Das Bible Lands Museum bringt jüdische und palästinensische Kinder zusammen. Foto Hillel Maeir/TPS
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Die Terrorwelle, die in den vergangenen Monaten in Israel wütete, stellt die jüdisch-arabischen Beziehungen auf eine harte Probe. Ein Jerusalemer Museum ist jedoch entschlossener denn je, sich dieser Herausforderung zu stellen.

Von Michael Zeff/TPS

Seit fast 20 Jahren fördert das Bible Lands Museum mit dem Projekt „Das Bild Abrahams“ die Begegnung und gemeinsame Aktivitäten jüdisch-israelischer und palästinensisch-muslimischer Schulen.

Durch die Initiative erfahren Juden und Araber zusammen – Schüler, Lehrer und Eltern – mehr über die Rolle Abrahams als gemeinsamer Patriarch von Judentum und Islam. Im Rahmen einer Reihe von Museumsbesuchen nehmen die Kinder an einem breitgefächerten und spannenden Programm teil, das zur Zusammenarbeit in gemischten arabisch-jüdischen Kleingruppen ermutigt. Sie erkunden die Galerien des Museums, entdecken die Kulturen des Alten Orients und spüren die Gemeinsamkeiten ihres arabischen und jüdischen Erbes auf.

„Das Bible Lands Museum wurde für diese Art von Programmierung konzipiert, denn wir zeigen wie keine andere Institution das gemeinsame Erbe dieser Region“, erklärte Amanda Weiss, Direktorin des Museums und Initiatorin des Projektes, gegenüber der Nachrichtenagentur TPS.

Nach Aussage von Weiss hat das  Projekt „Das Bild Abrahams“ im Laufe der Jahre Tausende von Studenten, Lehrern und Eltern zusammengebracht. Selbst, wenn das erste Aufeinandertreffen eine Herausforderung darstellt, war das Ergebnis stets erfolgreich.

„Wenn die Kinder sich zum ersten Mal treffen, sind sie immer unerschrocken; sie wissen nicht genau, was auf sie zukommt“, erklärte Weiss weiter. „Sie wissen nur, dass sie zum allerersten Mal ‚die Anderen‘ treffen. Die Juden treffen Araber und die Araber treffen Juden. An diesem Punkt haben sie nichts gemeinsam, wovon wir denken würden, dass Nachbarn in der selben Stadt es miteinander teilen könnten. Aber sie sind zusammengekommen, um etwas über ihr gemeinsames Erbe zu erfahren.“

Um die flüssige Kommunikation und Zusammenarbeit unter den Schulkindern zu vereinfachen, werden alle Aktivitäten, Lernspiele und übrigen Aufgaben im Rahmen des Projekts zweisprachig – sowohl in hebräischer als auch in arabischer Sprache – durchgeführt, denn nicht alle jüdischen Kinder sprechen arabisch und umgekehrt.

Nach dem ersten Aufeinandertreffen erhält jede der teilnehmenden Schulklassen für eine gewisse Anzahl von Treffen eine jüdische oder arabische Partner-Klasse. Es herrscht eine Atmosphäre von Gleichheit und gegenseitigem Respekt, die Gespräche fördert, die sich mit der Erforschung der gemeinsamen historischen und sogar gegenwärtigen Verbindungen beschäftigen. Am Ende der Serie von Gruppenbesuchen im Museum steht die Abschlussveranstaltung des Programms – eine gemeinsame Feier mit Schülern, ihren Eltern und den Lehrern.

„Dieses Programm ist von entscheidender Wichtigkeit für den Aufbau einer Zukunft, in der ein friedliches Zusammenleben möglich ist. Dieses Projekt ermutigt die Teilnehmer, persönliche Beziehungen zueinander aufzubauen und negative Stereotypen zu überwinden, unsere Gemeinsamkeiten zu erkennen und unsere Unterschiede zu respektieren“, so Amanda Weiss.

Das einzigartige Gemeinschafts-Bildungsprogramm des Bible Lands Museum gibt es jetzt schon seit über 18 Jahren und es verbindet die Jerusalem School, eine palästinensische Grundschule aus dem Ost-Jerusalemer Stadtteil  Beit Hanina, und die religiöse jüdische Grundschule Efrata miteinander. Es ist das erste Mal, dass eine religiöse jüdische Schule gemeinsam mit einer palästinensischen Schule an dem Projekt teilnimmt.

„Einige unserer Schüler stehen immer noch in Kontakt mit den Kindern der Jerusalem School“, berichtete die Direktorin der Efrata-Grundschule Gila Sadon. „Im Anschluss an das Projekt setzte ich arabischen Sprachunterricht auf den Lehrplan unserer Schule, in der Hoffnung, die Sprachbarriere zwischen den Schülern zu überwinden und die langfristige Kommunikation miteinander zu vereinfachen.“

„Es ist ein wundervolles Gefühl zu sehen, wie sich jede Woche aufs Neue palästinensische und israelische Kinder begegnen. Unsere Kinder wollen nie, dass es vorbei ist“, sagte Susan Shadid, die Direktorin der Jerusalem School.

Laut Shadid beschränkt sich der Nutzen des Projekts nicht nur auf die Schulkinder. Auch die Barrieren zwischen den Erwachsenen werden überwunden.

„Es gibt diesen wunderbaren zusätzlichen Nutzen, dass sich am Abend der Abschlussfeier des Projekts die Eltern im gleichen Raum gegenübersitzen, nachdem ihre Kinder bereits freundschaftliche Beziehungen zueinander entwickelt haben. Manchmal sitzen sie beisammen und reden miteinander und stellen sich gegenseitig Fragen. Es ist auch für die Familien grossartig“, erklärte Shadid.

Die Direktorinnen der jüdischen und der palästinensischen Schulen stellten mehrfach fest, dass ihre Schüler am Ende des Projekts sehr traurig waren und sie beratschlagen bereits, wie man die pädagogischen Begegnungen fortführen und ausbauen kann.

Kamal Atila, Sprecher der Abteilung für nicht-jüdische Bildung des Bildungsministeriums, nahm als Vater einer Schülerin der palästinensischen Schule an der Abschlussfeier teil.

„Dies war eine sehr herausfordernde und interessante Begegnung. Abgesehen vom pädagogischen Nutzen der Museumsbesuche ist es sehr wichtig, das Aufeinandertreffen der Kinder aus beiden Sektoren zu vereinfachen, insbesondere in diesen problematischen Zeiten. Dass meine Tochter persönlich sehr viel Freude an dem Programm hatte, ist natürlich auch sehr wichtig“, so Kamal Atila.

„Ich kann allen Eltern, egal ob Araber oder Israelis, nur empfehlen, ihre Kinder an diesem Projekt des Bible Lands Museum teilnehmen zu lassen. Es ist ein bedeutsames Projekt und es ist wichtig, dass Menschen hierher kommen, um es zu sehen und daran teilzunehmen“, erklärte Atila abschliessend.

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