

    „Denn da zwischen den USA und Russland vor allem in Syrien gewisse Meinungsverschiedenheiten existieren, boten die schlechten Beziehungen Netanjahus mit dem US Präsidenten für die Israelis eine einmalige Chance, hier eigene, höchst pragmatische Wege zu gehen.“
    Der Satz ist einfach enttäuschend 🙁 Regierungschefs kommen und gehen, doch Amerika war, ist und bleibt in absehbarer Zeit der wichtigste Partner und Unterstützer. Russland dagegen – gelinde gesagt – eine latente Destabilisierungsbedrohung.
    Israel hat aber dessen Votum am 29.11.1947 nicht vergessen; außerdem kamen 1882-2003 von da aus fast 1,5 Mio. Menschen her. Dementsprechend verhält sich Israel stets nüchtern und zurückhaltend. Und wenn es um Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit den russischen Aktivitäten in Syrien geht, ist es einfacher sie direkt mit Moskau statt über Washington zu besprechen.

    „Die fast überstürzte Visite von Staatspräsident Reuven Rivlin in Moskau macht die Prioritäten deutlich – eine lang geplante Staatsvisite in Australien wurde dafür kurzerhand abgesagt.“
    Erstens bleibt unbekannt, was dazu wirklich geführt hat. Der Kreml will keine
    Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Türkei, ihm nimmt das
    Leviathan-Gasfeld die Ruhe, der könnte auch das russische Lebensmittel-Embargo
    gegen den Westen als Köder nutzen etc. Zweitens liefert doch Australien keine S-300
    an den Iran, baut keinen Platzdarm in unmittelbarer Nähe aus, legt den Finger in die syrische Wunde auch nicht… Bedenkt man allerdings die bescheidenen (sicherheits- und außen-)politischen Kompetenzen von Rivlin, scheinen auch humanitäre Angelegenheiten plausibel zu sein. Was den Zeitpunkt des Visits angeht, kennt sich der Kreml in den Inszenierungen bestens aus: Man hebt eigene Bedeutung hervor, erhält Spannungen zwischen Rivlin und Netanjahu aufrecht, schadet dem Israels Ansehen und rächt sich an Australien für G-20. Voilà!

    „Auch das bevorstehende Treffen Putin/Netanjahu am 21. April zeigt, dass sich da über die Jahre fast intime Beziehungen angebahnt haben.“
    Totgelacht. Würde es doch Netanjahu lesen!

    „Eine Annäherung zwischen Israel und Moskau hatte schon Aussenminister Avigdor Lieberman eingeleitet.“
    Ja, er versuchte es. Erinnere mich daran, wie F.Kirschenbaum einst die Wahlen
    in Russland vor Ort beobachtet und als demokratisch qualifiziert und mehrmals
    verteidigt hat 🙂 Tatsächlich, kann es anders sein, wenn es um einen „lupenreinen Demokraten“© geht? Und diese Versuche dauern an. Nehmen wir z.B. das Verhältnis seiner Partei zur russischen Aggression gegen die Ukraine…
    О sancta simplicitas! Als ob aus der UdSSR herzukommen/die Kreml-Mentalität zu kennen 😉 dafür ausreichend ist…

    „Von den USA weniger abhängig zu sein, bedeutet für Israel auch, sich in Asien neue Partner suchen zu können, speziell China und Indien.“
    Vor allem ‚Von Europa enttäuscht zu sein‘.

  3. „ohne israelische Hightech wäre die Entwicklung von modernen Abwehrsystemen wie die Eisenkappe kaum denkbar“
    Wohl ‚ohne amerikanische Mitfinanzierung‘, oder?

    „Gleichzeitig wurde Israels Position im Spannungsfeld zwischen Washington und Moskau wie auch zum Fernen Osten gestärkt.“
    Wie gestärkt? Indem Israel – wie geladenes Staubteilchen im Plattenkondensator –
    näher an Moskau „auf Washingtons Kosten“ heranrückt? Glauben Sie selber daran?
    Davon ist die Diversifizierung völlig unabhängig. Die ist das Gebot der Stunde und geht mit der Globalisierung einher. Man sucht neue Wege nach Asien auch wegen der Europa-Haltung…

    „Denn da zwischen den USA und Russland vor allem in Syrien gewisse Meinungsverschiedenheiten existieren, boten die schlechten Beziehungen Netanjahus mit dem US Präsidenten für die Israelis eine einmalige Chance, hier eigene, höchst pragmatische Wege zu gehen.“
    Irgendwie verwirrend, trotzdem ist das Ganze so einfach. Regierungschefs kommen
    und gehen, doch Amerika war, ist und bleibt in absehbarer Zeit der wichtigste Partner und Unterstützer. Dem widerspricht nicht, dass Sicherheitsaspekte im Zusammenhang mit den russischen Aktivitäten in Syrien der Einfachheit halber direkt mit Moskau besprochen werden, als über Washington.

    „Die fast überstürzte Visite von Staatspräsident Reuven Rivlin in Moskau macht die Prioritäten deutlich – eine lang geplante Staatsvisite in Australien wurde dafür kurzerhand abgesagt.“
    Erstens bleibt unbekannt, was dazu wirklich geführt hat. Der Kreml will keine
    Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und Türkei, ihm nimmt das Leviathan-Gasfeld die Ruhe, der könnte auch das russische Lebensmittel-Embargo
    gegen Westen als Köder nutzen etc. Zweitens liefert doch Australien keine S-300
    an den Iran, baut keinen Platzdarm in unmittelbarer Nähe aus, legt den Finger in die syrische Wunde auch nicht…

    „Auch das bevorstehende Treffen Putin/Netanjahu am 21. April zeigt, dass sich da über die Jahre fast intime Beziehungen angebahnt haben.“
    Totgelacht. Würde es doch Netanjahu lesen!

    „Eine Annäherung zwischen Israel und Moskau hatte schon Aussenminister Avigdor Lieberman eingeleitet.“
    Ja, er versuchte es. Erinnere mich daran, wie F.Kirschenbaum einst die Wahlen in Russland vor Ort beobachtet und als demokratisch qualifiziert und mehrmals verteidigt hat 🙂 Tatsächlich, kann es anders sein, wenn es um einen „lupenreinen Demokraten“© geht? Und diese Versuche dauern an. Nehmen wir z.B. das Verhältnis seiner Partei zur russischen Aggression gegen Ukraine…
    О sancta simplicitas! Als ob aus der UdSSR herzukommen/die Kreml-Mentalität zu kennen 😉 dafür ausreichend ist…

    „Von den USA weniger abhängig zu sein, bedeutet für Israel auch, sich in Asien neue Partner suchen zu können, speziell China und Indien.“
    Vor allem ‚von Europa enttäuscht zu sein‘.

  4. „ohne israelische Hightech wäre die Entwicklung von modernen Abwehrsystemen wie die Eisenkappe kaum denkbar“
    Wohl ohne amerikanische Mitfinanzierung, oder?

    „Gleichzeitig wurde Israels Position im Spannungsfeld zwischen Washington und Moskau wie auch zum Fernen Osten gestärkt.“
    Näher an Moskau (wie geladenes Staubteilchen im Plattenkondensator) auf ‚Amerikas Kosten‘ heran? Glaubt der Autor selber daran?

    „Denn da zwischen den USA und Russland vor allem in Syrien gewisse Meinungsverschiedenheiten existieren, boten die schlechten Beziehungen Netanjahus mit dem US Präsidenten für die Israelis eine einmalige Chance, hier eigene, höchst pragmatische Wege zu gehen.“
    Amerika war, ist und bleibt in absehbahrer Zeit der wichtigste Partner und Unterstützer. Die Diversifizierung hat mit Obama wenig bis nichts zu tun. Das ist das Gebot der Stunde und geht mit der Globalisierung einher. Man sucht neue Wege nach Asien auch wegen der Europa-Haltung…

    „Die fast überstürzte Visite von Staatspräsident Reuven Rivlin in Moskau macht die Prioritäten deutlich – eine lang geplante Staatsvisite in Australien wurde dafür kurzerhand abgesagt.“
    Erstens bleibt verborgen, was dazu wirklich geführt hat. Zweitzens liefert doch Austarlien keine S-300 an den Iran, hat keine geopolitischen Interesse im Nahen Osten, legt den Finger in die syrische Wunde auch nicht…

    „Auch das bevorstehende Treffen Putin/Netanjahu am 21. April zeigt, dass sich da über die Jahre fast intime Beziehungen angebahnt haben.“
    Totgelacht. Würde es doch Netanjahu lesen!

    „Eine Annäherung zwischen Israel und Moskau hatte schon Aussenminister Avigdor Lieberman eingeleitet.“
    Ja, er versuchte es. Errinere mich daran, wie F.Kirschenbaum einst die Wahlen in Russland vor Ort beobachtet und als demokratisch qualifiziert und mehrmals verteidigt hat 🙂 Tatsächlich, konnte es anders sein, wenn es um einen „lupenreinen Demokraten“© geht? Und diese Versuche dauern an. Nehmen wir z.B. das verhältnis seiner Partei zur russischen Agression gegen Ukraine… О sancta simplicitas! Als ob aus UdSSR herzukommen und mit der Kreml-Mentalität klar zu kommen 😉 dazu ausreichend ist. Ob so eine „Annäherung“ außer flüchtigen unverbindlichen Zugeständnissen seitens Russlands überhaupt möglich ist!

    „Von den USA weniger abhängig zu sein, bedeutet für Israel auch, sich in Asien neue Partner suchen zu können, speziell China und Indien.“
    Vor allem von Europa enttäuscht zu sein.

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