Die Hauptsynagoge von Aleppo in Syrien wurde als Folge der Kämpfe im syrischen Bürgerkrieg schwer beschädigt. Foto Amaliah Organization
Lesezeit: 4 Minuten

Nach der Rettung der letzten Juden aus Syrien will ein israelischer Geschäftsmann die Synagoge der syrischen Gemeinde retten.

von Jonathan Benedek/TPS

Der Präsident der humanitären Organisation „Amaliah“, Moti Kahana, führt im kriegsgebeutelten Nord-Syrien eine Notkampagne zur Rettung der letzten Verbliebenen der jüdischen Gemeinde von Aleppo. Kahana und seine Organisation engagieren sich auch insbesondere für die Erhaltung der Hauptsynagoge in Aleppo sowie deren Tora und anderer religiösen Bücher.

„Wir müssen sehr schnell handeln“, sagte Moti Kahana gegenüber der Nachrichtenagentur  Tazpit. „Wir brauchen etwa 100.000 USD, einiges dieser Summe werde ich selbst beisteuern. 2015 habe ich bereits mehr als 2,2 Mio. USD gespendet, aber es ist leider zu viel, ich kann nicht alles allein übernehmen.“

Kahana hatte die Organstion „Amaliah“ kurz nach dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien im Jahr 2011 für die humanitäre Hilfeleistung für syrische Flüchtlinge gegründet. Kahana wurde in der syrischen Opposition häufig als eine Art Raoul Wallenberg bezeichnet, weil er vielen Syrern, die sich vom Assad-Regime abgesetzt hatten, zur Flucht aus dem Land verholfen hat.

Foto der Synagoge 1947. Foto Beit Hatfutsot, the Oster Visual Documentation Center
Foto der Synagoge 1947. Foto Beit Hatfutsot, the Oster Visual Documentation Center

Nach der erfolgreichen Rettung der letzten verbliebenen Juden in Syrien im vergangenen Jahr konzentriert sich Kahana mit seiner Organisation nun auf den Versuch, das jüdische Erbe zu bewahren. „Wir haben die letzten Juden von Aleppo gerettet, und jetzt müssen wir die Tora retten“, sagte Kahana.

„Es sind Dokumente und Nachweise über einen Zeitraum von 2.000 Jahren in dieser Synagoge und der Umgebung vorhanden, die der jüdischen Gemeinde gehören“, erklärte Kahana weiter. „Wir müssen diese Dokumente dort rausholen, bevor sie zerstört werden.“

Um seine Ziele zu erreichen, koordiniert Kahana sich mit zahlreichen Gewährsmännern aus Syriens moderaten Oppositionsgruppen.

„Meine Leute im Norden haben mich kontaktiert und berichtet, dass die älteste Synagoge in Aleppo beinahe zerstört worden wäre“, so Kahana. „Meine Verbindungsleute haben aufgepasst und sie beschützt, bis Assad anfing, das Gebiet vor ein paar Tagen zu bombardieren.“

Kahana betonte, dass er nicht so sehr über Assads Bombardement besorgt ist wie über das, was Assads Verbündete aus dem Iran und von der Hisbollah tun könnten, wenn sie erst Aleppo unter ihre Kontrolle gebracht haben.

„Das Assad-Regime geht zurück auf Bashar al-Assads Vater und hat die Synagoge in den letzten 50 Jahren geschützt, aber ich glaube nicht, dass Assad noch die Kontrolle über Syrien hat“, so Kahana nachdrücklich. „Ich denke, die Iraner und die Hisbollah sind diejenigen, die die Entscheidungen treffen, mit Unterstützung der russischen Luftmacht.“

„Ich befürchte, dass die Hisbollah versuchen wird, das Gebiet zu säubern“, so Kahana weiter. „Sie werden dabei nicht unbedingt zwischen jüdischen und nicht-jüdischen Überresten unterscheiden. Sie werden das Gebiet einfach nur einer vollständigen Säuberung unterziehen.“

Kahana glaubt auch, dass die iranischen Kämpfer und die Kämpfer der Hisbollah im Gegensatz zum Assad-Regime nicht viel Respekt gegenüber jüdischen Artefakten und Gotteshäusern zeigen werden.

„Diesen Leuten sind jüdische Artefakte gleichgültig“, meint Kahana. „Sie kommen rein und besetzen ein Gebäude und machen es einfach zu ihrem eigenen.“

Kahana ist sich auch der potentiellen Gefahren durch den Islamischen Staat (IS) sowie durch die anderen radikalen islamistischen Gruppen, die gegen die syrische Regierung kämpfen, bewusst.

„Natürlich sind das Terroristen, die versuchen würden, mich und meine Familie zu töten, und selbstverständlich unterstütze ich sie nicht und ich arbeite mit diesen Gruppen in keinster Weise zusammen“, bekräftigte Kahana. „Falls der IS an die Macht kommt, werden auch sie das jüdische Erbe zerstören, aber der IS steht momentan nicht vor den Toren von Aleppo.“

Kahana plant, die Tora der Synagoge nach dem Herausschmuggeln aus Syrien mit anderen geretteten Gegenständen vorübergehend in New York aufzubewahren und zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückzugegeben.

Die Synagoge im Jahre 2011. Foto Govorkov / Flickr, CC BY 2.0.
Die Synagoge im Jahre 2011. Foto Govorkov / Flickr, CC BY 2.0.

„Ich würde am liebsten alles zur sicheren Aufbewahrung nach New York bringen. Wenn der Krieg vorbei ist und die jüdische Gemeinde zurückgehen und die Synagoge wiederaufbauen kann, wird die Tora zurückgeschickt, wenn die jüdische Gemeinde von Aleppo das wünscht“, erklärte Kahana.

Kahana wünscht sich, dass Israel eine helfende Rolle beim Schutz der Synagoge von Aleppo und deren Umgebung übernimmt.

„Israel versucht so viel zu tun wie es kann, aber ich bin der Meinung, dass Israel den russischen Präsidenten Putin darum bitten sollte, mit der Flächenbombardierung des Gebiets aufzuhören“, fügte Kahana hinzu. „Wo die Bomben hochgehen, gibt es einen 500 Jahre alten jüdischen Friedhof. Israel sollte sich mit Putin in Verbindung setzen, um sicherzugehen, dass das Gebiet nicht beschädigt wurde.“

„Diejenigen, die mir und meiner Organisation bei der Rettung der letzten Juden geholfen haben, waren Muslime in Syrien“

Kahana wäre es lieber, wenn Putin mit der moderaten syrischen Opposition bei der Rettung der Gegenstände aus der Synagoge zusammenarbeiten würde. Dennoch ist ein solches Szenario unwahrscheinlich, angesichts der Tatsache, dass Russland bisher die syrische Regierung unterstützt hat.

„Das optimale Szenario zur Rettung der Tora und Bücher der Synagoge wäre eine Zusammenarbeit von syrischer Opposition und Russland“, sagte Kahana.

Letztendlich glaubt Kahana, dass die vielen moderaten Muslime in Syrien eine Rolle in seiner Notkampagne übernehmen können. „Diejenigen, die mir und meiner Organisation bei der Rettung der letzten Juden geholfen haben, waren Muslime in Syrien“, vermerkte Kahana. „Ich helfe den Menschen, weil wir als Juden jedem Menschen helfen, solange er uns nicht töten will.“