Die christliche Minderheit Israels

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IDF-Major Ehab Shlayan (ganz links), ist ein aramäischer Christ aus Nazareth und Gründer des Christlichen Rekrutierungsforums, das israelische aramäische Christen dazu ermuntert, im Militär zu dienen. Die muslimisch-arabische Knessetabgeordnete Hanin Zoabi (rechts) drohte kürzlich Vertretern israelischer Christen; sie wies ihre Erklärung zurück, wonach aramäische Christen eine eigenständige Ethnie darstellen und beharrte darauf, ihnen eine arabische und palästinensische Identität aufzuzwingen. Foto Gatestone
Lesezeit: 8 Minuten

Letztes Jahr hat Israel die christliche Minderheit der „Aramäer“ als eigenständige nationale Bevölkerungsgruppe innerhalb seiner Grenzen anerkannt; ein Akt, den keine arabische oder muslimische Nation des Nahen Ostens bislang vollbracht hat oder je vollbringen wird. Israel hat eine eigenständige religiöse und ethnische Gruppe anerkannt: die Urbevölkerung des seit der Antike bekannten Fruchtbaren Halbmonds.

Von Shadi Khalloul

Ihre Sprache, Aramäisch, war die Sprache, die auch Jesus sprach – Jahrhunderte bevor der Islam sich in dieser Region ausbreitete.

Israel unterstützt nicht nur Christen und andere Minderheiten – wie Drusen, Moslems, Bahai etc. – und erteilt ihnen volle Bürgerrechte, Freiheit und einen gesetzlichen Anspruch auf ein Leben in Frieden sowie die freie Ausübung ihres Glaubens, sondern ermöglicht ihnen darüber hinaus, sich mit all den Auswirkungen einer unterschiedlichen Kultur als Minderheit zu entfalten. So heisst man Araber beispielsweise bei den Israelischen Streitkräften (IDF) willkommen, sie müssen jedoch im Gegensatz zu den jüdischen Soldaten nicht an der Waffe dienen. Der erste Ministerpräsident Israels, David Ben Gurion, wollte nicht, dass sich Araber verpflichtet fühlen müssen, gegen ihre „Brüder“ zu kämpfen.

In Israel bekleiden Mitglieder der christlichen und muslimischen Minderheiten jede Art von hochrangigen Positionen – ebenso wie jeder jüdische Israeli, der eine erfolgreiche Karriere anstrebt. Da ist zum Beispiel der maronitische Christ Salim Jubran, seines Zeichens Richter am Obersten Gerichtshof.

Im Gegensatz zu anderslautender Propaganda gibt es keinerlei wie auch immer geartete „Apartheid“ und keine Strassen, auf denen ausschliesslich Juden fahren dürfen. Solche Strassen gibt es in Saudi-Arabien, wo es echte Apartheid-Strassen gibt, da nur Moslems nach Mekka reisen dürfen.

Was Israel tut, geschieht darüber hinaus in einer Umgebung, in der die meisten seiner Nachbarn – häufig die brutalsten Feinde der Menschheit – wünschen, Israel würde ausgelöscht und auch ihr Möglichstes tun, damit dieser Wunsch in Erfüllung geht. Traurigerweise machen viele Europäer dabei mit. Jeder hat die jüngsten verbissenen Versuche der Europäischen Union verfolgt, Israel durch die Kennzeichnung von Waren, die in den umstrittenen Gebieten hergestellt wurden, wirtschaftlich schachmatt zu setzen. Diese Verpflichtung, die keinem anderen Land mit strittigen Grenzen auferlegt wurde, verhindert faktisch alle Aussichten auf Frieden, die die gemeinsame Zusammenarbeit eigentlich mit sich bringen sollte.

Diese Europäer können niemanden täuschen. Ihre schlauen, sadistischen und selbstgerechten „Bestrafungen“, die sie für die Israelis vorgesehen haben, führen nur dazu, dass Tausende Palästinenser ihre gutbezahlten, dringend benötigten Jobs verlieren; dieses Diktat hat schon viele gerade arbeitslos gewordene Palästinenser zum Arbeitsamt der letzten Hoffnung geführt: dem islamischen Extremismus und Terrorismus. Indem sie so tun, als ob sie den Palästinensern helfen, um somit ihren Wunsch – die Juden zu verletzen – zu erfüllen, säen diese Europäer ironischerweise eine neue Saat von Terroristen aus, die später nach Europa kommen und ihnen zeigen werden, was sie von solchen Heuchlern halten.

In der Region wird viel darüber diskutiert, dass auch die Europäer sich insgeheim wünschen, Israel würde ausgelöscht und dass sie hoffen, ihre neuen Gesetze werden dies in Kombination mit der altbekannten Gewalt der Araber erledigen. Auf diese Weise können die Europäer sich selbst vormachen, dass sie „nichts damit zu tun“ hatten. Diese Europäer müssen wissen, dass sie niemanden täuschen können.

Und obwohl Israel sich nicht nur mit den europäischen und US-amerikanischen Fronten auseinander setzen muss, sondern auch häufig mit muslimischen Völkermord-Drohungen, fährt es unterdessen damit fort, seine Minderheitengemeinschaften durch eine Vielzahl staatlich geförderter Programme aktiv zu stärken. Dazu zählt u. a. ein 5-Jahres-Plan zur Entwicklung der Gemeinschaften von israelischen Arabern und anderen Minderheiten, der am 30. Dezember 2015 von der Regierung verabschiedet wurde und einen Haushalt von 15 Mrd. Schekel [etwa 4 Mrd. $] umfasst. Die Ministerin für Soziale Gleichstellung, Gila Gamliel von der Likud-Partei, ist verantwortlich für die Umsetzung dieses Plans. Premierminister Netanjahu, der zu Unrecht dämonisiert wird, hat in den vergangenen Jahren die „Behörde für die wirtschaftliche Entwicklung der arabischen, drusischen und tscherkessischen Sektoren“ aufgebaut. Sie wird von einem arabischen Moslem geleitet, Aiman Saif, der ein ansehnliches Budget von 7 Mrd. Schekel [ca. 1,8 Mrd. $] kontrolliert, von dem ein Grossteil an unterschiedliche arabische Städte und Dörfer ging, um dort eine moderne Infrastruktur, Industriegebiete, Beschäftigungsmöglichkeiten, Bildungseinrichtungen etc. aufzubauen. Der übrige Teil wurde zur Verfügung gestellt, um christliche Dörfer in Galiläa zu unterstützen.

Die Araber verfügen über ein eigenes Ressort im Bildungsministerium, das von dem arabischen Moslem Abdalla Khatib geleitet wird. Auch er ist für ein beachtliches Budget in Höhe von 900 Millionen Schekel [230 Millionen $] verantwortlich.

Christen, ebenso wie alle anderen Minderheiten, verstehen heute, dass der Dienst im israelischen Militär unverzichtbar für ihre Integration in Israel ist. Viele Christen und andere Minderheiten in Israel teilen die gleichen Ängste: Sie erkennen zunehmend, dass Israel der einzig sichere Hafen in dieser Region ist, der ihnen Freiheit und demokratische Rechte zugesteht. Die muslimisch-arabische Gemeinschaft in Israel sowie die christlichen und andere arabischsprachigen Gemeinschaften sehen das tragische Schicksal ihrer Brüder in Syrien, im Irak, Libanon und anderen arabischen Ländern. Moslems töten Moslems; fanatische Moslemgruppen töten Christen, entwurzeln sie, schlitzen ihnen die Kehlen auf, verbrennen sie bei lebendigem Leibe, ertränken sie in Käfigen und selbstverständlich kreuzigen sie sie auch – selbst kleine Kinder. Israels Minderheiten sind sich all dessen sehr bewusst. Sie können nicht verstehen, warum niemand diese Schurken dämonisiert. Sie fürchten, dass diese Verwüstung um sich greifen und überschwappen wird; zuerst ins Heilige Land Israel und dann nach Europa.

Diese Angst ist einer der Gründe, warum es eine zunehmende Zahl von Christen gibt, die sich für den Dienst bei den israelischen Streitkräften bewerben: 30 % der Rekrutierungen geschehen auf freiwilliger Basis, während in der allgemeinen jüdischen Gesellschaft 57 % zum Wehrdienst verpflichtet sind. Heute sind es mehr als 1000 muslimische Araber, die bei den IDF ihren Wehrdienst leisten.

Wir alle kennen die Gefahr, die von diesen fanatischen islamischen Dschihadgruppen wie der Hamas ausgeht und fühlen uns daher mehr denn je verpflichtet, diesen einsamen pluralistischen Staat zu beschützen.

Die Gemeinschaft, der der Autor dieses Artikels angehört, die aramäischen Christen, ist von  aramäisch-phönizischer Herkunft und Sprache und war ursprünglich in Syrien, im Libanon und im Irak heimisch. Im Laufe der 1400 Jahre nach der islamischen Eroberung wurden die aramäischen Christen jedoch gezwungen, die arabische Sprache anzunehmen und in jüngerer Zeit auch, aus ihren Häusern in Syrien und dem Irak zu fliehen. Sie geniessen keinen Status in den arabischen und islamischen Staaten, die grösstenteils nach dem islamischen Recht, der Scharia, regiert werden. Und auch unter der Palästinensischen Autonomiebehörde, die heute in Judäa und Samaria regiert, haben aramäische Christen keinen Status.

Wir wissen, dass es einige christliche Gruppen gibt, wie z. B. Sabeel, Kairos Palästina und andere, die unter der Herrschaft der Palästinensischen Autonomiebehörde stehen und sich immer noch dazu verpflichtet fühlen, den muslimisch-arabischen Herren, die sie erobert haben, nach dem Mund zu reden.

„Jerusalem steht allen offen.“

Das war jedoch nicht immer so, insbesondere nicht unter jordanischem Recht bis 1967. Nicht nur, dass damals Juden nicht ins Land durften, es wurden auch 38.000 jüdische Grabsteine vom Friedhof auf dem Ölberg entfernt und als Baumaterial und Bodenbeläge für die Latrinen Jordaniens verwendet.

Muslimisch-arabische Mitglieder der israelischen Knesset [dem Parlament] verweigern Christen das Recht, ihr einzigartiges Erbe zu bewahren. Am 5. Februar 2014 bedrohte die Knesset-Abgeordnete Haneen Zoabi von der Partei der Vereinigten Arabischen Liste die christlich-israelischen Abgeordneten, die sich im Beschäftigungsausschuss der Knesset für ein Gesetz zur Aufnahme von christlichen Vertretern in einen Ausschuss für Beschäftigungsgleichheit des Wirtschaftsministeriums eingesetzt hatten. Zoabi wies deren Erklärung, sie seien eine separate aramäisch-christliche Ethnie, zurück. Sie bestand darauf, ihnen eine arabisch-palästinensische Identität aufzuzwingen. Diese Identifizierung war natürlich ebenso falsch, als wenn wir Christen darauf bestanden hätten, dass sich muslimische Araber als amerikanische Ureinwohner bezeichnen sollten. Das Gesetz wurde dank eines Zusammenschlusses von Knesset-Abgeordneten trotz der Anstrengungen von Zoabi und ihren Kollegen verabschiedet – dabei stimmte eine grosse Mehrheit der jüdischen Knesset-Abgeordneten für das Gesetz.

Diese Begebenheit macht deutlich, wie einige der muslimischen Araber in Israel – während sie selbst zur gleichen Zeit ihre jüdischen Nachbarn um Hilfe bei dem Erhalt ihres eigenen muslimisch-arabischen Erbes bitten – anderen ethnischen Minderheiten genau diese Rechte versagen.

Stattdessen versuchen sie, ihnen durch Drohungen und Gewaltanwendung eine Arabisierung und Palästinensierung aufzuzwingen. So wurde beispielsweise im September 2014 eine aramäische Christin, IDF-Captain Areen Shaabi, von arabisch-muslimischen Aktivisten in Nazareth verfolgt. Sie wurde mit „Allahu Akbar“-Rufen [„Gott ist grösser!“] bedroht und in der Nacht wurden ihre Autoreifen zerstochen.

IDF-Major Ehab Shlayan, ein aramäischer Christ aus Nazareth und Gründer des Forums für die Rekrutierung von Christen (Christian Recruitment Forum), wurde eines Morgens im August 2015 wach, um festzustellen, dass man in der Nacht eine palästinensische Fahne vor seiner Haustür aufgestellt hatte. Am Heiligen Abend, dem 24. Dezember 2014, warfen 30 Moslems mit Steinen und Glasflaschen nach dem 19-jährigen christlichen Soldaten Majd Rawashdi und griffen auch sein Zuhause an.

All das ist Heuchelei auf höchstem Niveau – gepaart mit Rassismus.

In einer offiziellen Weihnachtsansprache an die israelischen Christen verkündete Premierminister Netanjahu am 24. Dezember 2012:

„Israels Minderheiten, einschliesslich über eine Million arabischer Bürger, besitzen allesamt volle Bürgerrechte. Israels Regierung wird niemals die Diskriminierung von Frauen tolerieren. Die christliche Bevölkerung Israels wird immer die Freiheit haben, ihren Glauben auszuüben. Dies ist der einzige Ort im Nahen Osten, an dem Christen ihren Glauben in vollkommener Freiheit ausüben können. Sie müssen keine Angst haben; sie müssen nicht fliehen. In einer Zeit, in der Christen vielerorts unter Belagerung stehen, in so vielen Ländern des Nahen Ostens, bin ich stolz darauf, dass die Christen in Israel die Freiheit haben, ihren Glauben auszuüben und dass es eine florierende christliche Gemeinde in Israel gibt.“

Christen und andere Minderheiten wachsen und gedeihen in Israel, während sie in anderen Ländern des Nahen Ostens, einschliesslich der Gebiete der Palästinensischen Autonomiebehörde, extrem unter der islamischen Bewegung und Verfolgung leiden – so lange, bis sie sich schliesslich gezwungen sehen, fortzugehen.

Zuerst erschienen bei Gatestone Institute. Shadi Khalloul ist Gründer der christlich-aramäischen Vereinigung (Israeli Aramaic Movement). Vor seinem Abschluss an der Universität von Nevada, Las Vegas, leistete er seinen Militärdienst bei den Israelischen Verteidigungsstreitkräften (IDF) als Leutnant in der Fallschirmjäger-Division. Er ist ausserdem Unternehmer, Gemeindevorsteher und Kandidat für das israelische Parlament.