Nobelpreisträger , die dämonisierten: Der deutsche Schriftsteller Günter Grass ( links) und portugiesische Schriftsteller José Saramago (rechts). Foto Gatestone.
Lesezeit: 9 Minuten

Welches ist das einzige Land, dem schon allein die Existenz abgestritten wird? Tipp: Nicht Simbabwe, nicht Tuvalu, nicht mal das überrannte Tibet.

Von Giulio Meotti

Die Grenzen welchen Landes, die mit Blut in von anderen begonnenen Kriegen erkauft wurden, werden von allen Nationen angefochten, und die darauf aus scheinen, es durch Boykotte, ungerechtfertigte Beschuldigungen und angebliche „Gesetze“, die für kein anderes Land sonst gelten, zu zerstören?

Welches Land erkennt die Rechte von Frauen und allen ethnischen, religiösen und sexuellen Minderheiten uneingeschränkt an, obwohl es in den Vereinten Nationen dafür verurteilt wird, der „schlimmste Frauenrechtsverletzer“ zu sein – schlimmer als Syrien, Afghanistan, Somalia, Pakistan, China, Saudi Arabien, Iran und Sudan?

Welches Land versorgt seine eigenen Feinde mit Wasser, Strom, Nahrung und medizinischer Hilfe? Um zivile Opfer zu vermeiden, fordert sein Militär den Feind auf, Gebäude zu räumen, ehe es angreift, und – anstatt den Feind einfach mit einem Flächenbombardement zu überziehen, wie es alle anderen Länder tun, einschliesslich der meisten Demokratien – schickt es die eigenen Soldaten unter Lebensgefahr als Bodentruppen.

Dieses Land ist Israel – das einzige Land, das sogar von berühmten Schriftstellern, Intellektuellen und Nobelpreisträgern angegriffen, dämonisiert und kriminalisiert wird.

Es gab einmal eine Zeit, als Literaturnobelpreisträger, wie etwa der Deutsche Heinrich Böll, der Franzose Jean-Paul Sartre und der Italiener Eugenio Montale eifrig Ungerechtigkeit anprangerten. Früher verdammten sie im Namen der besten europäischen Werte – wie Gerechtigkeit, Freiheit und Solidarität – die Bedrohung der Existenz des Staates Israel.

Heute jedoch hegen ähnliche Intellektuelle einen tiefen, uninformierten und irrationalen Hass gegenüber diesem Land. Anstatt das einzige Land zu unterstützen, dass allen seinen Bürgern gleiche Rechte gewährt, wirken sie bei Attacken nicht nur auf Israel, sondern auch auf das jüdische Volk mit. In Deutschland ist Hitlers Mein Kampf der neue Bestseller. Heute findet man in Europa sogar eine grosse Zahl an Büchern, die Israel von der Landkarte radieren. Und ein Provinzrat nahe Glasgow, West Dunbartonshire, verbannte israelische Bücher aus den Büchereien des Ortes.

Im Chor jener, die aus Zeitungen, Gedichten und Romanen zu uns sprechen, gibt es ein paar rühmliche Ausnahmen. Der albanische Schriftsteller Ismail Kadaré zum Beispiel, der in jedem Jahr auf der Vorschlagsliste für den Literaturnobelpreis steht, wies eine Aufforderung zum Boykott des winzigen jüdischen Staats ab. Israel, so sagte er, sei „vom Verschwinden bedroht“ und er verglich Israel mit Albanien unter der nationalsozialistischen Besatzung. Auch die Autorin der Harry-Potter-Bücher, J. K. Rowling, lehnte es ab, ihren Namen auf die Liste der Israelboykotteure zu setzen.

Ihre tapferen und einsamen Gesten werfen ein Licht auf die denkfaule, unhinterfragte  Konformität der Kampagne der „Intelligenzija“, unverdiente Verleumdungen über Israel aufzuhäufen.

Schlimmer noch, vermeintliche „Intellektuelle“ spucken oft reinen Antisemitismus aus, während sie die echten Barbaren unter uns ignorieren. Hätte das Nobelpreiskomitee Anstand, würde es die „Friedens“preise, die es an solche „Humanisten“ wie Fidel Castro und Jassir Arafat verliehen hat, zurückziehen. Es schmerzt, dem Nobelkomitee Jahr für Jahr dabei zusehen zu müssen, wie es sich zum Narren macht und es schmerzt, zu erkennen, wie uninformiert und voller Vorurteile gegenüber den Menschen, die es am wenigsten verdienen,  diese sogenannten Intellektuellen sind.

Ein italienischer Schriftsteller, Dario Fo, Träger des Literaturnobelpreises, gab kürzlich der Zeitung La Repubblica ein Interview. Fo, der über den jüdischen Patriarchen Mose sprach, sagte: „Mose tötete Frauen und Kinder, weil sie Götzen anbeteten.“ Fo klagte weiter „die Brutalität der Juden gegen Anhänger anderer Religionen, wie wir das heute erleben“ an. Wie bitte? Sind es die Juden, die Anhänger anderer Religionen bei lebendigem Leib verbrennen, in Käfigen ertränken, kreuzigen oder ihnen die Kehlen aufschlitzen?

Fo’s Vergleich ist so falsch wie gespenstisch. Es sind keine Juden, die palästinensische Busse, Cafés, Hochzeitssäle und Diskotheken bei Selbstmordanschlägen in die Luft jagen. Es sind keine Juden, die versuchen, Palästinenser mit Autos zu überfahren oder sie auf der Strasse zu erstechen. Es ist umgekehrt – und das schon seit Jahren.

Die Tageszeitung La Stampa beschuldigte Fo, „antisemitische Stereotypen aufzuwärmen“. Das ist bei Fo nichts Neues. In den 1970er Jahren verglich der künftige Nobelpreisträger in einem seiner Bühnenwerke, „Resistance: Italian and Palestinian people speak [Widerstand: Italiener und Palästinenser sprechen]“ den Nazismus mit dem Zionismus und die palästinensischen Fedajin-Terroristen mit den antifaschistischen Partisanen.

Ein paar Tage nach den Angriffen des 11. September sagte Fo ausserdem: „Die grossen Spekulanten suhlen sich in einer Wirtschaft, die jedes Jahr mehrere zehn Millionen Menschen durch Armut umbringt – was sind da 20.000 Tote in New York? Egal, wer das Massaker verübt hat, diese Gewalt ist die legitime Tochter einer Kultur der Gewalt, des Hungers und der unmenschlichen Ausbeutung.“

Wer gab diesem berühmten Schriftsteller das Recht, nicht nur den Namen Israels, sondern auch die Opfer des 11. September zu diffamieren?

Ein weiterer Nobelpreisträger, Mario Vargas Llosa, sowie der Pulitzerpreisträger Dave Eggers gehören zu einer Gruppe internationaler Romanciers, die im nächsten Jahr Beiträge zu einem Essayband über „50 Jahre israelischer Besatzung“  beisteuern wollen, der von Harper Collins herausgebracht wird, einer der Verlage, die Israel von der Landkarte radiert haben.

Das Buch ist Teil einer Initiative von Breaking the Silence (BtS), einer Nicht-Regierungsorganisation (NGO), die „aufgrund von anonymen und nicht überprüfbaren ‚Zeugenaussagen‘“ umfassende Klagen gegen die israelische Armee erhebt, wobei die Namen der israelischen Soldaten, die die „Zeugenaussagen“ gemacht haben, nicht preisgegeben werden. Schlimmer noch, sie wird speziell finanziert, um „die IDF (die israelischen Streitkräfte) zu belasten“ und wurde von europäischen Hilfsorganisationen explizit angewiesen zu beweisen, dass Israel unvorschriftsmässig gehandelt hat. In einem Artikel namens „Europa an ‚Breaking the Silence‘: Bringt uns so viele belastende Zeugenaussagen wir möglich“ enthüllte NGO Monitor:

Entgegen der Behauptung von BtS, „die Inhalte und Meinungen in dieser Broschüre stellten nicht die Position der Geldgeber dar“, Untersuchungen der NGO Monitor zeigen, dass eine Reihe der Geldgeber ihre Beiträge davon abhängig machte, dass die NGO eine Mindestanzahl von negativen „Zeugenaussagen“ beschaffte. Dies widerspricht den Erklärungen von BtS und macht aus ihr eine Organisation, die die Interessen ausländischer Geldgeber vertritt. So sind die Seriosität der NGO und ihre Eignung, komplizierte Kampfsituationen zu analysieren, ernstlich beschädigt.

Ist diesen „angesehenen“ Autoren die Voreingenommenheit der Organisation bewusst, die ihr neues Buch finanzieren wird?

Natürlich gibt es da auch das Problem der Doppelmoral und Scheinheiligkeit. Diese Autoren haben ihre Feder nicht in den Dienst der Opfer des syrischen Bürgerkriegs oder der Christen und Jesiden, die im Irak einen Genozid erleiden, gestellt. Nein, diese Autoren haben Israel, die einzige Demokratie im Nahen Osten, und seine angebliche „Besatzung“ angegriffen – dass dies von den Palästinensern in der Rechtsprechung des Oslo II-Abkommens von 1995, Kapitel 3, Artikel XVII selbst unterstützt wurde, die dadurch zur am besten geschützten arabischen Bevölkerung im gesamten Nahen Osten wurden, wird tunlichst verschwiegen. Gehen Sie nach Ramallah und Dschenin und sie werden den Unterschied zum Leben der Menschen in Aleppo, Sanaa und Mossul erkennen.

Die eifrigsten Schreiber in der Israel-Bashing-Szene sind leider die Briten. „Leider“ insbesondere deshalb, weil der Iran im letzten Monat das Kopfgeld, das auf den Kopf eines britischen Bürgers, Salman Rushdie, ausgesetzt ist, um weitere  600’000 Dollar erhöht hat, zusätzlich zu den von Ajatollah Khomeini im Jahr 1989 ausgesetzten 3 Millionen Dollar. So steigt der Anreiz, einen Schriftsteller zu ermorden, auf fast 4 Millionen Dollar. Darüber bewahrt die britische Regierung verschämtes Schweigen. Die Einzigen, die das bisher verurteilt haben, sind offenbar der iranische Journalist Amir Taheri, der britische Journalist Douglas Murray und die Schriftstellervereinigung PEN.

Ein weiterer „Intellektueller”, John Berger, Gewinner des Booker Prize, rief Künstler dazu auf, nicht bei israelischen Verlagen zu veröffentlichen und den jüdischen Staat zu boykottieren. Harold Pinter, der verstorbene Dramatiker und Nobelpreisträger, ging so weit, Israel zum „zentralen Unruhefaktor der Welt“ zu erklären, wobei er anscheinend Pakistan, Afghanistan, den Iran und den Sudan vergass. In einer Demonstration, wie dünn die Linie zwischen Kritik und Antisemitismus ist, sagte Tom Paulin, Dichter, Essayist und Akademiker in Oxford, jüdische „Siedler“ in Israel „sollten erschossen werden“. Eine schottische Nationaldichterin, Liz Lochhead, trat ebenfalls einer Gruppe bei, die zum Boykott gegen Israel aufrief.

Dutzende Stars der Weltliteratur, darunter Träger des Literaturnobelpreises wie etwa J. M. Coetzee, Herta Müller, Orhan Pamuk und der verstorbene irische Dichter Seamus Heaney setzten ihre Namen auf eine Petition gegen die „riesige, grausame Hand der Besatzung“ durch Israel. Dabei ist bemerkenswert, dass diese erlauchten Schriftsteller jedes Mal „vergessen“ zu erwähnen, warum Israel diese Zäune, Checkpoints und Strassensperren überhaupt errichtet hat.

Donald Trump will eine Mauer an der Grenze zu Mexiko bauen, die arabischen Scheichtümer schliessen die Grenzen zu Oman, Spanien baut Zäune, um die Marokkaner draussen zu halten, Indien schottet sich gegen Bangladesch ab, zwischen Nord- und Südkorea gibt es eine befestigte Grenze, Zypern ist von Mauern geteilt und Belfast ist eine eingezäunte Stadt der Barrikaden.

Aber nur Israels Zaun – erbaut zur Verteidigung und aus humanitären Gründen, einfach, um nicht in die Luft gejagt zu werden – wird vom Internationalen Gerichtshof verurteilt und wird rund um die Uhr von CNN und in Titelstories der New York Times beobachtet. Warum? Weil die lebensrettende Sicherheitsbarrikade von ungerechten Menschen zu einer ungerechten Barrikade pervertiert wurde und nie gesagt wird, was mit den Israelis geschah, bevor der Zaun errichtet wurde. Um es frei nach Rechtsanwalt Alan Dershowitz zu sagen: Wenn man eine faire und objektive Liste aller Länder der Welt aufstellte, die die Menschenrechte einhalten, und die von ‚sehr gut‘ bis ‚sehr schlecht‘ reicht, müsste sich Israel ganz oben, in der Gruppe der Besten, befinden.

Eine der gruseligsten Beschuldigungen gegen Israel stammt von einem nordeuropäischen Schriftsteller, Jostein Gaarder, ein ostentativer Menschenfreund, dessen Buch „Sophies Welt“ in 53 Sprachen übersetzt und 26 Millionen Mal verkauft wurde. In einem Artikel in der norwegischen Zeitung Aftenposten, schrieb Gaarder:

„Wenn die gesamte israelische Nation fiele … und ein Teil der Bevölkerung in eine erneute Diaspora fliehen muss, dann sagen wir: Möge ihre Umgebung Ruhe bewahren und ihnen Barmherzigkeit erweisen. Schiesst nicht auf die Flüchtlinge! Zielt nicht auf sie! Sie sind nun verletzlich – wie Schnecken ohne Haus! …Gebt den israelischen Flüchtlingen Obdach, gebt ihnen Milch und Honig!“

Gaarder stellt sich die Vertreibung der gesamten jüdischen Bevölkerung aus ihrem Land und ihre erneute Abhängigkeit von europäischer Barmherzigkeit vor – die in den vergangenen Jahren nicht gerade üppig vorhanden war.

Israel ist auch von einem deutschen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger, Günter Grass, gedemütigt worden, der in verschiedenen europäischen Zeitungen ein Gedicht veröffentlichte, in dem er Israel als Überbringer allen Übels und Anstifter aller Arten von Chaos behandelte. Laut Grass ist es Israel, das den Iran mit einem nuklearen Genozid bedroht, nicht umgekehrt.

Diese Scheinheiligkeit hätte sich der Autor besser nicht erlaubt: Grass diente in der Waffen-SS Nazideutschlands und definierte den Kommunismus in Ostdeutschland als „bequeme Diktatur“.

Nach einem Besuch in der eigentlichen Hauptstadt der Palästinensischen Autonomiebehörde, Ramallah, während der Zweiten Intifada, nachdem es durch Terrorismus etwa 1.500 jüdische Tote gegeben hatte, stellte ein weiterer Literaturnobelpreisträger, José Saramago, fest, die israelische Blockade von Ramallah geschehe „im Geist von Auschwitz“ und „dieser Ort wird in ein Konzentrationslager verwandelt“. Ein Jahr später äusserte Saramago die Ansicht, das jüdische Volk verdiene nicht länger „das Mitleid für die im Holocaust durchlebten Leiden“.

Saramago entschied während eines Besuchs in Ramallah, die vielen Toten in israelischen Restaurants, Einkaufszentren und Hotels nicht zu sehen und nicht darüber zu sprechen. Die massenhafte Ermordung von Juden war der einzige Grund, warum Israel nach dem Abkommen von Oslo wieder Panzer und Soldaten in die palästinensischen Städte schicken musste. Saramago erwähnte den Zusammenhang nicht; er zog es vor, einem verzerrten und dämonisierenden Bild, das in einem perversen Vergleich von Hitler und Israel gipfelte und an die Verwandlung des jüdischen Staates – 4000 Jahre lang historische Heimat der Juden und in letzter Zeit die einzige Zufluchtsstätte, wo verfolgte und mit dem Tod bedrohte Juden nicht abgewiesen werden – in eine „imperialistische Basis“ zu glauben.

Diese stete Wiederholung von Lügen brachte Europa dazu, sogar die grosse Lüge über Mohammed al-Dura zu glauben: Ein Junge, der angeblich von israelischen Kugeln durchsiebt stirbt, obwohl kein Tropfen Blut zu sehen ist! Nicht nur das; nachdem er tot war, bewegte er seine Hand, um etwas sehen zu können. Was für eine Leistung! Eine Zeitlang war die Lüge sogar beliebtes Tischgespräch bei Europas Oberklasse.

So wurden Millionen Europäer dazu verleitet, Israel als den Aggressor zu betrachten und die palästinensischen Terroristen als die Opfer. Sie lesen jeden Tag die an Orwell erinnernden Geschichtsverdrehungen auf den Titelseiten. Schauen Sie sich an, was aktuell während dieser „Dritten Intifada“ passiert: überall Messer und Angriffe auf Juden; es gibt sogar Schaubilder im Internet, die zeigen, wohin man stechen muss, um die grössten Verletzungen zu erzielen. Die vielen getöteten israelischen Zivilisten und Soldaten sind völlig von den Bildschirmen verschwunden, aber wenn israelische Soldaten auf einen Palästinenser, der gerade auf einen Juden einsticht, schiessen, werden sie von den korrupten und rassistischen Medien als „illegale Vollstrecker“ bezeichnet.

Was würden diese vermeintlichen Intellektuellen tun, wenn Bürger in London, Rom oder Berlin mit Messern angegriffen würden? Die „Intellektuellen“ und die Medien predigen Israels Vernichtung.

In englisch zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Giulio Meotti, Kulturredakteur von Il Foglio, ist italienischer Journalist und Schriftsteller. Er ist Autor des Buches „A New Shoah“, das die persönlichen Geschichten von Terroropfern Israels recherchiert und von Encounter veröffentlicht wurde und des Buches „The Vatican Against Israel: J’accuse“, veröffentlicht von Mantua Books. 

1 KOMMENTAR

  1. Eine Riege von sogenannten Intellektuellen setzt sich – zusammen mit Klerikalfaschisten, Islamisten und Vertretern von Mörderbanden aller Varianten – mit dumpf-schlauer Überzeugung, arroganter Selbstgerechtigkeit und pervertiertem Engagement für eine „bessere Welt“ dafür ein, dem einzigen demokratischen Staat im Nahen Osten den Garaus zu machen. Die Rationalisierungen, die pseudokritischen Worthülsen, die „ehrsamen“ Motive, die dabei vorgebracht werden sind belanglos und halten keiner ernsthaften Diskussion stand.

    Deutlich ergiebiger ist es, nach deren Beweggründen in wesentlich seichteren Gewässern zu fischen. Zum Beispiel darin, dass Juden es doch tatsächlich gewagt haben, ihre jahrhundertelang erzwungene Opferrolle abzuschütteln indem sie den Strohhalm, der aus einem engen historischen Zeitfenster hervorlugte, ergriffen haben um den Schutz vor weiterer Rechtlosigkeit künftig in einem staatlichen Rahmen organisieren zu können – aber damit diesen vermeintlichen Geistesgrößen ein beliebtes „tragisches“ Element für ihre Erzeugnisse entzogen haben. Oder darin, dass diese Spezies sich nur verbal vom Gift einer gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit distanziert hat, der verdrängte Hass jedoch mit dem Wegfall ebendieser Opferrolle mit aller Macht unter der kritischen Tünche hervordrängt.

    Vor allem im fortgeschrittenen Alter scheinen diese Kleingeistergrößen es für nötig zu halten, ihre Umgebung wissen zu lassen, zu welch neuen Einsichten sie gekommen sind. Sie riechen genau, was dafür nötig ist: Nicht kritische Worte und eine ebensolche Selbstreflektion sondern das Gespür, mit welchen Ressentiments – am besten gepaart mit den eigenen – sich der verblassende eigene Bekannheitsgrad für eine weitere Zeit aufhalten lässt. Scharfe Kritik müssten sie für ihre „kritischen“ Worte aushalten, lügen sie sich und ihrer Fangemeinde in die weit offen gehaltenen Taschen. Dabei sonnen sie sich behaglich in ihrer behaupteten „Opferrolle“, sie baden in dem Zuspruch, den sie von allen Seiten erfahren.

    Was diese Bande schlicht nicht aushält, ist die Vorstellung, dass Juden/Israelis so leben, wie das alle anderen Menschen tagtäglich tun ohne einen Gedanken daran zu verschwenden: Angstlos als Gruppe zu existieren, mit allen dazu gehörenden gesellschaftlichen Schattierungen von gut bis böse, von farbig bis grau. Diese geistigen Elite-Brandstifter erlauben dagegen nur ein Dasein als Opfer oder als Täter, alles andere geht über ihren geistigen Horizont.

Comments are closed.