Foto Claudia Gabriela Marques Vieira - Flickr/ CC BY-SA 2.0, Wikimedia Commons.
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Anti-israelische Aktivisten stützen ihre Aussagen häufig auf universelle Wahrheiten. Doch wenn sich ihr Publikum ändert, tut es auch ihre Sprache ­– und ihre Treue zur Wahrheit.

Von David Collier

Warum entscheidet sich jemand dafür, die BDS-Bewegung (Boycott, Divestment, and Sanctions, dt. Boykott, Kapitalabzug und Sanktionen) gegen Israel zu unterstützen? Für jemanden, der die Geschichte des arabisch-israelischen Konflikts versteht, scheint es selbstverständlich zu sein, Israel zu unterstützen. Gemeinsame Werte wie Demokratie, Freiheit und Toleranz machen es einem leicht, Israel den Rücken zu stärken. Und doch müssen wir zur Zeit mit ansehen, wie angeblich freiheitsliebende Bewegungen im gesamten Westen sich vom einzigen Staat im Nahen Osten abwenden, in dem die Existenz genau dieser Bewegungen toleriert wird.

Es stimmt, dass es in Bezug auf Demokratie und Freiheit Streitpunkte zwischen Israel und den Arabern gibt. Man kann argumentieren, dass Flüchtlinge im Elend leben, dass palästinensische Kinder gestorben sind, dass der Konflikt endlos zu sein scheint und dass Israel die stärkere Partei ist. Doch nichts davon deutet darauf hin, dass Israel die Ursache dieses Konflikts ist oder dass es in Israels Verantwortung liegt, eine Lösung bereitzustellen. Vielmehr hat Israel als demokratischer Staat mit einer Marktwirtschaft, die ausländische Investitionen anstrebt, allen Grund dazu, Konflikte und Kriege zu vermeiden. Die Geschichte hat uns gezeigt, dass solche Nationen um beinahe jeden Preis nach Frieden streben.

Für die Unterstützer von BDS hat dies jedoch keine Bedeutung, da sich diese Bewegung ganz auf die Manipulation und Verzerrung der Wahrheit stützt. Wenn man sich mit BDS-Unterstützern unterhält und sie direkt herausfordert, ist ihre Antwort meist nicht mehr als ein widersprüchlicher Haufen Lügen. Wenn jemand, den man kennt, sich dafür interessiert, die BDS-Bewegung zu unterstützen, warum ist es so schwer, ihm „die Wahrheit zu zeigen“?

Die einfache Antwort lautet: Die BDS-Bewegung hat ihr Urteil schon vorab gefällt. Sie fragt nicht danach, ob  Israel schuldig ist. Stattdessen versucht sie, die richtige Bestrafung für einen „Verbrecher“ zu finden, der bereits verurteilt wurde. Wenn man also einem potenziellen BDS-Unterstützer mit Fakten entgegentritt, ist das ganz einfach nicht relevant für ihn. Es ist so, als wenn man bei einer Strafanhörung Beweise vorlegt, die schon im eigentlichen Verfahren hätten präsentiert werden sollen. Man kommt einfach zu spät.

In der letzten Zeit habe ich wirklich mehr als genug Lügen über die Juden und Lügen über Israel gehört. Doch etwas ist anders an den jüngsten Ereignissen, die ich beobachtet habe:

„Ich habe gesehen, wie diese Lügen geschaffen werden.“

Den ersten Schritt dazu habe ich bei einem Treffen der Arabischen Organisation für Menschenrechte im Vereinigten Königreich (Arab Organization for Human Rights in the UK, AOHR-UK) miterlebt. Die Gruppe machte sich während der jüngsten Welle anti-israelischen Terrors startklar. Für pro-palästinensische Gruppen sind diese Angriffe äusserst beunruhigend, da sie ihre Argumentation genau an der Basis erfassen. Diese Terrorakte, wie das Erstechen unschuldiger israelischer Zivilisten, sind klassische Beispiele für die antisemitische Gewalt, die auch dann stattfinden würde, wenn es keinen nationalen Konflikt zwischen Israel und den Arabern gäbe. Sie sind durch religiöse Aufhetzung motiviert und damit von der gleichen Art wie die Angriffe, die sowohl Muslime als auch Christen seit mehr als 2000 Jahren immer wieder gegen Juden verüben.

Wenn man alle vorgebrachten Ursachen für die Spannungen beiseite lässt – die „Besatzung“, die Siedlungen, die Grenzübergänge, die Situation in Gaza, die Flüchtlinge und sogar Israel selbst – erkennt man, dass es identische rassistische Gewalt gegen Juden schon immer in der Geschichte gab. Selbst die Motoren hinter dieser spezifischen Welle des Terrorismus – falsche Behauptungen darüber, dass Juden religiöse Stätten der Araber in Jerusalem stören würden – wurden auch schon in der Vergangenheit genutzt, um antisemitische Gewalt anzustacheln.

Pro-palästinensische Gruppen müssen es dann irgendwie schaffen, die Geschichte der Gewalt gegen Juden durch eine Geschichte der Gewalt gegen Israelis auszutauschen, damit sie nicht antisemitisch wirken. Dazu muss Israel beschuldigt werden, nationalistische „Verbrechen“ zu begehen, z. B. die Änderung des Status Quo auf dem Tempelberg. Dies genau ist die Absicht der AOHR-UK.

Die Veranstaltung fand am 1. Dezember 2015 im Holiday Inn London Bloomsbury statt. Die Veranstaltung hatte die Anwesenheit des bekannten anti-israelischen Abgeordneten Gerald Kaufman versprochen, doch dieser konnte nicht teilnehmen. Der pro-palästinensische israelische Historiker Ilan Pappe war da, auch arabische Sprecher wie Adeeb Ziadah, und zwei Anwälte, Carl Buckley und Toby Cadman, die beide für pro-palästinensische Organisationen arbeiten. Als ich hineinging wurde mir eine Hochglanz-Informationsbroschüre überreicht, in der nicht der Vorwurf geäussert wurde, dass Israel den Status Quo ändere, sondern die „unbestreitbare Tatsache“, dass dies der Fall sei.

Die Broschüre ist eine Ansammlung von Lügen und Verzerrungen. Die Massaker von 1929, während derer jüdische Gemeinden in Orten wie Hebron und Safed abgeschlachtet wurden – und deren Folge die ethnische Säuberung Hebrons von den Juden war ­­­– werden nur als „Aufstand“ bezeichnet, bei dem einige „Personen“ ums Leben kamen. Gleichzeitig wiederholt sie die Lüge, dass dies alles durch eine versuchte jüdische Übernahme des Tempelbergs verursacht worden sei ­– 85 Jahre nachdem ein britischer Untersuchungsausschuss zu dem Entschluss kam, dass dies falsche und vorsätzliche Aufhetzung sei.

Die Broschüre beschreibt die Geschichte eines Brandanschlags, der 1969 auf dem Tempelberg stattfand, und liefert damit ein Musterbeispiel dafür, wie die Lügen der BDS-Bewegung funktionieren. Der australische Extremist, der die Tat beging, wird als „Zionist“ beschrieben – was den Leser fälschlicherweise in dem Glauben lässt, dass er ein Jude war. Doch das war er nicht. Die durch den Brand entstandenen Schäden wurden über alle Massen übertrieben. Und Israel wurde beschuldigt, das Vergehen des Täters hinter der „Ausrede der Geisteskrankheit“ zu verstecken und ihn „ohne Verhandlung“ abzuschieben. Das alles ist reine Fiktion. In Wirklichkeit verbrachte der Brandstifter sechs Jahre in einer Psychiatrie in Israel, bevor er den australischen Behörden übergeben wurde und den Rest seines Lebens in einer ähnlichen Einrichtung verbrachte. Sogar der Name des Brandstifters in der Broschüre ist falsch.

Interessant war für mich das offensichtliche Unbehagen von Ilan Pappe in Bezug auf diese Behauptungen. Ich habe viele seiner Auftritte verfolgt. Ich stehe in deutlicher Opposition zu seiner politischen Haltung, doch es gibt kaum Zweifel daran, dass er ein intelligenter und gut informierter Redner ist. Diese Veranstaltung, bei der arabische Redner religiösen Hokuspokus und verdrehte Märchen von Verschwörungen gegen den Tempelberg vorbrachten, entsprach nicht seiner natürlichen Umgebung – und das konnte man sehen. Er merkte höflich an, dass viele der Erläuterungen des Abends fehlgeleitet waren. Dann kehrte er in seinen Wohlfühlbereich zurück, indem er sich auf das konzentrierte, was er am besten kann: Israel ungeachtet der Fakten diverser Verbrechen zu beschuldigen.

Mein persönliches Highlight des Abends erlebte ich während der F&A-Runde, als die beiden pro-israelischen Blogger Jonathan Hoffman und Richard Millet die Gelegenheit ergriffen, den deutlichen Widerspruch zwischen den Vorwürfen gegen Israel und den tatsächlichen Geschehnissen hervorzuheben. Millet konzentrierte sich auf die Verwendung des Wortes „Völkermord“, um die israelische Politik in Bezug auf eine stetig wachsende palästinensische Bevölkerung zu beschreiben. Hoffman sprach über die Rhetorik von Mahmud Abbas, dem Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, der damit den Terrorismus rechtfertigt, und dessen Aussage, dass israelische Juden den Tempelberg nicht mit „ihren dreckigen Füssen“ entweihen sollten. Das Vorbringen all dieser Punkte verunsicherte die Diskussionsrunde sichtlich, doch nur wenige Zuhörer kümmerten sich darum.


Dieser Abend war ein Beispiel für die Herkunft der BDS-Behauptungen. Anschuldigungen des Rassismus, diverser Massaker, der ethnischen Säuberung, des Völkermordes, der Apartheid und der Vorwurf, eine europäische Kolonie zu sein, werden auf diese Art geschaffen – weit weg von jeder Debatte, weit weg von kritischen Blicken. Bis das Thema Israel beispielsweise eine Universität erreicht hat, wurde Israel schon für schuldig befunden, angeklagt und vor einem Pseudogericht von Personen verurteilt, die den Mord an unschuldigen Menschen als „Martyrium, das Allah mit einem Platz im Himmel belohnt“ ansehen.

Die nächste Veranstaltung, deren Zeuge ich wurde, gehörte zu einem gänzlich anderen Stadium dieses Prozesses. Israel war bereits für schuldig befunden worden, und so war es nun an der Zeit, öffentlich über eine geeignete Bestrafung zu diskutieren. Die Veranstaltung wurde von Artists for Palestine UK organisiert und fand am 9. Dezember 2015 in der P21 Gallery in der Nähe von Euston, London statt. Artists for Palestine  greift andere Künstler öffentlich an, die sich bereit erklären, in Israel aufzutreten, und versucht sie dazu zu zwingen, von ihrem Engagement zurückzutreten. Sie sind einer der Hauptakteure in der Kampagne für einen „kulturellen Boykott“ Israels.

Im Gegensatz zur ersten Veranstaltung bestand das Publikum hier jedoch nicht überwiegend aus Muslimen. Es war eine Mischung aus Aktivisten, Antisemiten und ein paar fehlgeleiteten, wohlmeinenden Personen, die sich in der Anziehungskraft der BDS-Bewegung verfangen haben. Darunter befand sich auch eine kleine Anzahl derer, die an Veranstaltungen wie der der AOHR-UK teilnehmen. Es handelt sich fast immer um Araber, die den „Schuldspruch“ des Scheingerichtes mit in die Phase der Strafzumessung übertragen.

Zu diesem Zeitpunkt sind Nicht-Muslime willkommen, da die Rhetorik der religiösen Aufhetzung und die Lügen, die dadurch unterstützt werden, bereits ganze Arbeit geleistet haben. Streitfragen wie arabische Gewalt, arabische Ablehnung und der Dschihad sind nun irrelevant und unwichtig. Es geht nicht länger darum, was passiert ist, wer damit angefangen hat oder wem Schuld zugewiesen wird. Es geht nur noch um die Bestrafung Israels.

In dieser Phase sind stets nicht-zionistische Juden vertreten. Sie sind meist Teil von sozialistischen Bewegungen der „extremen Linken“. Jetzt, wo die islamistischen  Botschaften ihre Arbeit verrichtet haben, können sich die linken Aktivisten auf humanitäre Botschaften der Gleichheit und des Universalismus konzentrieren. Jegliche Opposition wird als rassistisch, ignorant und unmenschlich niedergemacht. Jede Erwähnung des islamistischen Extremismus wird ignoriert und die Palästinenser werden als unterdrückte Gruppe radikaler, atheistischer und linksgerichteter Sozialisten mit einer universellen Vision des Friedens und der Toleranz dargestellt. Durch eine vereinte Front aus jüdischen Nicht-Zionisten und Palästinensern, die den israelischen Staat angreifen, wird der gewalttätige palästinensische Widerstand gegen ein „rassistisches Apartheid-Regime“ sowohl unvermeidbar als auch legitim.

Die Veranstaltung war eine Übung für die Eskalation von Beschimpfungen, bei der die Redner versuchten, sich gegenseitig mit ihren Angriffen auf Israel zu übertrumpfen. Wenn einer von „Israel, dem rassistischen Staat“ spricht, wird er vom nächsten mit „Israel, der rassistische Apartheidstaat“ übertrumpft. Beide werden dann von denen in den Schatten gestellt, die noch „völkermörderisch“ hinzufügen, und letztendlich von denen, die sich nicht einmal mehr dazu überwinden können, das Wort „Israel“ überhaupt auszusprechen.

„Jedes Interesse an Frieden oder an einer gerechten Lösung des Konflikts ist erloschen.“

Jetzt, wo Israel der ethnischen Säuberung und des Völkermordes schuldig gesprochen wurde, warum soll es überhaupt noch existieren dürfen? Schon bald sprechen sich manche explizit für die Zerstörung des jüdischen Staates aus. Die Überflutung Israels mit Millionen palästinensischen Flüchtlingen, zum Beispiel, was das Ende für Israel als jüdischen Staat bedeuten würde, wird ganz einfach als „Gerechtigkeit“ bezeichnet.

Der erste Sprecher dieser Veranstaltung war Hazem Jamjoum. Er begann mit der Erklärung, dass bereits 1920 Boykotte „unsere Methode waren, um jede Art der Normalisierung mit dem israelischen Regime zu stoppen“. Für alle, die wissen, was 1920 passierte – ein brutaler Pogrom gegen die Juden von Jerusalem – ist die Botschaft eindeutig: Jamjoum spricht sich dagegen aus, die Anwesenheit von Juden in Israel überhaupt zu akzeptieren. Doch viele im Publikum wissen dies nicht, und niemand wird es ihnen sagen. Zu diesem Zeitpunkt sind für diejenigen, die sich mit der Geschichte des Konflikts auskennen, die dunklen Intentionen der BDS-Bewegung eindeutig. Aber für den unschuldigen Hörer sind es Botschaften des Friedens.

Die Taktik der Sprecher lautet meist, nicht über die Geschichte, sondern über Einzelfälle zu diskutieren. Jeder erzählt seine Geschichte, eine schrecklicher als die andere. Es sind namen- und gesichtslose Anschuldigungen, die klingen, als wären sie mit einer Photoshop-Version für Geschichtenerzähler erschaffen worden. Die folgende stammt von Gerald Kaufman und ist in einer Broschüre abgedruckt, die ich bei einer Veranstaltung in Westminster am 27. Oktober 2015 erhalten habe: „Ich unterhielt mich mit einem Mädchen, das mir erzählte, wie sie zwischen ihren Eltern gestanden hatte, als ein israelischer Soldat auf sie zukam und ihrem Vater eine Kugel in den Kopf schoss und danach ihrer Mutter in den Kopf schoss.“

Im Buch des virulenten anti-israelischen Autors Max Blumenthal über den Gaza-Krieg stehen ähnliche Märchen. Tausende dieser Geschichten sind im Umlauf. Ich habe keinen Grund zur Annahme, dass die Überbringer selbst lügen, doch wer war dieses Mädchen, und warum hat gerade sie sich mit Gerald Kaufman getroffen? Geschichten wie diese können nicht einfach bestätigt oder abgestritten werden. Es sind reine Anekdoten, und sie lassen keinen Versuch zu, sie zu belegen oder zu widerlegen. So unwahr sie auch sein mögen, so schädlich, so verleumderisch und so giftig – auf einem Schauplatz wie dieser Veranstaltung zeigen sie so schnell ihre Wirkung wie das Bild eines geschundenen Kinderkörpers auf Twitter.

Für mich war es eindeutig, dass viele in diesem Raum einfach nur ein Problem mit Juden hatten. Und ohne diese Leute, die ihre Reihen aufblähen, würde die BDS-Bewegung vermutlich zerfallen. Bei dieser bestimmten Veranstaltung sass ich hinter dem Geschäftsführer der pro-palästinensischen Gruppe Islington Friends of Yibna. Gegen Ende der Veranstaltung unterhielt ich mich mit ihm, und er erzählte mir, dass er neben einer pro-israelischen Aktivistin, „einer Jüdin“, gesessen habe, und fügte hinzu: „Ich habe ihr den Rücken zugekehrt, um ihr was von dieser jüdischen, äh, Sie wissen schon, das ist die Art, äh, die jüdische Art, jemandem den Rücken zuzukehren oder zu bespucken, Sie wissen schon. Also ich glaube, sie hat es kapiert.“ Nur wenige Sekunden zuvor hatte er erklärt, dass Israelis am Aussehen einer Person erkennen könnten, ob diese „von ganz oben, Sie wissen schon, ein deutscher Jude“ sei. Und so äussert sich der Geschäftsführer einer Bewegung, die Jeremy Corbyn, den aktuellen Vorsitzenden der Labour Party, als einen ihrer Schirmherren auflistet.

Das ist nichts Neues. Nur wenige Wochen zuvor hatte ich an einer anderen Veranstaltung teilgenommen und dort Kaufmans Erklärung darüber, dass „jüdisches Geld“ die britische Aussenpolitik gekauft habe, aufgenommen. Dies war zwar die am häufigsten zitierte Äusserung des besagten Abends, doch es war längst nicht die bösartigste. Es schien so, als hätte Kaufmans Galle den anderen Verschwörungstheoretikern die nötige Zuversicht übermittelt. Einer von ihnen begann öffentlich damit, die Situation in Israel mit dem Märchen der weltweiten Vorherrschaft der Juden zu verknüpfen. Bei diesen Veranstaltungen ist der Antisemitismus nie ausser Hörweite.

Doch mit seiner Botschaft, die sich als Botschaft des Friedens und der Gerechtigkeit tarnt, verbreitet er sich unter den Studenten auf dem Campus. Er ist zu einem Gift geworden, das vorgibt, ein Heilmittel zu sein.

Es gibt keinen einfachen Weg, um die BDS-Bewegung zu bezwingen. Doch einer dieser Wege besteht darin, den zuvor beschriebenen Prozess zu untersuchen, die einzelnen Schritte und die Entwicklung zu erkennen, in der ein Terrorangriff in Israel einen Aufruf zum Boykott Israels veranlasst und in der Behauptung resultiert, dass Israel ein Staat des Rassismus, des Völkermordes und der Apartheid sei. Um BDS in die Schranken weisen zu können, müssen wir verstehen, dass die verschiedenen Elemente der Bewegung mit unterschiedlichen Strategien angegangen werden müssen. Es macht keinen Sinn, zur Verurteilung zu erscheinen, als wenn die Verhandlung selbst noch andauern würde.

Und das ist für uns unerlässlich, denn BDS ist nichts anderes als eine terroristische Bewegung. Ein Arm des Terrors, der ausgestreckt wird, um in einer Atmosphäre des linken Aktivismus im Westen zu operieren. Zudem schiebt er jede Chance auf eine wahre Beilegung des Konflikts immer weiter davon. So wie Ilan Pappe bei einer Veranstaltung an der Universität Exeter im Oktober 2015 sagte, ist „das Einzige, das für uns arbeitet, natürlich die internationale BDS-Bewegung, die nicht auf eine palästinensische Einheit wartet oder darauf, dass sich die israelische Linke endlich zusammenreisst“.

Und es gibt noch einen weiteren, ebenso wichtigen Grund dafür, den Kampf aufzunehmen: Momentan gibt es nur einen Geschichtenerzähler unter den Aktivistengruppen, linken Ideologen und Studenten – und das ist BDS. Pro-israelische Bewegungen sind ausschliesslich reaktiv und mühen sich damit ab, Antworten hervorzubringen. Daher ist die BDS-Bewegung eine Bedrohung für die Wahrheit per se geworden. Wie so viele andere totalitäre Bewegungen verehrt sie eine einzige, privilegierte Geschichte, ohne die Fakten einzubeziehen. Dadurch lässt sie die Wahrheit selbst bedeutungslos werden. Diejenigen, die ihrer Meinung nach unterdrückt werden, haben immer recht, und die designierten Unterdrücker sind immer im Unrecht. Auf diese Weise wird jede Möglichkeit einer gegenseitigen Empathie zwischen Israelis und Palästinensern zerstört und Frieden unmöglich gemacht. Und so wird auch jede gegenseitige Empathie zwischen Juden und Nichtjuden immer weiter ausgeschlossen, da eine Bedrohung errichtet wird, deren Folgen keiner weiteren Erläuterung bedürfen.

Der Kampf gegen die BDS-Bewegung ist ein Kampf für die Wahrheit selbst ­– und es ist Zeit, sich ihm anzuschliessen.

In englisch zuerst erschienen bei The Tower Magazine. David Collier schreibt seit 18 Jahren zum Thema Israel und untersucht derzeit die anti-israelischen Tendenzen an verschiedenen Universitäten.