Henker des Islamischen Staates war 2009 Teilnehmer bei Gaza-Konvoi

Lesezeit: 3 MinutenEin Mitglied einer vierköpfigen Exekutionszelle des Islamischen Staats, die einst von ‚Jihadi John’ angeführt wurde, ist als britischer Staatsangehöriger identifiziert worden. Er war zuvor 2009 an Bord eines Konvoi in den Gaza-Streifen gereist, berichtete Buzzfeed am Sonntag.

Amerikanische und britische Geheimdienste identifizierten den Mann als Alexanda Kotey, ein 32-jähriger West-Londoner von ghanaischer und griechisch-zypriotischer Herkunft. Er ist das zweite Mitglied der Exekutionszelle, das enttarnt wurde. Zuvor war bekannt geworden, dass es sich bei ‚Jihadi John’ um den ebenfalls aus London stammenden Mohammed Emwazi handelte, der im vergangenen November bei einem US-Drohnenangriff getötet worden war.

Emwazi, Kotey und zwei weitere Wächter des Islamischen Staates sind kollektiv für die Enthauptung von 25 Geiseln verantwortlich, darunter die Amerikaner James Foley, Steven Sotloff und Peter Kassig. Die Mitglieder der Zelle, wegen ihres britischen Akzents auch unter dem Spitznamen „The Beatles“ bekannt, erlangten aufgrund ihrer Grausamkeit zweifelhaften Ruhm, da sie unter anderem auch Elektroschocks und Waterboarding bei der Folter ihrer Geiseln einsetzten.

Laut Buzzfeed war Kotey ein leidenschaftlicher Fussballfan, der in Shepherd’s Bush aufwuchs, weniger als 2 Meilen von dem Ort entfernt, wo Emwazi heranwuchs. Mit Anfang 20 konvertierte er zum Islam, nachdem er sich in eine muslimische Frau verliebt hatte. Er hat zwei kleine Töchter, die sich noch in Grossbritannien aufhalten. Ermittler glauben, dass er nach dem Scheitern seiner Ehe in der Al-Manar-Moschee radikalisiert wurde, die auch Emwazi besuchte. Ein ehemaliger Freund erinnert sich, dass Kotey Selbstmord-Attentate in Debatten ausserhalb der Moschee gerechtfertigt habe.

Kotey stand auch den Mitgliedern der „London Boys“ nahe, einem Netzwerk von Extremisten, die sowohl mit dem Terroranschlag am 7. Juli 2005 in London als auch mit einem fehlgeschlagenen Komplott zwei Wochen später in Verbindung gebracht wurden.

Gemäss Dokumenten, die Buzzfeed vorliegen, nahm Kotey am „Viva Palestina“-Konvoi nach Gaza teil, der 2009 von George Galloway, einem ehemaligen Mitglied des britischen Parlaments, organisiert worden war. Am Tag, bevor der Konvoi starten sollte, wurden neun der Teilnehmer von der Polizei gemäss dem Anti-Terror-Gesetz festgenommen; alle wurden jedoch später wieder freigelassen. Eine Liste der freiwilligen Konvoi-Teilnehmer offenbart, dass drei der Teilnehmer, die neben Kotey am Gaza-Konvoi teilnahmen, bekannte Extremisten sind. Unter ihnen befinden sich zwei Mitglieder des „London Boys“-Terror-Netzwerks: ein britisch-iranischer Terrorverdächtiger, der unter einem Top-Agenten von Al-Qaida in Somalia ausgebildet wurde, sowie ein Anwerber der Taliban, der 2011 wegen Terrordelikten verurteilt wurde.

Das ägyptische Aussenministerium schrieb, dass, als der Konvoi die Hafenstadt El Arish erreicht hatte, „die ägyptischen Behörden überrascht waren, dass der Konvoi aus 59 Autos (Limousinen) ohne jeglichen humanitären Zweck bestand, und keinerlei humanitäre Güter mit sich führte.“ Nachdem Ägypten verkündete hatte, dass die Autos nicht unter der Bestimmung, die für humanitäre Güter vorgesehen ist, in Gaza eingeführt werden durften, drohten Galloway und einige der Konvoi-Teilnehmer damit, die Fahrzeuge in Brand zu setzen. Mehrere Freiwillige bewarfen die ägyptischen Sicherheitskräfte mit Steinen und randalierten im Hafen. Ein ägyptischer Soldat wurde bei den darauffolgenden Zusammenstössen von einem unbekannten Schützen getötet.

Ankunft in Gaza. Foto Flickr/ISM Palestine 2009. CC BY-SA 2.0.
Ankunft in Gaza. Foto Flickr/ISM Palestine 2009. CC BY-SA 2.0.

Sobald der Konvoi Gaza erreicht hatte, trafen sich die Teilnehmer mit den Anführern der Terroristengruppe Hamas, u.a. auch mit dem Anführer Ismail Haniyeh. Dieser lobte, wie berichtet wurde, die Gruppe dafür, dass „sie die Augen der Welt für die Belagerung des Gaza-Streifens geöffnet hat.“

Ein Freund, der mit Kotey im „Viva Palästina“-Konvoi mitfuhr, meinte, diese Reise habe ihn „verändert“. Kotey brach laut Berichten den Kontakt zu seinen Freunden kurz danach ab. Den Ermittlern zufolge machte er sich auf den Weg nach Syrien und erreichte schliesslich die östliche Stadt Raqqa, die heute als De-facto-Hauptstadt des Islamischen Staats dient.

Quellen: TheTower, Buzzfeed, Washington Post

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