Theaterstück aus Jordanien soll Jugendliche davon abhalten, Terrororganisationen beizutreten

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Im Rahmen der jordanischen Bemühungen zur Bekämpfung des Phänomens, dass junge Leute Terrororganisationen beitreten, haben die jordanischen Künstler Rania Isma’il und Hassan Sabaileh ein Theaterstück mit dem Namen „Terrorism at the Door“ geschrieben, dass jetzt an verschiedenen Universitäten in ganz Jordanien vor studentischem Publikum aufgeführt wird.

Wie das Middle East Media Research Institut (MEMRI) schreibt, geht es in dem Stück um häusliche Gewalt und die gesellschaftliche Ausgrenzung von jungen Menschen, die diese dazu bringen, sich radikalen Ideologien zu öffnen und Terrororganisationen wie dem Islamischen Staat (ISIS) beizutreten. 1 Im Anschluss an jede Aufführung gibt es eine Diskussionsrunde über die Faktoren, die junge Leute dazu motivieren, sich Terrororganisationen anzuschliessen. Dabei werden die Zuschauer dazu aufgefordert, ihre Gedanken zu äussern und mögliche Lösungen zu nennen. 2

Plakat für die Aufführung. Foto Facebook.com/Zaal.khadra1
Plakat für die Aufführung. Foto Facebook.com/Zaal.khadra1

Die Tageszeitung Al-Dustour veröffentlichte am 22. Dezember 2015 einen Artikel des jordanischen Schriftstellers und Journalisten Hussein Al-‚Amoush, in dem er das Stück lobte und es als effektives Mittel beschrieb, um der jüngeren Generation eine gesellschaftliche Botschaft zu überbringen.

Hier einige übersetzte Auszüge aus seinem Artikel: 3

„Ich hatte die Gelegenheit, mir an der World Islamic Science & Education University das Stück ‚Terrorism at the Door‘ der Künstler Hassan Sabaileh und Rania Isma’il anzusehen. Das Stück, das zurzeit an Universitäten in Jordanien aufgeführt wird, entlarvt den Terror [das Phänomen des Terrors] und die Methoden, mit denen terroristische Vereinigungen junge Jordanier rekrutieren, während sie [deren] psychische Schwäche ausnutzen. Es reisst sensible Themen an und analysiert die Situation und die harte wirtschaftliche Realität der Jordanier, die sie dazu bringt, wie leichte Beute den von den Terrororganisationen angebotenen finanziellen Anreizen zu erliegen. Das sorgfältig geschriebene und aufgeführte Stück spiegelt unsere menschliche, wirtschaftliche und akademische Wirklichkeit wider. Es stellt [diese Wirklichkeit] auf die Bühne und zeigt auf etwas, über das wir nicht reden, [nämlich darüber,] dass eines unserer grössten Probleme der Mangel an Kommunikation zwischen Vätern und ihren Söhnen ist. Das geht so weit, dass der Vater überrascht ist, als sein Sohn Mitglied einer Terrorzelle oder einer Terrororganisation wird. Das schockiert uns und lässt uns anfangen, nach Lösungen zu suchen, wenngleich die Lösung greifbar nah ist.

Der wichtigste Teil des Stücks ist die Schlussszene, in der der Sohn den Sprengstoffgürtel zeigt, den er angelegt hat, um sich selbst in die Luft zu sprengen. Das Stück endet mit einer wichtigen Frage, die den Studenten [im Publikum] nach der Methode des interaktiven Theaters gestellt wird: ‚Und was ist deine Meinung?‘ Ich habe [unter den Antworten] verschiedene logische, klare und mutige Ansichten gehört, die zeigen, dass das Stück es geschafft hat, seine Botschaft schnell und einfach zu vermitteln. Das bedeutet, dass wir über herausragende Mittel verfügen, um unseren Söhnen, den Studenten, die hier das Zielpublikum sind, gesellschaftliche Botschaften zu überbringen.

Immer wieder können wir sagen, dass Kunst Politik erschafft… und wirkungsvolle Aufführungen dieser Art können, auch wenn es ein trauriges Thema ist, mit Humor ihre Botschaft vermitteln. Wir haben kreative Künstler wie Hassen, Rania und die Schauspieler, aber eine solche Arbeit braucht auch ein nährendes Umfeld sowie Werkzeuge und Ressourcen… Oder anders gesagt: Sie braucht den Staat und die Regierung [und deren finanzielle Förderung und Unterstützung] …“

Isma’il und Sabaileh haben ausserdem zwei kurze Animationsfilme im Geiste des Stücks geschaffen, die ebenfalls den Titel „Terrorism at the Door“ tragen und auf YouTube veröffentlicht wurden. Auch diese Filme zeigen einen jungen Mann, der sich von seinen Eltern vernachlässigt und sogar verachtet und gedemütigt fühlt und sich daher den Internetseiten von ISIS zuwendet, die ihm versprechen, aus ihm einen ruhmreichen Befehlshaber zu machen…“

  1.  Ammonnews.net, Dezember 2015.
  2. Al-Ghad (Jordanien), 2. Dezember 2015; Al-Rai (Jordanien), 7. Dezember 2015.
  3. Al-Dustour (Jordanien), 22. Dezember 2015.